Politisch unglaubwürdig


Günter Nooke, bald Afrikabeauftragter der Bundesregierung ©ddp

„Religion verstehen – dann sind wir glaubwürdig“

Nooke betont christliche Wurzeln Europas

domradio.de

Der scheidende Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung hat mehr Sensibilität für das Schicksal verfolgter Christen gefordert. Medien und Bevölkerung erachteten das Thema manchmal „als nicht so wichtig“, so Günter Nooke im domradio.de-Interview. Gleichzeitig sei es wichtig, das eigene Christ sein ernst zu nehmen.

domradio.de: Elementare Menschenrechte sind ein hohes Gut, das würde sicher nahezu jeder deutsche Politiker unterschreiben. Nicht selten hat man aber das Gefühl, wirtschaftliche Interessen sind dann doch immer wieder bedeutender in der aktuellen Politik. Täuscht dieser Eindruck?

Nooke: Ja, ich glaube, dass er überbewertet wird. Ich glaube, dass viel mehr Angst und Rücksichtnahme auf Regierungen als ganz konkret die wirtschaftlichen Interessen uns manchmal leisetreterisch in der Menschenrechtspolitik erscheinen lassen. Wirtschaft kann durchaus auch etwas  zum Schutz der Menschenrechte beitragen, wenn es freien Handel gibt und damit in vielen Ländern überhaupt administrative Strukturen – und gute Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit entstehen. Da kann ja Wirtschaft sogar einen Beitrag leisten. Aber natürlich muss man aufpassen, dass man eben nicht da, wo man Gas oder Öl her bezieht oder wo man eine Pipeline bauen will, dann den manchmal autoritären Regierungen oder sogar diktatorischen Regimen nach dem Munde redet. Menschenrechtspolitik misst sich daran, dass wir auch gerade eben als Bundesregierung keinen Zweifel daran lassen, dass wir im Zweifel auf der Seite der Unterdrückten, der Opfer, der von Menschrechtsverletzungen Betroffenen stehen.

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11 Comments

  1. Interessanterweise gab es zu Blair ein „Gegenmodel“ innerhalb seiner eigenen Partei: Der erklaerte Atheist, und leider viel zu frueh verstorbene, Robin Cook, der vor der Abstimmung im House of Commons von seinem Amt als „Leader of House“ zuruecktrat und vor dem Irakkrieg in einer nuechternen Analyse warnte:

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  2. Ein Mensch – egal ob Politiker oder normaler Bürger -, der das Christsein wirklich ernst nimmt, der muss Atheist werden !

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  3. @nickpol

    Die Frage ist nur, warum hat er das getan? Mal ganz nuechtern aus seiner Sicht betrachtet: Wer Grossbritanien aus die Schwachsinnskrieg draussen gehalten haette, waere er der Held seiner Partei gewesen und man wuerde ihm wohl Denkmaeler setzen, statt dessen hat er alle Warnungen, auch seiner eigenen Partei (die Ruecktrittsrede von Robin Cook aus herausragendes Beispiel), von arabischen Staaten, die die Situation dort wohl besser kannten als Bush jr. und von europaeischen Verbuendeten ignoriert. Es waere in seinem Eigeninteresse gewesen, wenn eben nicht den „Pudel“ gespielt haette.

    Er hat aber, und tut es immer noch, wie aus seiner Aussage vor der Iraq Inquiry vom 29. Jan. 2010 klar zu sehen, geglaubt, dass er das richtige taete und erklaerte auch an anderer Stelle, dass sein Glaube ihn leiten wuerde.

    Das heisst konkret, dass seine irrationalen Ideen, seine religoese Ueberzeugung, ihn gegen rationale Argumente und sein Eigeninteresse immun machten und er damit Grossbritanien ganz konkret erheblichen Schaden zufuegte.

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    1. Wenn Politiker ihren Glauben zur Maxime ihres Handelns werden lassen ist Vorsicht geboten. Insofern haben Blair und Bush gut zusammengepasst. Bush als „wiedererweckter Christ“ und Blair, welcher dann letztlich meinte, sein Seelenheil im katholischen Glauben zu finden.
      Als Bush seinerzeit die „Koalition der Willigen“ schmiedete, fragte er den französischen Präsidenten um militärische Hilfe im Irak an, weil dort das biblisch Böse, nämlich die Dämonen „Gog“ und „Magog“ ihr Unwesen treiben und er, Bush, den „göttlichen“ Auftrag habe, das Böse zu vernichten. Das französische Präsidentenamt erkundigte sich bei einem Universitäts-Prof. zu „Gog“ und „Magog“, da es völlig überfordert war, mit der biblischen Geschichte. Jaques Chirac soll ziemlich irritiert gewesen sein. Die Story dazu findest du hier.
      Für Blair ist der Atheismus böser als der Terrorismus, We are under attack. Blair fühlt sich also vom Atheismus angegriffen.
      7 Jahre nach „Mission accomplished“ befindet sich der Irak eben in schlimmeren Zuständen als je zuvor. Die Menschenrechte gelten nicht, Terrorismus herrscht, viele kleine Privatkriege werden ausgetragen, es herrscht keine Meinungsfreiheit, von den Medien ganz zu schweigen und die Gefängnisse sind gefüllt mit nicht „rechtsstaatlichen“ Verfahren. Angesichts dessen fällt es schwer von einem besseren Leben im Irak zu sprechen.

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  4. @nickpol

    Man sollte in dem Zusammenhang nicht vergessen, dass es ein von seinem Glauben gepraegter Premier war, der Grossbritanien gegen eine Mehrheit in seiner eigenen Partei und in der Bevoelkerung in den schwachsinnigsten Krieg seit der Suezkrise gefuehrt hat: Antony Blair.

    Nach seiner Amtzeit ist der Mann sogar noch zum katholismus konvertiert.

    Man mag vielleicht von Gehard Schroeder keinen Gebrauchtwagen kaufen wollen, aber sein gesunder Menschenverstand hat Deutschland vor diesem Schwachfug bewahrt.

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    1. Politiker die ihre Glaubwürdigkeit aus einem sogenannten „Religionsverständnis“ herleiten wollen sind doch absolut fehl am Platze. Nooke ist in meinen Augen ein Schwätzer, mich würde viel eher interessieren, was er als Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung alles so verwirklicht hat und zwar unabhängig von irgendwelchen Religiositäten, Hautfarben und anderen kulturellen Zugehörigkeiten?

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  5. Man sollte sich doch auch anschauen, wo Christen verfolgt werden: Das sind Laender, in denen die Menschenrechte generell nicht viel gelten. Wir koennen uns natuerlich ueber die Verfolgungen und Benachteiligung von z.B. Kopten in Aegypten aufregen, aber dann sollte man auch davon sprechen, dass es dort Schwulen und Lesben keinen Deut besser geht.

    Ferner: Den Begriff der „Verfolgung von Christen“ kenne ich eher aus der US-amerikanischen Diskussion. Nur dort wird z. B. auch Deutschland aufgefuehrt, weil in Dtld. die Schulpflicht auch gegen fundamentalistische Christen durchgesetzt wird, die unbedingt verhindern wollen, dass ihre Kinder mit so etwas wie „Realitaet“ allzunahe in Kontakt kommen.

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  6. Bei allen vernünftigen Ausführungen Nookes im Interview hat er es an dieser einen Stelle, wo Bezug auf die Rolle von Christen genommen wird, an Genauigkeit fehlen lassen.

    „Gerade, was Christen angeht, ist in der Öffentlichkeit in Deutschland und Europa wenig bewusst, dass über 200 Millionen verfolgte Christen weltweit, die eigentlich größte Gruppe der aus religiösen Gründen Verfolgten bilden. Ich glaube, dass auch wichtig ist, dass gerade auch in Europa wir uns auch für die einsetzen, die ja eigentlich unsere Glaubensbrüder und -schwestern sind, ohne dass man damit sagt, wir setzen uns damit nur für Christen ein. Es lohnt sich, über das Thema Religionsfreiheit zu reden. Aber es lohnt sich auch zu sagen, dass wir in Europa nur glaubwürdig sind, wenn wir verstehen, was Religion noch bedeutet und wenn wir unser eigenes Christ sein – wenigstens einige in diesem Land – auch noch ernst nehmen.“

    Nichts dagegen, sich für Verfolgte einzusetzen. Aber wer ist „wir“? Warum sollten „wir“ uns für Christen einsetzen? Die Institutionen dieser Religion sind mächtig genug, für ihre Verfolgten selbst zu sorgen; dafür brauchen sie keine besondere Unterstützung der Gesellschaft, ganz im Gegenteil wird sie bereits von der Gesellschaft durch ihre Sonderstatus enorm unterstützt. „Wir“ können in Nookes Sinn daher m.E. nur Christen in Deutschland sein – dann sollte er als Bundesbeauftragter (und nicht Christenbeauftragter) dieses Pronomen genauer einsetzen.

    Dass „wir“ nur dann glaubwürdig seien, wenn wir verstünden, was Religion nocht bedeutet, ist natürlich Quatsch. Für wen glaubwürdig, in welcher Hinsicht? Tatsächlich ist es ja wohl eher so, dass Christen wie auch andere Religiöse ein riesiges Glaubwürdigkeitsproblem haben.

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