Eine neue Inquisition nötig?


Wo ist die Inquisition, wenn man sie mal braucht? Papst Benedikt XVI. könnte in seiner Kirche derzeit ruhig etwas härter durchgreifen. Foto: dpa/DPA

Von Matthias HeineWelt Online

Eins vorweg: Scheiterhaufen will keiner. Aber nur eine effiziente Reinigung von gotteslästerlichen Kinderschändern, eine neue Inquisition, kann den Katholizismus noch retten. Zumal die Inquisition ihren schlechten Ruf nur bedingt verdient. In weiten Teilen war sie sogar überaus modern.

Wenn es irgendetwas gibt, das konservative Protestanten insgeheim an der katholischen Kirche bewundern, dann ist es die Härte und Konsequenz, mit der diese Institution gegen ihre Feinde vorgeht. In der Laber- und Verständniskultur des evangelischen Alltags sehnt man sich manchmal nach einer Autorität, die dogmatisch auf den Tisch haut und sagt: „Du bist ein Ketzer, troll dich!“

Doch gerade diese Unnachgiebigkeit scheint der katholischen Kirche derzeit völlig abhanden gekommen zu sein. Unter Papst Benedikt bekämpft sie ihre Feinde nicht mehr, sondern zeigt etwa gegenüber dem Holocaust-Leugner und häretischen Bischof Richard Williamson eine Langmut, die sogar ein deutsches Jugendgericht nicht für einen Serienkriminellen mit Migrationshintergrund und schwerer Kindheit aufbringen würde.

Noch fassungsloser macht einen die lässige Haltung, die der Papst und seine Getreuen derzeit gegenüber der pädophilen Mafia, die ihre Kirche infiltriert hat, an den Tag legen. Diese Männer sind ja nicht bloß Verbrecher im weltlich juristischen Sinne, sondern Feinde des Glaubens.

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8 Comments

  1. Nun, Lehrer an oeffentlichen Schulen treten nicht vorher einer Organisation bei, der sie mythisch ihr Leben widmen, sich ihr in allen Fragen unterordnen und dieser Enthaltsamkeit versprechen. Das ist schon mal ein etwas anderes Setup.

    Wenn in einer oeffentlichen Schule auch nur der leistete Verdacht auftaucht, laeuft eine Maschinerie an, die schnell bis zum jeweiligen Kultusminister und in den Landtag hochlaeuft. Ein Minister, der auch nur im leistesten Verdacht staende, die Aufklarung zu behindern, waere politisch eine Leiche und seine Partei-„Freunde“ wuerden ihn noch nicht mal mehr mit dem Hintern gruessen.

    In einer solch emotional besetzten Frage, wie Kindesmissbrauch, knallt oeffentliche Empoerung direkt und ohne Umwege auf die politische Fuehrungsebene durch. Zwischen der Oeffentlichkeit und der Kirchenfuehrung bestehen statt dessen etliche gut gefuetterte Kissen.

    Wenn ich paedophiler Lehrer waere, meine Schule waere der letzte Ort an dem ich versuchte, dies auszuleben.

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  2. @ feydbraybrook
    „Die Kirche hat Feinde aus allen möglichen Richtungen, da sollte man schon aufpassen, vor welchen Karren man sich spannen läßt.“
    Meinst Du den Islam vielleicht?
    Sollen wir jetzt den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?

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  3. Gerade als Atheist sollte man doch zum Zweifel fähig sein, oder nicht?

    Natürlich ist Aufklärung, Verurteilung der Täter und Entschädigung der Opfer dringend nötig, aber 1. geschieht das bereits – wenn auch noch nicht schnell genug – und 2. gibt es da noch was anderes, das parallel geschieht: Kirchen-Bashing.

    Da wäre ich mir als Atheist zu schade dafür. Die Kirche hat Feinde aus allen möglichen Richtungen, da sollte man schon aufpassen, vor welchen Karren man sich spannen läßt. Es gibt auch so manchen Neonazi, der sich extrem an der traditionell migrantenfreundlichen Haltung der Kirche stört.

    Wie gesagt, das heißt nicht, daß man die Kritik an der Kirche verstummen lassen soll, im Gegenteil. Aber man sollte gerade hier sachlich bleiben. Vereinfachte Denkmodelle, die davon ausgehen, daß Männer ohne Sex eher Gefahr laufen, pädophil zu werden als Männer, die Sex haben, sind überhaupt nicht hilfreich.

    Ich weiß, das hat hier keiner gesagt, aber es ist auch nur eines von vielen Beispielen für die völlig undifferenzierte Haltung, die hierzulande gegenüber der Kirche eingenommen wird. Neuestes Beispiel: die Online-Ausgabe der Tageschau berichtet über die rituelle Fußwaschung des Papstes am Gründonnerstag und darüber, daß während dieser nichts zu den Mißbrauchsskandalen gesagt wird. Ähh…
    Der Papst soll also bei jeem öffentlichen Auftritt dazu Stellung nehmen?

    Bin mal gespannt, was passiert, wenn die ganzen Mißbrauchsfälle an staatlichen Schulen publik werden. Ich könnte mir vorstellen, daß da viel weniger öffentliches Interesse besteht, weil man eine „Gesellschaft“ eben nicht so griffig als Feind formulieren kann wie die Kirche, die vielleicht in vielem anachronistisch und erneuerungsbedürftig ist, aber sicher nicht der Inbegriff des Bösen, wie inzwischen dargestellt.

    http://feydbraybrook.wordpress.com/2010/04/02/interview-feyd-zu-den-misbrauchsfallen-in-der-katholischen-kirche/

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  4. Eine Inquisition?! Damit konnte niemand rechnen… und damit zeigt sich wieder einmal, dass Überraschung eine der Hauptstärken der Inquisition ist. Nicht vergessen darf man auch den Aspekt der Angst – eine weitere Stärke der Inquisition.

    Weiter Pluspunkte gibt es für die Inquisitikon auch in den Bereichen Effizienz, die von Experten als „schonungslos“ bewertet wird, und in der beinahe fanatischen Hingabe an den Papst.

    Oh, und nette Uniformen…

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  5. Wer bewundert was an der katholischen Kirche ? Die Härte und Konsequenz mit der diese Institution üblicherweise gegen ihre Feinde vorgeht, kann es wirklich nicht sein. Wäre diese Konsequenz auch nur in Ansätzen vorhanden, wäre Bischof Mixa längst als größter Feind der kath. Kirche vom Papst aus seinem Amt gejagt worden.

    Ich sage nur: Bisher sind es 6 eidesstaatliche Erklärungen, die Mixa belasten. Dagegen steht nur sein Wort ! Stellt sich die Frage, welchen Wert hat dieses Wort noch ?

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  6. „Noch fassungsloser macht einen die lässige Haltung, die der Papst und seine Getreuen derzeit gegenüber der pädophilen Mafia, die ihre Kirche infiltriert hat, an den Tag legen.“

    Das ist gut, kriminelle die von kriminellen heimgesucht werden…

    Bitte, bitte löst euren abstoßenden Verein auf, und denkt nach, worauf es wirklich im Leben ankommt, das Leben und Leben lassen, Das zusammenleben auf diesen Planeten ohne ihn zu zerstören, und anderen Menschen zu unterstützen ohne sich selbst als Retter zu profilieren.

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  7. Nun, ich weiss nicht, welche Inquisition der Author, Matthias Heine, meint.

    Es gab eine Roemische Inquisition, eine Spanische Inquisition und jede Menge lokaler Inquisitionsbehoerden, zumeist unter der Leitung des oertlichen Bischofs in Zusammenarbeit mit den lokalen Authoritaeten.

    Wenn er sich auf die Roemische Inquisition bezieht, dann scheint sein Bild eher von Hollywood gepraegt zu haben. Die Roemische Inquisition, wie die meisten lokalen inquisitionen war in den meisten Faellen eher „milde“, es sei denn sie wurden von der lokalen Obrigkeit angetrieben, was z.B. in den Hexenprozessen der Fall war.

    Die Kath. Kirche duldete in ihren Reihen immer verschiedene Richtungen, so gab im 16. Jahrdt. sowohl prominente Gegner der Hexenverfolgung, wie Erasmus von Rotterdam oder Adam Tanner, wie ueble Massenmoerder.

    Die Inquisition verstand nur bei zwei Dingen „keinen Spass“: Die Anerkennung der Oberherrschaft des Papstes und dem oeffentlichen Skandal. In beiden Faelle war so unnachgiebig, wie in anderen Faellen gnaedig und tolerant. So ist es den Kath. Kirchen des Orthodoxen Ritus erlkaubt das Filioque im Credo wegzulassen, solange sie anerkennen, dass Papst das Recht dieses einzufuegen

    Die aktuelle Vertuchung von Kindesmissbrauch, die milde Haltung gegenueber Williamson, etc., ist nicht anderes als die Fortfuehrung der Politik der Kath. Kirche seit Jahrhunderten. Die Priester, die an Kinder vergriffen haben, haben sich schliesslich nicht an der Herrschaft des Papstes ueber die Kirche vergriffen – man musste aus, kath. Tradition heraus, Milde walten lassen. Bei Kueng sah dies schon ganz anders aus.

    Diese systematische Doppelmoral der Kirche hat System und gehoert zu ihren Ueberlebensstrategien. Eine neue Inquisition wurde nichts anderes machen als ihre Vorgaenger.

    Matthias Heine scheint die gefaehrliche Doppelnatur der Kath. Kirche nicht zu verstehen.

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