Quacksalber-Politik und Kriegskosten


technokratische Weltsicht (CC-by.2.0 von wahlkampf09)

Die Politik der Bundesregierung ist längst eine Sonderabteilung des Showgeschäfts geworden. Bei Wahlen und Umfragen wird nicht mehr die Glaubwürdigkeit des politischen Handelns sondern die wechselhafte Anziehungskraft der Polit-Darsteller abgefragt.  Sonst wären telegene, in ihren Ressorts aber inkompetente Nasen wie von der Leyen und zu Guttenberg niemals beim Wahlvolk auch noch populär.

Seit acht Jahren schon obliegt den Schaufensterhelden der Bananen-Republik Deutschland die undankbare Aufgabe, dem ungläubigen „Volk“ die ungeliebte Kriegsbeteiligung am Hindukusch als sinnvoll zu verkaufen. Es gelingt ihnen nicht. Seit Jahren sticht die Ablehnung dieses Bundeswehreinsatzes in repräsentativen Umfragen stabil bei 70-80 % der Bürger.

Umso notwendiger muss offenbar über Zweck, Opferzahlen, kleine Erfolge und Kriegskosten gelogen werden, was das Zeug nur hergibt. Bekanntlich stirbt im Krieg die Wahrheitsliebe immer zuerst. Selbst die Bundestags-Abgeordneten, die wegen des Parlamentsarmee-Vorbehalts in „Credo quia Absurdum“-Haltung diesem Bockmist alljährlich mehrheitlich zustimmen, möchten das ganze Ausmaß der Fehlinformationen über Afghanistan offenbar lieber nicht wissen.

Kein Wunder daher, dass Politiker – ebenso wie Banker und Journalisten – mittlerweile in Umfragen zu den am wenigsten glaubwürdigen Berufsgruppen zählen. Klar, die Wahlbeteiligung nimmt auch ständig weiter ab. Dass geschieht natürlich nur, weil das „Volk“ dumm ist und nichts von den „höheren“ Sachlogiken versteht, sagen die Quacksalber aus der „politischen Klasse“.

Tatsächlich wirkt das Geschehen auf der deutschen Polit-Medien-Bühne nicht unähnlich dem Geschäftsmodell der historischen „Medicine Shows“. Dort verkauften „schlaue“ Schlangenzungen auf mobilen Marktständen den Leuten „weiße Salbe“ und magischen Mehrwert. Das ist im 21. Jahrhundert geringfügig an neue Bedarfslagen adaptiert anscheinend immer noch so.

Im virtuellen Zeitalter geht es – abseits der TV-Verkaufskanäle für die ganz Naiven – inzwischen um Meinungsmache und Marktwert der parteieigenen Polit-Theologien. Von den demokratischen „Käufer“-Zuschauern gesucht wird nicht der Superstar sondern das politisch „geringste Übel“. Bei Anne Will-Kannsnicht und Co tummeln sich die Quacksalber wie anno dunnemals. Die Nachrichtensendungen sind nur ein Konzentrat aus Info-Häppchen-Tainment.

Dass die tatsächlichen Kosten des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan von den Berliner Polit-Nasen nicht korrekt angegeben werden, das ahnten wir schon lange. Sinnigerweise genau zu Pfingsten, wo die gestressten Menschen im Lande mal ausspannen und Schönes erleben wollen, erreichen uns unangenehme „Neuigkeiten“ über das bisher verschwiegene  Ausmaß des Betrugs. Da der Fokus der Medienaufmerksamkeit an diesem Freitag auf der Bundestagsabstimmung über den so genannten Euro-Rettungsschirm liegt, geht das wohl unter ferner liefen durch.

Die Briten in ihrer neuwahlgewendeten Regierungserklärung machten  jüngst vor, was ginge. Den Weg, den Hessens ungenießbarer Koch und Bayerns „Alpe Adria“-Finanzgenies dazu vorgeschlagen haben, mögen wir nicht mitgehen. Weder bei der Bafög-Erhöhung noch bei Kultur, Bildung und Hochschulen sollte eingespart werden, was gerade den Bankstern zwecks Euro-Rettung in den nimmersatten Rachen geworfen wird.

Daher  sollten wir „dummen“ Bürger uns den Schlamassel der Kriegskosten unter dem Gesichtspunkt der Einsparungschancen doch mal genauer angucken.

Von Christian Rickens, Manager Magazin

Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ist für Deutschland viel teurer als bislang bekannt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, deren Kernergebnisse manager magazin exklusiv veröffentlicht.

Hamburg – Nach Berechnungen der Berliner Forscher, die manager magazin exklusiv in seiner am Freitag (21. Mai) erscheinenden Juni-Ausgabe veröffentlicht, kostet die Fortsetzung des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan Deutschland rund drei Milliarden Euro pro Jahr. Dieser Betrag steht in deutlichem Gegensatz zu den Angaben des Bundesverteidigungsministeriums, das die deutschen Einsatzkosten in Afghanistan für das laufende Jahr auf gut eine Milliarde Euro beziffert.

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5 Comments

  1. Zunaechst: Die NATO ist nur eine der Organisationen, die den „Culb des Westens“ formal bilden.

    Aber grundsaetzlich: Ich sehe nicht, dass wir in einer Welt leben, in der Staaten auf Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele verzichten koennen.

    Solange die Staatenwelt anarchistisch organisiert ist und es einigen Staaten noch nicht mal gelingt ihre Authoritaet innerhalb ihrer Grenzen durchzusaetzen, d.h. die elementare Aufgabe, die ihnen Hobbes zuwiess zu erfuellen, wird die Anwendung nackter Gewalt als das kleinere Uebel notwendig bleiben.

    Selbst unsere europaeischen Staaten sind erst zur Vernunft in den innereuropaeischen Beziehungen gekommen, nach einem Krieg, der sie an den Abgrund der totalen Zerstoerung fuehrte.

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  2. Das Problem liegt meiner Meinung nach etwas tiefer:

    Der „Club of the West“ hat gemeinsame aussenpolitische Interssen, die sich aus dem gemeinsamen Interesse ergeben. Diese Interessen werden vertreten mit „Soft Power“, wie Hilfen, Zoll- und Handelsvertraegen oder Diplomatie, oder mit militaerischer Gewalt. Wie bei jedem Imperium ist das weniger eine Frage des Prinzips, sondern der Opportunitaet.

    Das Militaer in einer solchen Situation ist also weniger eine Einrichtung der Landesverteidigung, sondern zustaendig fuer den „blutigen Teil der Aussenpolitik“. Aus historischen Gruenden haelt die dt. Regierung jedoch an der Fiktion des GG fest, dass die Streitkraefte nur der Verteidigung dienen.

    Um also den Einsatz in Afghanistan oder sonst wo, es wird schon nich der letzte Einsatz dieser Art sein, zu rechtfertigen, muss halt etwas herum gebogen werden.

    Es waere ehrlicher zu sagen, dass Dtld. aus verschiedenen machtpolitischen Gruenden da mitmacht und es Aufgabe des Militaers sei, dies durchzufuehren.

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    1. Ich verkenne überhaupt nicht, dass es da rohstoff- und geostrategisch (machtpolitisch) motivierte Hegemonial-Politik im NATO-Block gibt. Ich verstehe das, aber das heißt eben nicht, dass ich es als Rechtfertigung für diese stümperhafte Intervention ohne langfristige Erfolgsaussichten gutheißen kann. Du magst als Historiker und Jurist neutralistisch (d.h. ohne nähere Prüfung, von vornherein) an Staatsraison-Zielen orientiert denken. – Ich bin immer noch Humanist, also an Menschen und Gemeinwohl statt an beliebig biegbaren Abstrakta orientiert. Daher bin ich auch Pazifist, der Besatzungsherrschaft wie in NATO-Afghanistan als fehlgeleitet und schädlich für alle Beteiligten ablehnt.

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  3. Andere Beispiele

    Die Alchimisten unserer Zeit machen Geld aus Ängsten und Hoffnungen. Finanzjongleure stehen nicht mehr in fürstlichen Diensten, sondern arbeiten auf eigene Rechnung. Die Politik ließ der Entwicklung neuer „Finanzprodukte“ freien Lauf. Für die Folgen und Risiken war man blind.
    Quelle: Frankfurter Allgemeine http://is.gd/ciUZg

    Die Kanzlerin in der Krise: Baldrian fürs Volk
    Die Kanzlerin setzt auf irgendeine Finanzdingsbumssteuer, um der verstörten Wählerschaft ein Gefühl der Gerechtigkeit zu vermitteln. Doch da täuscht sich Angela Merkel.
    Quelle: Süddeutsche Zeitung http://is.gd/ciVhc

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