Der Vatikan: sinistre Supermacht


Quelle: Die Presse.com
Quelle: Die Presse.com

Von Angelika Hager , Sebastian Hofer und Gunther Müllerprofil online

Vertuschung als Kommunikationsstrategie, dubiose Todesfälle, Undercover-Katzen und Bankomaten, die Latein sprechen. Ein Zwergstaat als gigantische Geldwäscherei. Wie es hinter den pompösen Kulissen der sinistren Supermacht zugeht.

Der offizielle Chefexorzist der Diö­zese Rom, teufelsversiert durch 12.000 Dämonenaustreibungen in 25 Jahren, hat einen Sündenbock gefunden für die schwerste Kirchenkrise, mit der ein Pontifex maximus je konfrontiert war. „Im Herzen der katholischen Kirche hat sich der Satan breitgemacht“, erklärt der 82-jährige Pauliner-Pater Gabriele Amorth, dessen Memoiren „Ein Exorzist erzählt“ im vergangenen Herbst erschienen sind, in einem Interview, „der Rauch des Satans in den heiligen Hallen ist verantwortlich für Gewalt, den Missbrauch und die Machtkämpfe von Kardinälen, die nicht an Jesus glauben, und Bischöfen, die mit dem Dämon verbunden sind.“
Der Teufel dürfte sich vor allem in der Kommunikationsstrategie des in schweren PR-Notstand geratenen Machtapparats verkriechen.

Reuebereitschaft, Fehlerreflexionen und die Bitte um Versöhnung, wie sie der damals 79-jährige Johannes Paul II. im März 2000 in seiner legendären „Mea culpa“-Predigt im Petersdom demonstriert hatte, an der Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation maßgeblich beteiligt gewesen war, fehlten beim diesjährigen Palmsonntags-Balkonauftritt seines Nachfolgers.

Zwei Tage zuvor war eine folgenreiche Entscheidung des damaligen Münchner Erzbischofs an die Öffentlichkeit gedrungen: Ratzinger hatte 1980 der Versetzung eines Priesters von Essen nach München zugestimmt, der zuvor einen Elfjährigen missbraucht haben soll. Später wurde der problemlos rehabilitierte Priester in der Seelsorge zum Wiederholungstäter. Schwere Vorwürfe erhob gleichzeitig die „New York Times“ gegen den Papst. Zweihundert gehörlose Kinder waren von 1950 bis 1974 in einer Taubstummenschule in Wisconsin von dem inzwischen verstorbenen Priester Lawrence Murphy missbraucht worden. Die Missbrauchsopfer hatten vergeblich bei den kirchlichen US-Behörden um Hilfe gebeten. 1996 hatte der Erzbischof von Milwaukee, Rembert G. Weakland, den Präfekten der Glaubenskongregation Ratzinger in zwei Briefen von den Vorfällen informiert – und bis heute keine Antwort erhalten. Ebenso wurde zum Auftakt der Karwoche bekannt, dass auch Vertreter des Vatikans demnächst vor US-Gerichte geladen werden könnten: Bei Bundesgerichten in zwei Bundesstaaten liegen laut „Washington Post“ Missbrauchsanklagen gegen den Kirchenstaat vor. Die dramatischen Vorfälle kommentierte Benedikt XVI. in seiner Palmsonntagpredigt erstaunlich schnoddrig. Der Glaube an Jesus Christus gäbe ihm die Stärke, sich „nicht vom belanglosen Geschwätz der vorherrschenden Meinung einschüchtern zu lassen“. Sein Pressesprecher Federico Lombardi schoss hinterher, dass diese Medienberichte allein als „schmachvoller Versuch“ zu werten wären, dem Papst und seinen engsten Beratern um „jeden Preis zu schaden“.

weiterlesen

6 Comments

  1. @Bert

    Man ueberschaetzt und unterschaetzt die Kath. Kirche.

    Sie wird ueberschaetzt: Sie ist nicht das antike Rom und deren Caesaren. Man mag einen Caligula hassen, bewundern, fuerchten, vielleicht sogar auch lieben, aber lachen sollte man ueber ihn nicht.

    Wenn ich mir das Theater im Vatican anschaue, dann ist mir zuerst zum Lachen zumute: Eine gespielte Demut in Goldtoga vor einer imperialen Kulisse, die noch von ganz anderen Kalibern auf dem Papstthron erstellt wurden. Intriegen um Halbsaetze in Erklaerungen, die ausserhalb eines kl. Kreises keinen interessiert, Geschacher um Posten, deren Namen ausserhalb des Vatikans kaum bekannt sind.

    Der Papst kann heute keinen engl. Koenige, wie noch Herny II, zur oeffentlichen Selbstgeisselung zwingen oder Kaisern wie noch Karl V. Kopfzerbrechen machen. Er noch nicht mal den Schwangerschaftsabbruch in Italien verhindern koennen.

    Er wird auch unterschaetzt:

    Er zieht noch seine Intrigen, spielt mit seinem Ministaat grosse Politik und hat Einfluss auf eine erhebliche Minderheit in Europa.

    Ja: Es ist richtig darauf hinzuweisen, zu sagen, wo er sich Rechte angemasst hat, die ihm bei vernuenftiger Betrachtung nicht zu kommen.

    Aber immer in allen anderen Fragen ist meiner Ueberzuegung nach die einzige angemessene Antwort schallendes Gelaechter!

    Gefällt mir

  2. Rheinlaender Sagt:
    April 4, 2010 um 2:57 am
    00Rate This
    Kleiner Nachtrag:

    Wenn man bedenkt, dass der Titel des Pontifex Maximus von Julius Caesar, Augustus, Gaius (Caligula), Hardian, Trajan, Marcus Aurelius und anderen getragen wurde …

    Ich bezweifele, dass diese Traeger des Titels allzu gnaedig in ihren Kommentaren zum jetzigen waeren. Man mag den Caesaren viel nachsagen, aber schleimige Doppelmoral ganz bestimmt nicht

    Na … wenn Du es weißt, auf welcher Seite Du stehst?!

    So muß es alles gut sein?!

    Gefällt mir

  3. @ Rheinlaender
    ja, ja, ja
    „Das Wort des Imperators war Gesetz in der gesamten bekannten Welt und die Praetorianer waren weder eine Operettentruppe in lustigen Fummel,“

    Ich bin auch nicht das Sprachhohr des Imperators!

    „Du gibt dem Vatican zu viel Ehre. Im antiken Rom war dies wirkliches grosses Staatstheater, heute ist es eher Schmierenkomoedie.“

    Ich will und bin von „denen“ nuuuuscht!

    An sonsten, nur Nuancen.

    Grüße

    Gefällt mir

  4. Kleiner Nachtrag:

    Wenn man bedenkt, dass der Titel des Pontifex Maximus von Julius Caesar, Augustus, Gaius (Caligula), Hardian, Trajan, Marcus Aurelius und anderen getragen wurde …

    Ich bezweifele, dass diese Traeger des Titels allzu gnaedig in ihren Kommentaren zum jetzigen waeren. Man mag den Caesaren viel nachsagen, aber schleimige Doppelmoral ganz bestimmt nicht.

    Gefällt mir

  5. @Bert

    Das ist eher die Persiflage des antiken Roms:

    Das Wort des Imperators war Gesetz in der gesamten bekannten Welt und die Praetorianer waren weder eine Operettentruppe in lustigen Fummel, noch ein Haufen aelterer Herren in nicht auch mehr ganz zeitgemaessen Gewaendern, sondern waren ueber 1000 Elitesoldaten, bestens trainiert und ausgestattet mit den besten Waffen ihrer Zeit, die auch durchaus mal klar machten, dass sie eigene „Ideen“ hatten, wer denn auf dem Thron sitzen sollte oder was der Senat zu beschliessen habe.

    Du gibt dem Vatican zu viel Ehre. Im antiken Rom war dies wirkliches grosses Staatstheater, heute ist es eher Schmierenkomoedie.

    Gefällt mir

  6. Der Imperator und seine Prätorianer, jeden Tag auf neue grüßt das Murmeltier.
    Das Erwachen wird nicht romantisch schön sein, … für die Schafe!

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.