Der Aufstieg des Atheismus(The Rise of Atheism)


Quelle: danielschurter.net

Von Elisabeth MeisterND

Der Preis der Religion ist hoch

Im australischen Melbourne tagte ein globaler Kongress zum »Aufstieg des Atheismus«

Recht auf Gleichbehandlung
Die Glocke stört,
es stört der Muezzin.
Man bringe sie zum Schweigen,
die wie ihn.

Peter Hacks

Gott sei Dank – nein: Zum Glück kam der Hagelsturm eine Woche früher, sonst hätte die Presse sich den Mund zerrissen: Im australischen Melbourne fand Mitte März der globale Kongress »Der Aufstieg des Atheismus« (The Rise of Atheism) statt. Und am Wochenende davor regnete es golfballgroße Hagelkörner, die Innenstadt war überflutet, der Verkehr kam zum Erliegen, Einkaufszentren wurden evakuiert. Die Schlagzeilen, wäre dies am Kongress-Wochenende passiert, kann man sich vorstellen.

Zum weltweit größten Atheisten-Kongress kamen 2500 internationale Teilnehmer. Stolze Zahlen, wenn man bedenkt, dass Atheisten als notorisch nicht-organisiert gelten und deshalb einen nicht einmal annähernd ihren tatsächlichen Zahlen entsprechenden Einfluss ausüben. Aktuellen Statistiken zufolge sind in Australien und in den USA jeweils ca. 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung Atheisten, in Deutschland etwa 25 Prozent – ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung, der sich jedoch weder genügend bemerkbar macht noch genügend gehört wird.

»Und worüber redet ihr da die ganze Zeit? Über nichts?« wurde Mitorganisator und Vorsitzender der Atheist Foundation of Australia, David Nicholls, gefragt – wohl nicht nur im Scherz. Atheismus – ist das mehr als die Überzeugung, dass es keinen Gott gibt? Was sollte Atheisten, die ansonsten (was man auch am Publikum sah) so unterschiedlich sind, wie Menschen eben sind, ein ganzes Wochenende zusammenbringen? Gibt es überhaupt eine »kohärente atheistische Position«, wie ein Priester im Fernsehen bezweifelte, da doch Atheismus auf einem negativen Konzept, eben A-Theismus, aufgebaut sei? Dazu konnte sich der Gottesmann ein feines Lächeln über seinen so cleveren Einwand nicht verkneifen.

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6 Comments

  1. oho….

    Marduk wird sie alle strafen, diese armen unwissenden Ungläubigen.
    Wie heißt es doch so schön: unwissenheit schützt vor sTrafe nicht…

    Ansonsten macht halt SElberdenken klüger, niht nachbeten. mein Tip des TAges für die freundlichen nachbeter…
    😉

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  2. Ist es nicht eigenartig !? Noch niemals hat ein Atheist über einen Gottgläubigen oder Andersdenkenden eine Fatwa verhängt ! Und – noch nie hat ein Atheist einen Menschen vor ein Inquisitionsgericht geschleppt !

    Vielleicht sollten wir mal über eine Fatwa für Fatwa-Verhänger nachdenken !

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  3. @Max Headroom

    „Taslima Nasrin, welche richtig erkannte, das das Problem der Konflikt zwischem rationalem Denken und irrationalem Glauben ist und die Meinungsverschiedenheit zwischen ihnen ausgetragen wird, und weniger zwischen Gott vs. Allah.“

    Das wird aber auch auf der „Gegenseite“ erkannt. Man denke nur die Einsilbigkeit der Kirchen, insbesondere Roms, zu der Fatwa gegen Sir Salman Rushdie, oder in den USA, wo Evangelikale und Katholiken immer enger zusammenarbeiten, Gruppen die vorher nicht mit dem Hintern ansahen, die salbatischen Worte von Kirchenvertretern zum Islam, u.s.w.

    In dem Masse, in dem diese „Brueder im Geiste“ (besser wohl im „Mangel von Vernunft“) sich bedroht sehen und ihre Felle in einer immer sekularenen Welt wegschwimmen, in dem Masse werden sie auch Gemeinsamkeiten entdecken.

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  4. Es bleibt zu hoffen und dafür zu kämpfen, dass ihre Zahl abnimmt, dass der Aufstieg des Atheismus weiter voranschreitet, dass Vernunft und rationales Denken keine Ideale einiger weniger bleiben, dass Säkularismus als erstrebenswertes und wichtiges Ziel vorangebracht wird und der übergroße Einfluss der Religionen – egal welcher Couleur – zurückgedrängt und ausschließlich in den privaten Bereich verbannt wird, wo er hingehört.

    Oh, darf ich es sagen..?! Na gut: AMEN!!!!

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  5. „Kirche der lächelnden Vagina“

    Geführt von einer Päpstin ? WO KANN ICH MICH MELDEN ? DAS IST MEINE RELIGION ! 😀 .

    (..) wie ein Priester im Fernsehen bezweifelte, da doch Atheismus auf einem negativen Konzept, eben A-Theismus, aufgebaut sei?

    Priester sind eben eine lustige Untergruppe der Spezies Homo sapiens sapiens. Sie Behaupten alle, sie hätten zwar keinen „Beweis“, aber dennoch einen triftigen Grund, untote Menschen anzubeten. Doch gegenüber dem A-Theismus hat diese besagte Person anscheinend überhaupt keinen blassen Schimmer. Das „negative Konzept“ ist genauso negativ wie das bekannte „negative Konzept“ der „A-Raucher“ und „A-Alkoholiker“. Ich weiss, es mag für einen Priester eine Hochleistung der Gehirnwindungen erfordern, einen Zusammenhang zwischen „Nichtrauchen“ und „Nichtanpersonellegeistermitintelligenzglauben“ herzustellen 🙂 .

    Menschen, die auf solche Treffen gehen, möchten Kontakte knüpfen, Erfahrungen austauschen. Es gilt nicht, ihren „Nichtgott“ zu huldigen oder „Anti-Gottesdienste“ anzuhalten. Man möchte wissen, wie es abseits des eigenen Wohnraumes zugeht, wie andere Mitmenschen mit der Tatsache umgehen, dass kein Brahma, kein Marduk und keine Shiva über ihre Köpfe schwirrt. Das Resultat ist bekanntlich klar: Wo nix ist, hat man auch nix zu fürchten 🙂 . Deshalb sind die heimlichen Glanzpunkte IMO die Komiker, welche die gläubige Positionen karikieren 😉 .

    Wieso ist für viele Christen völlig klar, dass Nicht-Muslime dem islamischen Gesetz »selbstverständlich« nicht unterworfen sein können, während sie es gleichzeitig aber genauso selbstverständlich finden, dass Politik, Recht und Gesetz, Ethik- und Moraldiskussionen im Westen von christlichen Positionen bestimmt werden?

    Tja … ich sollte diese Frage wohl auf ein T-Shirt drucken und damit durch die Innenstadt tingeln 😉 .

    Nicht zuletzt deshalb betonte die Bio-Ethikerin Leslie Cannold auf dem Kongress, wie wichtig es ist, dass Atheisten sich nicht abgrenzen, sondern mit allen zusammenarbeiten, die für säkulare Ziele kämpfen, unabhängig von ihren Ansichten in Glaubensfragen.

    Eine Zusammenarbeit wird schön-regelmäßig von den Gläubigen als Angriff auf die Glaubensfreiheit und ähnlichem angesehen. In einigen Ländern gleich mit der Religionspolizei vergolten. Es gehört sich eben nicht, nicht an überirdische Intelligenzen aus einer anderen Dimension zu glauben 😛 .

    Ansonsten ein interessanter Artikel, der viele Punkte anspricht. Insbesondere Taslima Nasrin, welche richtig erkannte, das das Problem der Konflikt zwischem rationalem Denken und irrationalem Glauben ist und die Meinungsverschiedenheit zwischen ihnen ausgetragen wird, und weniger zwischen Gott vs. Allah.

    Ich kann Frau Meister beglückwünschen für einen sehr informativen Artikel, der zwar „für mich“ nichts neues beinhaltete, aber der für viele Aussenstehende die passende Information bereithält.

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