Evangelikale Kurzzeitmissionare im Irak


Volker Faigle: Einheimische Christen werden als Kollaborateure des Westens angesehen. Foto: EKD

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Im Irak erschweren evangelikale Kurzzeitmissionare die ohnehin prekäre Situation der Christen. Diese Ansicht vertrat der theologische Referent im Büro des Bevollmächtigten des Rates der EKD am Sitz der Bundesregierung in Berlin, Volker Faigle, bei einer Tagung der Evangelischen Kirche von Westfalen in Schwerte.

Unter der Überschrift „Christen unter dem Halbmond – zur aktuellen Situation der Christen im Nahen Osten“ ging es am 20. März um die Lage in Ländern wie Irak und Israel. Die Kurzzeitmissionare, die meist aus den USA und Südkorea kommen, heizten mit „kopflosem Vorgehen“ die ohnehin spannungsgeladene Situation an, so Faigle. Sobald ein Muslim Christ geworden ist, seien die Missionare wieder weg. Die Konvertiten würden aus ihren Familien verstoßen. Einheimische Christen würden von vielen Muslimen als Kollaborateure des Westens angesehen und stünden „zwischen allen Fronten.“

2.000 getötete Christen seit 2003

Laut Faigle wurden seit der militärischen Offensive der USA und dem Sturz des Diktators Saddam Hussein im Jahr 2003 etwa 2.000 Christen bei Attentaten und Überfällen getötet. Vertreibung und Verfolgung hätten einen Exodus ausgelöst. Vor zehn Jahren hätten in dem biblischen Land zwischen Euphrat und Tigris 1,2 Millionen Christen, mehrheitlich Katholiken der Chaldäischen Kirche neben Syrisch- und Armenisch-Orthodoxen, gelebt. Heute seien nur noch 600.000 Christen im Land. Die Zahl der Protestanten schätzt Faigle auf 7.500. Zwei Millionen Menschen hätten bis heute den Irak verlassen und seien meist nach Syrien und Jordanien geflohen.

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