Lemuria, Saurier und Atlantis


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Von Hans Peter Schönlaub (Die Presse)

Atlantis entdeckt! Oder: Mensch lebte neben Saurier! Offenbarungen wie diese füllen heute mehr denn je Zeitungsseiten und Verlagskassen. Höchste Zeit, Fiktionen von Fakten zu trennen. Hinweise eines Geologen.

Esoterik-Literatur verzeichnet beständig im Buchhandel, bei Messen und Online-Auktionen eine rege Nachfrage, insbesondere wenn es um vergangene Zivilisationen oder gar altindische Mystik geht. Der naturwissenschaftliche Aspekt steht dabei weniger im Zentrum als die für Theosophie und Okkultismus empfängliche Zielgruppe, die sich von esoterisch-mystischen Gedankengängen und fantastischen Geschichten einer großen Zahl von Autoren angezogen und angesprochen fühlt.

Internet-Suchmaschinen bestätigen diese Beobachtung: Google listet rund 24 Millionen Hits für das versunkene Atlantis auf und 900.000 für das ebenfalls fiktive Lemuria. Der Maya-Kalender, der das Ende der Welt für den 21. Dezember 2012 prophezeit, weist rund 80.000 Hits auf. Angeblich wird damit ein längst fälliger Reinigungsprozess auf der Erde eingeleitet . . .

Die etablierte Wissenschaft steht bei den dafür vorgebrachten „Beweisstücken“ vor großen Problemen, aber auch vor einer großen Herausforderung, gegen falsche Weltbilder anzukämpfen, auf Irrtümer hinzuweisen und diese als Pseudowissenschaft zu entlarven. Folgt man Christina Wessely in ihren Ausführungen zum FWF-Projekt „Wissenschaft auf Abwegen“, so zeigt sich an Beispielen wie Atlantis und Lemuria, aber auch der Welteislehre „ganz klar, wie die Grenzen zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaften verschwimmen können. Die Geschichte der modernen Wissenschaft ist immer auch die Geschichte fantastischer Projekte und spektakulärer Irrtümer.“

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1 Comment

  1. Hervorragender Artikel. Leider werden Pseudo-Science (Esotherik, Anthroposophie, …) Drecksgeschichten weiterhin die Gehirne aufweichen können, egal wieviele Wissenschaftler diese Märchentheorien debunken. Denn der Homo sapiens sapiens möchte gerne „glauben“, was er pers. als die schönste Geschichte hält. Harte Wissenschaft, die möglicherweise ganze Wunschvorstellungsgebäude einreissen können, ist ihnen unangenehm und deshalb werden weiterhin Atlantis-Tanten, Klangschalenverkäufer und andere „Dinosaurier waren unsere besten Freunde“-Anhänger ihre Geldbeutel füllen können.
    Traurig, aber wahr. Kritisch-naturalistisches Denken ist leider kein Bestandteil des Religionsunterrichtes 😉 . *autsch, nicht hauen*

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