K.u.K Reichsmutter oder Gottesstaat


Barbara Rosenkranz, Quelle: wikipedia

VON RUDOLF GRUBER – RP-Online

In Österreich bewirbt sich eine Holocaust-Zweiflerin um das höchste Amt im Staat. Barbara Rosenkranz, die 55-jährige Kandidatin der extremen Rechtspartei FPÖ, will dem Sozialdemokraten Heinz Fischer nachfolgen und sorgt damit für reichlich politischen Wirbel.

Der Bundespräsident ist in Österreich ein Ersatzkaiser. Nicht nur, weil er wie einst die Habsburger auch als republikanisches Staatsoberhaupt inmitten des barocken Prunks der Wiener Hofburg residiert. Neben seinen Machtbefugnissen – namentlich bei Regierungsbildungen – ist er vor allem moralische Höchstinstanz; erst recht in Zeiten, in denen das Ansehen politischer Parteien stetig sinkt und das der dominierenden Landeskirche schwer angeschlagen ist.

Der Sozialdemokrat Heinz Fischer scheint seine Rolle die vergangenen sechs Jahre gut gespielt zu haben, weshalb seine Wiederwahl am kommenden Sonntag so sicher ist wie das Amen im Gebet. Meinungsforscher trauen dem besonnen – Kritiker meinen, zu ängstlich – agierenden Verfassungsjuristen sogar das Spitzenergebnis zu, das Rudolf Kirchschläger seit 30 Jahren mit 79,9 Prozent der Stimmen hält.

Diese Aussicht hat die konservative Volkspartei (ÖVP) völlig entmutigt. Parteichef und Vizekanzler Josef Pröll hielt es für angebracht, auf einen eigenen Kandidaten zu verzichten und zugleich die Kosten für den teuren Wahlkampf zu sparen. Pröll muss sich von Kritikern inner- und außerhalb der Partei Geringschätzung einer Volkswahl vorwerfen lassen. Die eigenen Wähler sind rat- und orientierungslos, deren Mehrheit kann sich für keinen der drei Kandidaten erwärmen. Kühle Empfehlung der Parteispitze: Dann sollen sie halt ungültig wählen.

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