Keine Kruzifixe, keine Kopftücher


Aygül Özkan, dpa

Künftige Ministerin Özkan für Kruzifixverbot an Schulen
Auch Kopftücher haben „in Klassenzimmern nichts zu suchen“

heute.de/politik

Die künftige Sozialministerin von Niedersachsen, Aygül Özkan (CDU), hat sich für ein Verbot von Kruzifixen an öffentlichen Schulen ausgesprochen. Anders sei dies bei Schulen in kirchlicher Trägerschaft. Auch Kopftücher seien tabu.

„Christliche Symbole gehören nicht an staatliche Schulen“, sagt Aygül Özkan dem Münchner Nachrichtenmagazin „Focus“. „Die Schule sollte ein neutraler Ort sein.“

Ein Kind soll selbst entscheiden

Ein Kind müsse selbst entscheiden können, wie es sich religiös orientiere, erklärte die Muslimin. Darum hätten auch Kopftücher „in Klassenzimmern nichts zu suchen“. Für Schulen in kirchlicher Trägerschaft solle allerdings kein Kruzifixverbot gelten.

Özkan sagte dem „Focus“ außerdem, dass sie die Zuständigkeit für Integration vor ihrem Wechsel nach Hannover bei Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) eingefordert habe. „Ich habe klar gesagt, dass ich den Bereich Integration übernehmen möchte, der bislang im Innenministerium angesiedelt war.“ Da wolle sie „etwas bewegen“. Etwa werde sie sich „dafür einsetzen, ausländische Abschlüsse in Deutschland anzuerkennen“. „Es darf nicht sein, dass hervorragend ausgebildete Bürger Taxi fahren müssen, wenn sie nach Deutschland kommen“, sagte die Politikerin.

11 Comments

  1. @nickpol:
    „…Özkan hat sich entschuldigt. Schade…“

    Mit dieser dilettantischen Aktion hat sie der Sache ziemlich geschadet, an dieses Thema wird sich jetzt lange niemand mehr herantrauen…

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  2. Als erste medienwirksame „Amtshandlung“, einer muslimischen Ministerin, die Abschaffung von christlichen Symbolen zu fordern, ist sicher kein Zeichen von politischer Klugheit bzw. Kompetenz! Völlig unabhängig von der Sinnhaftigkeit dieser Aktion…

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  3. Genau genommen ist das alles noch etwas komplexer: Die primaere Authoritaet fuer die Schulen liegt bei den Bundeslaendern und dort ist das teilweise doch ganz lustig. Die niedersaechische Verfassung ist dort tatsaechlich weitgehend neutral, waerend, als besonderes „Schaetzchen“ die Verfassung von Rheinland-Pfalz in Art. 29 die „christliche Gemeinschaftsschule“ fuer Grund-, Haupt- und Sonderschulen vorschreibt (pikanterweise nicht fuer die hoeheren Schulen) und in Art. 33 die „Gottesfurcht“ als Erziehungsziel vorgibt.

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  4. @Yeti

    Das GG schreibt schon einen klaren Wertekatalog vor – das ist ja gerade eine der Besonderheit des GG im westlichen Verfassungsrecht: Andere Verfassung haben i.d.R. zwar auch einen Grundrechtskatalog postulieren aber keine philosophische Begruendung (wie im Art. 1 GG durch die postulierte „Wuerde des Menschen“).

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  5. @feydbraybrook:

    Die Annahme, das GG schreibe wertfreie Erziehung vor, ist ein populärer Irrtum. Werte sollen sogar vermitteln werden.

    Schon klar. Das GG schreibt aber nicht vor, _welche_ Werte vermittelt werden sollen.
    Yeti

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  6. Ein Zugewinn für die ChristenPolitiker…..

    Mich würde es auch nicht stören, wenn wir den säkularen Staat schon nicht durch Europa oder durch Frankreich akzeptieren …. es aber über den Umweg der zivilisatorische Leistung Atatürks goutieren….

    …da passt das deutsche Sprichwort „Liebe Ausländer, lasst uns mit den Deutschen nicht alleine…“ 😉

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  7. Das GG hat tatsaechlich – im Gegensatz zu den meisten Verfassungen – einen Wertekatalog definiert:

    Der Art. 1 fuehrt die „Wuerde des Menschen“ als oberste Staatsmaxime ein. Das ist aber ein Begriff, der sich weniger aus der christl. Tradition ableitet, sondern aus der Philosophie der Stoa und nachher von Kant erneut aufgegriffen wurde.

    Der Grundrechte, den das GG zur „Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft“ postuliert, wurden bis zum 2. Vatikanischen Konzil in den 1960ern von der kath. Kirche massiv ablehnt.

    Das Christen heute mit dieser Verfassung leben koennen und sie unterstuetzen liegt weniger am christlichen Ursprung dieser Ideen, sondern an der Flexibilitaet des Christentums.

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  8. Die Annahme, das GG schreibe wertfreie Erziehung vor, ist ein populärer Irrtum. Werte sollen sogar vermitteln werden.

    Daß das nach ca. 1200 Jahren christlicher Prägung auch christliche Werte sein können, erscheint wohl nur dem Geschichtsunkundigesten abwegig.

    Ob das in Form von Kreuzen in Klassenzimmern geschehen muß, ist sicher fraglich.

    Dennoch darf man sich nicht darüber täuschen lassen, daß gerade die Diskussion um den säkularen Staat oft von Nationalisten genutzt wird.

    Ich halte Atheismus für eine vollwertige Geisteshaltung, die wie alle anderen toleriert werden müssen. Aber genauso, wie es blind-blöde Religiosität gibt, gibt es eben auch blind-blöden Atheismus. Wenn sich Sarrazin z.B. negativ über Moslems äußert und damit ausgerechnet bei den eigentlich aufgrklärten Atheisten Freunde schafft, schüttle ich nur noch den Kopf.

    http://feydbraybrook.wordpress.com/2010/04/25/the-kkk-took-sarrazin-away/

    Es ist ja so schön, daß die bösen Neonazis alle weit, weit weg in den USA sind.

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