Transzedentaler Lynch auf Sinnsuche


Film-Promo-Bild: David Sieveking und Guru
Foto: davidwantstofly.de

PRO Medienmagazin

Mit der Sinnsuche der Menschen können Geschäfte gemacht werden. Und das nicht zu knapp. Nach Scientology, Christentum und Islam ist nun die „Transzendentale Meditation“ filmisch unter die Lupe genommen worden. Vom eingebildeten Fliegen, dem Regisseur David Lynch und goldenen Autos handelt der kurzweilige Film „David Wants to Fly“ von David Sieveking.

David Sieveking ist Film-Student, 32 Jahre alt, und die sympathische Version von Michael Moore. Doch anders als sein mittlerweile millionenschweres amerikanisches Pendant ist Sieveking schmächtig, groß gewachsen, auf Filmförderung angewiesen und mit einer zarten Freundlichkeit seinen Interviewpartnern gegenüber gesegnet. Für den Studenten der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin ist niemand anderes als der Regie-Meister David Lynch das große Vorbild. Und dessen großes Vorbild wiederum ist ein indischer Guru, der bis zu seinem Tod in Sachen Weltfrieden viel Geld eingenommen und eine große Bewegung geschaffen hat, die der Kinogänger dank Sieveking und „David Wants to Fly“ näher kennen lernt. (…)

Der Film „David wants to fly“ ist ein sehenswerter Einblick in die Geschäftswelt der Transzendentalen Meditation. Wenn sich nur 10.000 „Yogische Flieger“ zusammentun und um die Wette „fliegen“, beziehungsweise hüpfen, kommt der Weltfrieden, dieses Versprechen hat Maharishi Yogi einst gegeben. Auch wenn ein Aussteiger, der weltweit wahrscheinlich mehr Geld in die Organisation gesteckt hat als irgendwer anderes, vor der Kamera erzählt, dass der Meister selbst an dieser Aussage massive Zweifel hatte, so gibt es doch mehrere Millionen Menschen, die ihr Leben nach dieser Lehre ausrichten. In den 60er Jahren schwappte TM durch die Beatles nach Europa.

Seitdem ist die Begeisterung abgeebbt, und das erst kürzlich für 8.000 Anhänger erbaute Zentrum „Brahmasthan“ in Indien steht praktisch leer. Doch noch immer überlassen viele Menschen weltweit ihr Geld der Bewegung in der Hoffnung, sich selbst und der Welt so zu Frieden zu verhelfen. Doch hinter der Lehre von Meditation und Mantra steht eine irdische Organisation, deren Chefs goldene Stretch-Limousinen fahren, und an deren Spitze nach dem Tod des Gründers ein offener Machtkampf entbrannt ist, den die Maharishis vor dem deutschen Filmemacher gerne geheim halten wollen. Ähnlich wie Michael Moore bleibt Sieveking hartnäckig, wenn man ihn abweist oder ihm zugesagte Interviewtermine absagt. Doch er bleibt bei all dem gutmütig, humorvoll und neugierig. Er ist sich nicht zu schade, jeden religiösen Schnickschnack mitzumachen.

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1 Comment

  1. CHAPEAU! für PRO

    An dieser Stelle möchte ich unerwartet mal meine ehrliche Hochachtung für die journalistische Qualität der meisten Artikel des Christlichen Medienmagazins PRO aussprechen. Es lohnt sich, dort reinzuschauen.

    Was wird das schon sein, wenn Theologen und Hobbyprediger aus der evangelikalen Freikirchenszene ein Online-Magazin gestalten? So dachte ich anfangs, als ich die noch gar nicht kannte. Aber dieser Reflex ist angesichts dessen, was man dort vorfindet, Unfug.

    Einen erweiterten Filmpromo-Rezensionstext wie den heutigen würde man ggf. beim Evangelischen Pressedienst (epd) verorten. Doch die PROler haben offenkundig gleichgezogen, was das handwerkliche Können anbetrifft. Die verantwortlichen Redakteure setzen überwiegend offenbar nicht auf „Missionieren auf Biegen und Brechen“ sondern auf überzeugende journalistische Qualitätskriterien. Dieses Lob wollte ich doch mal loswerden.

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