Kardinaler Unsinn aus Köln


Joachim Meisner, Foto: ddp
Joachim Meisner, Foto: ddp

koeln.de

Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner hat das Abhängen von Kreuzen in Sälen des Düsseldorfer Amts- und Landgerichts kritisiert. Es sei eine «Ungeheuerlichkeit», wenn Kreuze in Europa auf Gerichtsbeschluss aus den öffentlichen Räumen abgehängt würden, sagte Meisner bei seiner Karfreitagspredigt in Köln.

Das Kreuz sei ein Zeichen dafür, dass der Sohn Gottes für die Menschen gestorben sei. Mit dem Entfernen von Kreuzen aus öffentlichen Räumen verliere der Mensch seine «letzte Absicherung». Wenn Kreuze in den Gerichten der Landeshauptstadt abgehängt würden, «muss man um die Rechtsstellung des Menschen Angst haben», erklärte Meisner.

Wenn man für die «Gegenwart der Christuskreuze in unserer Kultur» einsteht, dann geschehe das nicht nur um Christi willen, sondern auch um der Menschen willen. «Wo man das Gesicht Gottes verhüllt, das heißt, die Kreuze abgehängt hat, wie in zahlreichen Ländern Europas im vergangenen Jahrhundert, dort verlor der Mensch seine Unantastbarkeit und viele ihr eigenes Leben», betonte Meisner.

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16 Comments

  1. @Skepsis

    Es geht mir weniger darum, Warum die Kreuze dort hingen, als vielmehr seit Wann.

    Ich habe langsam den Verdacht, dass dies erst im 19. Jhrdt. ueblich wurde.

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  2. Im Gerichtssaal wurde das Kreuz entfernt, gleichzeitig wurde eine Möglichkeit geschaffen, im Gerichtsgebäude, für eine rituelle Fußwaschung.

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  3. @Rheinländer:
    Ich habe keine Ahnung, warum Kreuze in Gerichtssälen hängen, aber könnte es sein, dass die ein Ausdruck des Gottgnadentums der weltlichen Gewalt war? Man somit dem Gericht eine höhere Weihe geben wollte bzw. die Machtbefugniss als von Gott eingesetzte Gewalt den Menschen vor Augen führen wollte? Wenn ich mich nicht irre lagen germanische Thingplätze auch häufig bei/in heiligen Plätzen (Bäume, Haine, etc). Wenn dies eine zulässige Parallele ist, dann sollte diese Verknüpfung mit etwas geweihtem (Kreuz, Donareiche, etc) vielleicht auch den Zweck der Versammlung (Gericht, Thing), eine als gestört wahrgenommene göttliche Ordnung wieder herzustellen, ausdrücken?

    Gruß

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  4. Mal eine ganz dumme Frage: Wann tauchten eigentlich die Kreuze in Gerichtsraeumen auf?

    Vielleicht liege ich hier falsch, aber auf den Bildern z.B. zum Reichskammergericht sind keine Kreuze zu finden und auch auf anderen Darstellungen fehlen diese.

    Das Recht des Heiligen Roemischen Reiches unterschied sehr genau zwischen der weltlichen und der geistlichen Gerichtsbarkeit – so hatte ein Jude keinen Zugang zur gesitlichen Gerichtsbarkeit, musste sich auch nicht vor ihr verantworten, konnte aber einen Prozess gegen z.B. einen Kaufmann in einer Vertragssache – zumindest theoretisch – anstrengen. Die Reichskammergerichtordnung von 1555 hatte sogar einen besonderen Eid fuer Juden in Art. I-86, da die christlichen Eide Juden den Zugang verwehrt haette (Neo Meuer fuehrt sogar eine solche Klage im seinem Werk “ Practica von deß Cammer Gerichts Ordnung vnd Proceß“ als Beispiel an.

    Kann es sein, dass die Kreuze erst _NACH_ Napoleon eingefuehrt wurden? Um so-zu-sagen den Ungeist der Revolution aus den Gerichtsraeumen zu excorzieren?

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  5. Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner hat das Abhängen von Kreuzen in Sälen des Düsseldorfer Amts- und Landgerichts kritisiert.

    Ein Kölner wird niemals über Düsseldorf entscheiden. Ich bin Düsseldorfer, und das ist und bleibt das ewige Dogma des Heiligen düsseldorferischen Volksglaubens 😀 . Sorry, aber das bewegt meinen Bürgerstolz 😛 .

    Das Kreuz sei ein Zeichen dafür, dass der Sohn Gottes für die Menschen gestorben sei.

    Na und ? Wen interessiert’s ? Das Gerichtsgebäude ist kein Ort, wo Geister und Götter für irgendwelche Taten angebetet werden. Ob die Kuh der Ursprung allen Götterlebens ist, Jesus am Kreuz für die Sünden gestorben oder die heilige Nudeligkeit ihre Spaghetttifühler für unsere Liebe ausstreckt… das ist kein Grund, eine Kuh, ein Kreuz oder einen Nudelteller im Gerichtssaal vorzuführen. Was auch immer die Leute sich in ihrer Fantasie als „Erlösung“ auszudenken vermögen … das sollen sie zuhause oder in dafür erbauten Erlösungsinstituten ausüben dürfen. Im Gerichtssaal wird Recht ausgesprochen, keine Gottheit angebetet !

    (..) muss man um die Rechtsstellung des Menschen Angst haben.

    Hier hat sich anscheinend Meisners letzte Gehirnzelle verabschiedet. Das GERICHT wurde gebaut, um das RECHT auszusprechen. Das Kreuz gibt nur einer einzigen religiösen Gruppe „Recht“ … und zwar den Jesusanbetern. Jede andere Religion guckt doof aus der Wäsche, denn sie haben nichts in der Geschichte des Wanderpredigers verloren. Ganz im Gegenteil. Diese Religion hat in ihrer blutigen Geschichte stets mit Machthabern gekuschelt und war sich niemals verlegen, mit Mord und Todschlag auf „Unglauben“ zu reagieren. Die Kriminalgeschichte des Christentums hat es in zwischen auf satten 10 (!) Bändern geschafft… Tendenz: steigend !
    Das Gericht kümmert sich nicht um Fantasiegeschichten, sondern um Gesetze. Die sind losgekoppelt von Geistern und Göttern. Und sie sind auch losgekoppelt von den Folterinstrumenten der römischen Besatzungstruppen. Wie wahoonie schon sagte: weg mit dem „Symbol des Todes“ ! Wer eine Vagina, ein Kondom oder ein Kreuz anbeten möchte, der darf dies gerne an dafür vorgesehene Orte machen. Doch ein Gerichtssaal ist kein Gebetsraum. Und erst recht nicht der Gebetsraum einer Religion !

    Wo man das Gesicht Gottes verhüllt, das heißt, die Kreuze abgehängt hat, wie in zahlreichen Ländern Europas im vergangenen Jahrhundert, dort verlor der Mensch seine Unantastbarkeit und viele ihr eigenes Leben.

    Meiner Meinung nach kann man spätestens jetzt die Äußerungen dieses Mannes allesammt in das Reich der Fantasie abschieben. Dummheit in Perfektion ! Doch leider bezieht dieser Dummschwätzer eine fürstliches Gehalt aus den Steuergeldern sämmtlicher Bewohner des Landes.

    Als Reaktion auf die Kontroverse hatte es erste Gespräche zwischen Justiz und Kirche gegeben. Eine Lösung wurde dabei allerdings noch nicht erzielt.

    Was für Gespräche ? Man hat aus „gutem Willen“ die Kreuze geduldet. Nun ist das ewige auf und ab zu mühselig. Also lässt man diese Poster einfach draussen. Es wird kein Gesetz gebrochen und kein Geist erzürnt. Nur die Fans des Zombiekultes fühlen sich „beleidigt“. IHR PECH ! Geht in die Kirche und betet euch frei von Sünden, dann ist die Welt wieder in Ordnung 🙂 .

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  6. @Rheinländer: Dank für die zivilisatorische Sicht….

    Zu allen Zeiten hat das Entfernen von religiösen Fetischen bei den für diese Gottheit zuständigen Schamanen Sorge ausgelöst; es war aber immer der Ausdruck schwindenden Einflusses.

    Warum brauchte es fast 200 Jahre bis „offensichtliche“ Errungenschaften der französicher Revolution wieder bei rheinischen Gerichte einziehen?

    Dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg und seinem Kruzifix Urteil von 2009 sei Dank! (Übrigens gibt es in Europa immer noch 2 Staaten ohne Menschenrechte: Weißrussland und der Vatikan.)

    Da interessiert doch einfach In welcher Eigenschaft Meisner in seiner Osterpredigt uns Rheinländer gegen geltendes Recht aufzuwiegeln versucht?

    Als Funktionär eines undemokratischen römischen Staates?

    Oder als Kölner Bürger? der durch die Bundesrepublik Deutschland der der EU Menschenrechtskonvention beigetreten ist?

    Meisner scheint „brüderlich“ mit dem Augsburger Vatikan-Funtionär Mixa verbunden, der deutsche Politiker aufforderte sich nicht ans Europäisches Recht zu halten: denn zuerst sei man Katholik und dann erst Deutscher.

    Von dieser tragischen Priorität berichten die Zeitungen ja seit Monaten…

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  7. Abgesehen davon ist es eine bodenlose Unverschämtheit, mich (und sonstige Nicht-Christen) so darzustellen, als wären wir ohne jede Menschlichkeit.
    Da hat sich der herr Prediger doch heftig im Ton vergriffen.

    Das ist beidigend und unterstellend.
    Ich kann jetzt nicht mal mit Hinweis darauf aus einer Religionsgemeinschaft austreten, da ich nie zu einer gehörte. Nicht einmal als Säugling unfreiwillig.

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    1. Würde sich ein Gericht, bei der Rechtsfindung, unter anderem auf das „Kreuz“ verlassen, müssten Kläger und Beklagte sofort die Zurechnungsfähigkeit des Gerichts in Frage stellen. Ich denke unsere Richter kommen sehr gut ohne religiösen Mummenschanz aus.
      Ich habe Zweifel an der Seriosität und Zurechnungsfähigkeit des Herrn Meisner.

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  8. Stimme zu, besonders Wahoonie:

    „GG Artikel 102

    “Die Todesstrafe ist abgeschafft.”

    und damit sollte auch die zurschaustellung von hinrichtungsinstrumenten hinfällig sein.“

    Kleiner Zusatz: es handelt sich hier um die Zurschaustellung eines Hingerichteten samt Hinrichtungswerkzeug (wenn auch als Symbol“.

    Vorläufer des Wachsfigurenkabinetts sozusagen…

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  9. Etwas zu den Gegenstroemungen zu den Hexenprozessen in der Kath. Kirche:

    Diese bestanden schon vor Spee: Tanner und Weyer als wichtige Protagonisten, aber auch Erasmus von Rotterdam. Der Bischof von Brixen, Sued-Tirol, erklaerte den Author des Hexenhammers, Heinrich Kramer, gar fuer schlicht verrueckt.

    Meisner redet aber hier von der weltlichen Gerichtbarkeit: Und diese war unter dem Zeichen des Kreuzes und unter der direkten Kontrolle seiner Vorgaenger im Amt.

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  10. @Skepsis

    Ganz kleiner Einwurf: Ich habe die Hexenverfolgung im Erzstift Koeln deshalb aufgefuehrt, weil der Erzbischof Koeln dort auch weltlicher Herr war. Er also nicht nur fuer den „geistlichen“ Teil des Verfahrens (was bei Hexenprozessen ohnehin unueblich war), sondern auch fuer den „weltlichen“ Teil einschliesslich der Hinrichtung.

    Das ging im Erzstift Koeln sogar soweit, dass das Reichskammergericht 1631 intervierte und den damaligen Erzbischof von Koeln, Ferdinand von Bayern, einem der Vorgaenger von Meissner, verurteilte, sich doch wenigstens an die Carolina von 1532 zu halten, unter der Androhung eienr Strafen von 10 Mark in Gold.

    Bis das Reichskammergericht in einem solchen Fall, dazu noch in einem Kurfuerstentum, intervenierte, musste es schon ziemlich uebel kommen.

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  11. @Skepsis

    Ganz kleiner Einwurf: Ich habe die Hexenverfolgung im Erzstift Koeln deshalb aufgefuehrt, weil der Erzbischof Koeln dort auch weltlicher Herr war. Er also nicht nur fuer den „geistlichen“ Teil des Verfahrens (was bei Hexenprozessen ohnehin unueblich war), sondern auch fuer den „weltlichen“ Teil einschliesslich der Hinrichtung.

    Das ging im Erzstift Koeln sogar soweit, dass das Reichskammergericht 1631 intervierte und den damaligen Erzbischof von Koeln, Ferdinand von Bayern, einem der Vorgaenger von Meissner, verurteilte, sich doch wenigstens an die Carolina von 1532 zu halten, unter der Androhung eienr Strafen von 10

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  12. Meissner stößt in das selbe Horn wie Perra und Genossen: Wieder wird mit der Angst vor möglichst diffus gehaltenen Gefahren gespielt („Wo man das Gesicht Gottes verhüllt, das heißt, die Kreuze abgehängt hat, wie in zahlreichen Ländern Europas im vergangenen Jahrhundert, dort verlor der Mensch seine Unantastbarkeit und viele ihr eigenes Leben“). Diese Art der Argumentation ist einfach unredlich.

    Die Kirche ging äußerst selten mit gutem Beispiel voran, sondern war immer nur an ihrem Machterhalt interessiert. Passenderweise schaffte sie es aber, die eigentliche Drecksarbeit andere machen zu lassen: Mit den Hexenverfolgungen z.B. kann man die Kirche nicht treffen. Weil die Delinquenten nach dem ‚Geständnis‘, an dem sich die Hunde des Herren (Domini canes, Dominikaner) maßgeblich beteiligten, ja der weltlichen Justiz überantwortete. Und die hat ja im Endeffekt……
    Wenn es mal humane Gegenströmungen in der Kirche gegen gesellschaftliches, von der Kirche sanktioniertes Unrecht gab, wusste man sich zu helfen: Friedrich von Spee traute sich ja nicht ohne Grund, seine Cautio Criminalis nur anonym zu veröffentlichen. Oder der Jesuitenstaat, der in Paraguay im 17. Jhd errichtet worden war und den Indianern relativ hohen Schutz und Sicherheit bot, hatte zwar mehr als 100 Jahre Bestand, aber als er den (wirtschaftlichen) Interessen der Kirche bzw. ihrer Adepten zuwider lief, gab es ihn eben nicht mehr.

    Man muss aber noch nicht mal so weit zurück gehen: Was war die Rolle der Kirche in der Franco-Diktatur? Wie in Mittel-/Südamerika? Wie war das Verhältnis der Kirche dort zu den Diktaturen? Die paar aufrechten Priester, die sich einer Verbesserung der ALLGEMEINEN Lebensverhältnisse verpflichtet fühlten, konnten dies ja nicht lange tun (man erinnere sich nur an den Umgang von Johannes Paul II. mit diesen Priestern. Z.b. bei seinem Staatsbesuch in Nicaragua).

    Und Meissner wagt es, im Hinblick auf diese Vergangenheit von einer de-humanisierung der Gesellschaft durch Abhängen von Kreuzen zu sprechen…Dieser Herr will einem Justizsystem, das, bei aller Unzulänglichkeit, das beste ist, das je in Deutschland existiert hat, etwas von der ‚Unantastbarkeit des Lebens‘ erzählen? Es ist für mich die gleiche Ungeheuerlichkeit wie das Zollitsche Ultimatum an die Bundesjustizministerin.

    Gruß

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  13. GG Artikel 102

    „Die Todesstrafe ist abgeschafft.“

    und damit sollte auch die zurschaustellung von hinrichtungsinstrumenten hinfällig sein.

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  14. Doch noch mal einen draufgelegt:

    Meisner; „Wo man das Gesicht Gottes verhüllt, das heißt, die Kreuze abgehängt hat, wie in zahlreichen Ländern Europas im vergangenen Jahrhundert, dort verlor der Mensch seine Unantastbarkeit und viele ihr eigenes Leben“

    Von dem feinen Umstand abgesehen, dass der Katechismus der Kath. Kirche die Todesstrafe in ihrem Katechismus nach-wie-vor als Moeglichkeit offen laesst (CCC Nr. 2266/2267), scheint Herr Meisner die Geschichte seines eigenen Erzbistums nicht zu kennen.

    Offensichtlich hat die Existenz von Kreuzen in Gerichtssaelen es nicht verhindert, dass es im Kurstift Koeln zu den uebelsten Hexenverfolgungen Deutschlands kam; er scheint auch zu vergessen, dass waerend der Hitlerdiktatur diese Kreuze nicht abgehaengt wurden, waerend in Laendern mit zivilisierter Gerichtsbarkeit, wie Frankreich, solche Kreuze seit gewissen Vorfaellen im Jahr 1789 nicht mehr haengen.

    Entweder weiss der Mann nicht wovon er redet oder er luegt einfach. Moegen dies andere entscheiden!

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  15. Aehhh … die Kreuzigung war eine Hinrichtungsmethode, die die Roemer wohl von Persern lernten.

    Ein Kreuz hat etwa die gleiche Symbolik wie eine Guillotine, nur mit dem Unterschied, dass der Tod auf der Guillotine um etliches weniger viehisch ist als am Kreuz.

    Davon abgesehen, scheint Herr Meisner zu vergessen, dass auf den meisten Gebieten des ehemlg. Kurstifts Koeln (dessen Wappen er noch fuehrt) dank franz. Revolutionstruppen seit 1795 weltliche Gerichtsbarkeit herrscht und das das Abhaengen von Kreuzen nur eine logische Folge dieser Veraenderung ist (wenn auch mit gewisser Verspaetung).

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