Nichts schlimmer als ein religiöser Staat?


Staat-Kirche
Staat-Kirche

In dem folgend dokumentierten Reportagetext-Beispiel geht es vordergründig um das Thema Religionsfreiheit. Leider geschieht das – wie so oft in unseren Medien – sehr verkürzt und irreführend. Ständig wird irre viel Aufhebens nur in eine Richtung gemacht, nämlich wie die Religions-Gläubigen vor Einmischungen des Staates zu schützen seien. Fehlanzeige hingegen – meist mangels Einladung säkular ausgerichteter Persönlichkeiten – wenn es um den Schutz der Gesellschaft vor Bevormundung und einseitiger Ausnutzung durch Religionsgemeinschaften aller Art geht.

Das vom Statistischen Bundesamt und diversen Studien nachgewiesene religionsfreie Drittel der deutschen Bevölkerung wird vorwiegend übergangen und übervorteilt, wenn es um die Debatten in öffentlich-rechtlichen Medien und Veranstaltungen geht. Die beiden Groß-Kirchen bekommen ohne echte Gegenleistung Sitz und Stimme in Rundfunkräten sowie für lau von ihnen frei gestaltbare Sendeplätze zugewiesen.

Aufgrund von endlich mal abzuwickelnden Reichskonkordaten und Staatsverträgen erhalten die Kirchen und ihr Führungspersonal jährlich viele Millionen Euro an Subventionen (z.B ein Erzbischof 11.000 Euro Monatsgehalt vom deutschen Steuerzahler). Das ist eine einseitige Ausnutzung der Allgemeinheit. Denn entgegen der fälschlichen Annahme, dass die „kirchlichen“ Altenheime. Kindergärten und Schulen von den Kirchensteuern bezahlt würden, kommen faktisch auch dafür gesondert (!) die allgemeinen Steuereinnahmen auf.

Von diesen Fragen der so genannten „negativen Religionsfreiheit“ (falsch benannt, Freiheit von Religion ist doch etwas Positives) ist viel zu selten und zu wenig die Rede. Bemerkenswert an dem Tagesspiegel-Bericht ist gerade das, was (ohne dass die Journalistin dafür kann) nicht darin vorkommt. Typisch Kirchentag?

Der Tagesspiegel

Auf dem Ökumenischen Kirchentag in München ging es viel um das Verhältnis von Staat und Religion. Eine der ungewöhnlichsten Paarungen zu diesem Thema konnte man am Samstagabend beobachten: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger traf den Großmufti von Syrien.

Die Bundesjustizministerin, die sich in den vergangenen Monaten so schwer tat mit der katholischen Kirche, legt die Vorzüge des säkularen Staates dar, der mit seiner Toleranz und mit Religionsfreiheit viel zum Zusammenhalt der Gesellschaft beitrage. Scheich Ahmad Badr Al-Din Hassoun aus Damaskus, ein gern gesehener Gast im Westen, hört mit mildem Lächeln zu, wiegt den Kopf nach links und nach rechts.

Dann erklärt der Geistliche, „das Schlimmste auf der Welt“ seien die religiösen Staaten, weil da nicht der Mensch im Mittelpunkt stehe. Leutheusser-Schnarrenberger nickt nun heftig. Die Religion dürfe sich nicht in staatliche Angelegenheiten einmischen – und umgekehrt, sagt der Großmufti.

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