Der Jesus des kleinen Mannes


Eurythmische Zeichnungen

Ob Waldorfpädagogik oder anthroposophische Medizin, ob biologisch-dynamische Landwirtschaft oder organische Architektur – Rudolf Steiner war einflussreich und umstritten zugleich.

Deutsche Welle

Ein Blender, ein moderner Goethe, ein Reformer oder ein Rassist – wer war Rudolf Steiner wirklich? Der Mann, der 1861 in Kraljevec, damals Österreich-Ungarn, heute Kroatien, geboren wurde, wagte es, zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Welt noch einmal neu zu denken. Lassen sich Geist und Welt versöhnen? Wie sind wir als Individuen in das Weltganze hineingestellt? Das waren Fragen, die Rudolf Steiner bewegten. Sein ganzheitliches Menschenbild prägt in vielfältigen Formen auch heute unseren Alltag.

Rudolf Steiner, der ärmlichen Verhältnissen entstammte, soll bereits als 16-Jähriger die „Kritik der reinen Vernunft“ von Immanuel Kant gelesen haben. An der technischen Hochschule in Wien lässt er sich, dank eines Stipendiums, zum Realschullehrer ausbilden, ein Studium der Philosophie, Literatur und Geschichte muss er aus finanziellen Gründen abbrechen.  Von 1890 bis 1897 lebt Rudolf Steiner in Weimar. Dort gibt er Goethes naturwissenschaftliche Schriften heraus und begegnet dem geistig umnachteten Friedrich Nietzsche, dessen Philosophie ihn stark beeinflusst. Von Weimar zieht es Rudolf Steiner 1897 nach Berlin. Neben dem „Magazin für Literatur“ veröffentlicht er eigene Schriften zu künstlerischen, philosophischen und politischen Themen und unterrichtet an der sozialistisch geprägten Arbeiterbildungsschule. Zunehmend hält er Vorträge – rund 6000 werden es bis zu seinem Tod im Jahr 1925 sein. Häufig illustriert er sie mit Hilfe von Wandtafeln.

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5 Comments

  1. Ein Steiner-Zitat der wahnsinnigen Art hat „excanwahn“ schon gebracht. In meinem Vortrag/Artikel zur Waldorfschule habe ich recherchiert, was die Begründung Steiners dafür ist, dass man die Masern durchmachen muss (Auszug):

    http://feuerbringer.com/2010/05/20/drei-grunde-fur-die-waldorfschule/

    „Drei Gründe für die Waldorfschule

    (…) Warum untergraben Waldorfschulen das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Masern bis 2010 in Europa auszurotten? Und warum werden Menschen dem Risiko einer Infektion mit einer schweren Krankheit ausgesetzt?

    (…) Anthroposophen – natürlich auch der anthroposophische Schularzt der Waldorfschulen – folgen Rudolf Steiner. Steiner begründet, warum die Masern eine Krankheit sind, die man durchmachen muss, so:

    Ein Mensch hat in seinem letzten Leben zu viel „gegrübelt“, was zu einer „Schwäche der Seele“ führt. Die Masern sind die „physisch-karmische Wirkung“ dieses Fehlverhaltens im letzten Leben. Die Masern macht man durch, „um organische Selbsterziehung zu üben“, „die Krankheit kann in einen geistigen Prozeß zurückverwandelt werden“ …

    Wer meint, dies sei aber eine völlig idiotische Zusammenfassung, der überzeuge sich selbst: Im „Anhang“ gibt es Steiners Karma-Masern-Quacksalberei im Original zu bestaunen (…)

    Anhang:

    Rudolf Steiner begründet, warum Masern eine Krankheit sind, die man durchmachen muss:

    „Nehmen wir an, im späteren Leben bekommt eine Persönlichkeit Masern, und wir suchen nach dem karmischen Zusammenhang dieses Falles. Wir finden dabei, daß dieser Masernfall aufgetreten ist als eine karmische Wirkung von solchen Vorgängen in einem vorangegangenen Leben, die wir etwa so beschreiben können: Die betreffende Individualität war in einem vorhergehenden Leben eine solche, die sich nicht gern um die äußere Welt bekümmert hat, sich nicht gerade im grob egoistischen Sinne, aber doch viel mit sich selber beschäftigt hat; eine Persönlichkeit also, die viel nachgeforscht hat, nachgedacht hat, aber nicht an den Tatsachen der äußeren Welt, sondern die im inneren Seelenleben geblieben ist. Sie finden auch heute sehr viele Menschen, welche glauben, daß sie durch In-sich-abgeschlossen-Sein, durch Grübeln und so weiter zur Lösung von Welträtseln kommen können. Bei der Persönlichkeit, die ich meine, handelte es sich darum, daß sie mit dem Leben so fertigzuwerden suchte, daß sie innerlich nachgrübelte, wie man sich in diesem oder jenem Falle verhalten soll. Die Schwäche der Seele, welche sich daraus ergeben hat im Verlaufe des Lebens, führte dazu, daß im Leben zwischen Tod und neuer Geburt Kräfte erzeugt wurden, welche den Organismus in verhältnismäßig später Lebenszeit noch einem Masernanfall aussetzten.

    Jetzt können wir uns fragen: Wir haben auf der einen Seite den Masernanfall, der die physisch-karmische Wirkung ist eines früheren Lebens. Wie ist es denn aber nun mit dem Seelenzustand? Denn das frühere Leben gibt ja als karmische Wirkung auch einen gewissen Seelenzustand. Dieser Seelenzustand stellt sich so dar, daß die betreffende Persönlichkeit in dem Leben, wo sie auch den Masernanfall hatte, immer wieder und wieder Selbsttäuschungen unterworfen war. Da haben Sie also die Selbsttäuschungen anzusehen als die seelisch-karmische Folge dieses früheren Lebens und den Eintritt der Masern als die physischkarmische Folge jenes Lebens.

    Nehmen wir nun an, dieser Persönlichkeit wäre es gelungen, bevor der Masernfall eintrat, etwas zu tun, um sich gründlich zu bessern, das heißt, um eine solche Stärke der Seele sich anzueignen, daß sie nicht mehr ausgesetzt wäre allen möglichen Selbsttäuschungen. Dann würde diese dadurch heranerzogene Seelenstärke dazu geführt haben, daß die Masernerkrankung hätte unterbleiben können, weil das, was im Organismus schon hervorgerufen war bei der Bildung dieser Organisation, seinen Ausgleich gefunden hätte durch die stärkeren Seelenkräfte, welche durch die Selbsterziehung herangezogen worden wären. Ich kann natürlich nicht ein halbes Jahr über diese Sachen reden; aber wenn Sie weit im Leben herumschauen und alle Einzelheiten, welche sich als Erfahrungen darbieten, von diesem hier gegebenen Ausgangspunkt aus betrachten würden, so würden Sie immer finden, daß das äußere Wissen voll bestätigen würde – bis in alle Einzelheiten -, was hier gesagt worden ist. Und was ich jetzt gesagt habe über eine Masernerkrankung, das kann zu Gesichtspunkten führen, die erklären, warum Masern gerade zu den gebräuchlichen Kinderkrankheiten gehören. Denn die Eigenschaften, die genannt worden sind, kommen in sehr vielen Leben vor. Insbesondere in gewissen Zeitperioden haben sie in vielen Leben grassiert. Und wenn dann eine solche Persönlichkeit ins Dasein tritt, wird sie so schnell wie möglich Korrektur üben wollen auf diesem Gebiet und in der Zeit zwischen der Geburt und dem gewöhnlichen Auftreten der Kinderkrankheiten, um organische Selbsterziehung zu üben, die Masern durchmachen; denn von einer seelischen Erziehung kann ja in der Regel in diesem Alter nicht die Rede sein.

    Daraus sehen Sie, daß wir wirklich davon sprechen können, daß die Krankheit in gewisser Beziehung wieder zurückverwandelt werden kann in einen geistigen Prozeß. Und das ist das ungeheuer Bedeutsame, daß wenn dieser Prozeß in die Seele als Lebensmaxime aufgenommen wird, er eine Anschauung erzeugt, die gesundend auf die Seele wirkt. In unserer Zeit braucht man sich nicht besonders zu wundern, daß man so wenig auf die Seelen wirken kann. Und wer die Zeit heute vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus durchschaut, der wird es begreifen, daß so viele Mediziner, so viele Ärzte Materialisten werden (…)“

    Rudolf Steiner, „Die Offenbarungen des Karma“, GA 120, FÜNFTER VORTRAG, Hamburg, 20. Mai 1910, S. 102ff

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  2. Nachtrag:

    Rudi über Kartoffeln und Pisa:

    (…) Also sehen Sie, während wir beim Menschen vom Bauch zum Kopfe gehen müssen, von unten herauf, müssen wir bei der Pflanze den umgekehrten Weg machen. Die Wurzel der Pflanze ist mit dem Kopf verwandt. Wenn wir das bedenken, wird uns gewissermaßen ein Licht aufgehen über die Bedeutung der Wurzel. Denn die Kartoffel, die hat Knollen; das ist etwas, was nicht ganz Wurzel geworden ist. Man ißt also, wenn man viel Kartoffel ißt, vorzugsweise Pflanzen, die nicht ganz Wurzel geworden sind. Wenn man sich also beschränkt auf das Kartof-felessen und zuviel Kartoffeln ißt, kriegt man nicht genug in den Kopf hinein. Es bleibt unten im Verdauungs-trakt. So daß es also so ist, daß mit dem Kartoffelessen die Menschen in Europa ihren Kopf, ihr Gehirn vernachlässigt haben. Diesen Zusammenhang sieht man erst, wenn man Geisteswissenschaft treibt.
    Da sagt man sich: Seit Europa diese Kartoffelnahrung immer mehr und mehr überhand genommen hat, seit der Zeit ist der Kopf des Menschen unfähiger geworden…

    excanwahn über Rudis Hausapotheke:

    http://excanwahn.wordpress.com/2010/04/20/aus-rudis-hausapotheke-st-michaels-eisenschwert/

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  3. Steiner war weder ein begnadeter Wissenschaftler noch ein außerordentlicher Philosoph, der auf der Suche nach den „ewigen Weisheiten“ extraordinäre Wege beschritt. Das alles sind aus seiner Apotheose generierte Legenden.

    Steiner war ein schizophrener Okkultist der Jahrhundertwende, der das „Glück“ hatte, im Fin de siecle auf ein sinnsuchendes Publikum zu treffen, dessen intellektuelles Taumeln zwischen Aufbruchsstimmung und euphorischen Zukunftserwartungen und – im Gegenentwurf – indifferenter Zukunftsangst und regressiven Verhaltensweisen, ideale Voraussetzungen für die Gestaltung buntschillernder irrationaler Spielwiesen bot.

    Die „Weltschau“ Steiners ist allenfalls eine esoterisch-okkultistische Pseudo-Philosophie, die patchworkartig aus Elementen der Kosmologie, der Astrologie, der Alchemie, und aus Fragmenten fernöstlichen und europäischer Mystik zusammenphantasiert wurde; und bei der es im Grunde nicht um Inhalte ging, sondern nur um die Geborgenheit in einer Denkwelt, aus der konsequent der Konjunktiv eliminiert wurde.

    Steiner hat unglaublichen Unsinn erzählt, und sein Gefasel – verbunden mit einem fast unerträglichen Sprachduktus – zeigt auf deutlichste, dass der große Rudi schon zu dem Wissen seiner Zeit im Grunde keinen Bezug hatte, und deswegen alles Faktische diskreditierte, und mit oftmals redundanten Geschwätz solange zumüllte, bis nichts mehr zu sehen war, was nur irgendwie mit Realität zu tun hatte.

    Wie verräterisch sind solche Zitate:

    […] Die Tatsachen sind durch rein übersinnliche Beobachtungen gewonnen; und es muß sogar gesagt werden, daß der Geistesforscher am besten tut, wenn er sich alle Schlußfolgerungen aus seinen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen peinlich genau entäußert; denn durch solche Schlußfolgerungen wird ihm leicht der unbefangene innere Sinn der Geistesforschung in die Irre geführt […]

    Wichtig ist im Grunde aber nicht das, was Steiner für seine Zeitgenossen zusammenfaselte, wichtig sind die zwei Vokabeln, ohne die sein Werk (und des metaphysisch Sinnsuchenden Seelenruhe) nicht denkbar sind: „gewiss“ und „bestimmt“.

    Was für jeden „normal“ denkenden Menschen schon damals – und vielmehr noch heute – nur die peinlich heruntergelassene Hose der offensichtlichen Wissenslücke war und ist, gewinnt, wie alle anderen zusammengeschwafelten Weltmodelle die besondere Bedeutung durch die Gewissheit und Bestimmtheit, die freilich jeden Beweis schuldig bleibt.

    Dass Steiners Gedankengewirr heute noch Bedeutung hat, ist ein erstaunliches Zeitphänomen, dem man nur und ausschließlich mit psychopathologischem Interesse begegnen sollte, denn im Grunde hat nichts, was Steiner je absonderte, zur Erhellung der Welt beigetragen.
    Zitierfähig ist er allenfalls in Lehrbüchern der Psychiatrie.

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  4. kleiner Hinweis, orthographisch sollte es „eurhythmische“ Zeichnung heißen.
    Oder hat das auch die neue Schreibung gefressen?

    und besonders herausragend bei Steiner ist sein Drang nach STatus und Machtausübung.
    Mitglied mehrerer „orden“ (neuer Orden natürlich, da die klassischen ja schon besetzt waren) und zeitweilig leiter der dt. Sparte der Theosophischen Gesellschaft (bis er sich mit ihnen überwarf…) – spricht für sich.

    Der hat sich einfach seine neue Religion erdacht, und schwupps, schon war er der Boss. Fast Gott.

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