Von Biofilmen und vom Putzen


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Fluoreszenz-mikroskopische Aufnahme eines Multi-Spezies-Biofilms auf rostfreiem Stahl (Public domain)

Alltagsbeobachtungen sind die am stärksten unterschätzten Sprungbretter zum wissenschaftlich aufgeklärten Denken. Wenn die Mehrzahl der deutschen Lehrer, KiTa-Erzieher und Eltern der natürlichen Neugier der Kinder viel mehr anregungsreiche Aufwuchs-Umgebung und fragenfreundliche Haltung entgegen brächten, die Deutschen würden wo möglich zu einem Volk der Naturforscher.

Unter den fatalen Bedingungen der mit Lern-„Stoff“ überladenen Schul-Curricula haben die meisten Lehrer wie Schüler keine Nerven übrig für kreatives Neugierverhalten. Wenn es hoch kommt, gibt es manchmal punktuell kleine Projekt-Unterrichte. Nur bei besserer Personal-Ausstattung und Ganztagsbedingungen wäre mehr Kontinuierliches machbar. 

Unterfinanzierte Bildung in Deutschland

Während es einerseits an Teilnehmerzahlen gemessen relativ kleine, aber medial stark ausgeleuchtete Vorzeigeprojekte wie Jugend forscht gibt, würgen andererseits die für den Bildungssektor fatalerweise überwiegend zuständigen deutschen Bundesländer die Finanzierung der Schulen und Hochschulen ständig weiter ab. Im internationalen Vergleich (OECD) liegt Deutschland bei den Bildungsausgaben weit hinten.

Ein schönes Beispiel aus Marburg in Hessen: nach dem Muster des erfolgreichen Mathematikums wird das Mitmachmuseum „Chemikum“ geplant. Gleichzeitig empören die Millionenkürzungen der Landesregierung im Hochschulsektor die Betroffenen derart, dass Senat und Studentenschaft der Marburger Philipps-Universität am (11. Mai 2010) gemeinsam zu einer Großdemonstration „Marsch auf Wiesbaden“ aufrufen.

Wenden wir den Blick von der Bildungspolitik zurück auf ein Beispiel aktueller Grundlagen-Forschung. Die Mikrobiologie hat das Phänomen der „Biofilme“ aus emulgierten Bakterien, Algen, Pilzen und Protozoen weitgehend aufgeklärt. „Film“ nennt man dabei übrigens eine Schleimschicht mit oft erstaunlicher innerer Stabilität und Widerstandsfähigkeit. Biofilme entstehen, wenn Mikroorganismen sich an Grenzflächen ansiedeln. Sie sind eine große Herausforderung für die medizinische Hygiene.

Anputzen gegen die Biofilme

Im Alltag stößt jeder in der eigenen Küche immer wieder auf ständigen, lästigen Reinigungsbedarf. Vernachlässigt man aus Zeitmangel oder Faulheit, den Kühlschrank oder die Edelstahl-Anrichte immer sofort gründlichst zu putzen, hat das Folgen. Es bilden sich in kürzester Zeit hartnäckige, ohne chemische Keule schwer zu entfernende Schmutzinselchen, die genau genommen nichts anderes als Biofilme sind.

Eine interessante sozialpsychologische Fragestellung ist, ob eine genauere Kenntnis dieses Mikrobio-Zusammenhangs in der breiten Bevölkerung eher zu übertriebenen Ängsten und „Putzfimmel“ führte oder zu gesundem pragmatischem Sauberkeitsverhalten? – Das hinge wahrscheinlich von der Qualität der schulischen Aufbereitung des Themas sowie von der individuellen Stressresistenz der Personen ab.

Die wissenschaftliche Grundlagenforschung untersucht ständig neue Möglichkeiten, den in vielen technologischen Abläufen extrem unerwünschten Biofilmen Einhalt zu gebieten. Eine der aktuellen Forschungs-Veröffentlichungen zu diesem Bereich war der Ausgangspunkt dieses Artikels.  Da wir beim Brightsblog nicht über Abonnements einschlägiger wissenschaftsjournalistischer Science-Neuigkeiten verfügen, verlinken wir stattdessen an dieser Stelle den Text und dokumentieren den „Teaser“ (Appetitanreger) der Meldung des Deutschlandfunks (DLF).

Quelle: DLF Forschung aktuell

Vergängliche Biofilme
Aminosäuren lösen Bakterienverbände auf
Von Christine Westerhaus

Mikrobiologie. – Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze kommen in der freien Natur oft in so genannten Biofilmen vor, die sie viel weniger angreifbar machen. In Krankenhäusern werden Biofilme zunehmend zu einer ernsten Gefahr für die Gesundheit, weil sie Katheter und Implantate besiedeln und so in den Körper verschleppt werden. US-amerikanische Forscher berichten nun im Fachmagazin „Science“ über eine Möglichkeit, wie Biofilme „geknackt“ werden könnten.

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Für kurze Zeit gibt es den DLF-Beitrag dort auch als Audio-Datei in mp3-Format.