Evangelikale Mission ohne Grenzen


Insassen des Zentralgefängnisses von Kigali in rosa Sträflingskleidung. Foto: rtr

VON S. SCHLINDWEINtaz

Innocent Irankunda bat um Asyl in Deutschland, wurde abgeschoben und sitzt jetzt in Kigali im Knast. Der Fall hat Menschenrechtler erbost. Doch die Wahrheit kann komplizierter sein.

Er stiert auf den Boden und runzelt die Stirn. „Ich bin erledigt“, murmelt Innocent Irankunda in gebrochenem Deutsch. Dann schweigt der 24-jährige Ruander auf seinem Stuhl im Besuchszimmer des Gefängnisses. Irankunda war aus Ruanda geflohen, hatte von einem besseren Leben in Deutschland geträumt. Er wurde aber abgeschoben, in seiner Heimat verurteilt und muss nun vier Jahre im dunklen, übervollen und stinkenden Kerker schmachten. Sein Schicksal hat Menschenrechtler aufgeregt. Aber je tiefer man in Irankundas Geschichte eintaucht, desto undurchsichtiger wird sie – eines von unzähligen schwierigen Kapiteln der Zukunftssuche Ruandas, sechzehn Jahre nach dem Völkermord.

Ruandas Zentralgefängnis mitten in der Hauptstadt Kigali, genannt „1930“ nach dem Jahr seiner Errichtung durch die damalige belgische Kolonialmacht, ist ein Bollwerk aus unverputzten rostroten Ziegelsteinen, mit Türmchen und Schießscharten wie eine Ritterburg. Ursprünglich ausgelegt für 2.000 Insassen, sitzen derzeit 4.530 Menschen ein, darunter ca. 700 Frauen und 100 Kinder. Täglich treffen neue ein: Im Innenhof laden sie Matratzen, Waschwannen und Kleiderbündel von einem Kleintransporter. Richtige Betten gibt es nicht. Die dreistöckigen Eisengerüste sind mit Holzlatten ausgelegt. Geschlafen wird im Schichtbetrieb. Zweimal am Tag gibt es eine Schüssel Reis und Bohnen. Die Hygienebedingungen sind katastrophal: ein Eimer in der Ecke, ein Loch im Boden.

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