Dodo des Monats Mai 2010 – Horst Köhler


Dodo des Monats Mai 2010

Er hat gewonnen und sich sich dabei ganz vorpolitisch und unmoralisch aus dem Amte gestohlen. Er liest gerne die Bibel und definiert sich selbst als Christ. Keine Einwände, nur sollte ein Bundespräsident eben hier die notwendige weltanschauliche Neutralität walten lassen.

Das christliche Menschenbild und die christliche Soziallehre interessieren nur noch Minderheiten in diesem Land, wurden von ihm aber zur Maxime seines Handelns gemacht. Und so kam es wie es kommen musste. Christlich-demokratisch, freiheitlich-liberal gesehen war er der kleinste Nenner als Kandidat für den Posten des Bundespräsidenten. Die Schwarz-Gelben hatten ihn in ihrem Kalkül, falls sie die Bundestagswahl gewinnen sollten. Die Wahl wurde nicht gewonnen, Köhler aber Bundespräsi. Und mit der von Gott und dem Grundgesetz gegebenen Freiheit entschied der Christenmensch Köhler, mit der vom Minotaurus der Sozialdemokraten initiierte und verlorene auflösungsgerichtete Vertrauensfrage, den Bundestag aufzulösen und demütig, christlich verwurzelt Neuwahlen anzuordnen.

Der Glaube an Gott gibt dem Dodo-Preisträger Grundzuversicht und Orientierung. Als ehemaliger geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds hätte er es aber wissen müssen. Die Eliten, westlicher Prägung, schöpfen ihre Macht eben aus der Macht des ihnen zur Verfügung stehenden Kapitals, nicht aus Kompetenz oder Empathie und schon gar nicht aus dem christlichen Glauben heraus, viel zu irrational, uneffektiv und zeitverschwendend. Wer das Kapital hat verteilt die Butter.

Als Christ braucht es feste Überzeugungen, laut Herrn Köhler. Absolut richtig. Man muss überzeugt sein, vieles glauben zu wollen und vor allem zu können. Diesen ganzen schauerlichen Mist aus der Bibel, Kriege, Mord, Totschlag, Zwangsehen, Vergewaltigung richtig umzudeuten, so dass positive Inhalte interpretiert werden können braucht es eine gewaltige Menge von Energie um nicht zum Atheisten werden zu müssen. Diese feste, christliche Überzeugung muss man sich als Christ hart erarbeiten, wenn nicht verfällt man wohl zwingend in areligiöse Weltanschauungen.

Gemeinschaftsorientierte Christen helfen die  komplexen gesellschaftlichen Prozesse besser zu verstehen und Kompromisse praktisch umzusetzen. Hmmm, Herr Köhler, jeder heute lebende gemeinschaftsorientierte Christ hat sehen müssen, wie seine Kirche in den letzten 300 Jahren ordentlich gekaut, runtergeschluckt und wieder ausgespiehen wurde.  Ausnahme der Popanz in Rom der noch immer die altrömische Dekadenz vorlebt.

Wem die Bergpredigt heute noch Orientierung gibt hat gelinde gesagt einen Knall. Aus dieser Einstellung ist wohl der Anspruch erwachsen, als Bundespräsident jedermans Darling sein zu wollen. Politiker lügen nicht, sie legen eine Meinung aus, den harten Knochen gelingt die Schaffung demokratischer Mehrheiten, die man öffentlich vertreten kann.

Mein Bundespräsident sind Sie nicht gewesen, ich habe Sie nicht gewählt. Der Bundeskasper wird vom wohl verlesenen Wahlvolk, nicht immer rational verständlicher Auswahl, in sein Amt gewählt. Das Volk wird nicht gefragt. Mit Ihrer fristlosen Kündigung kam zur Dauerkrise schwarz-gelber Polit-Prägung auch noch die Vakanz dieses Postens. Frau Merkel war sauer wie ein Wiener Drops, was meine Laune erheblich verbesserte. Sie können sich zu den Politikern zählen, die wegen des Aussprechens der Wahrheit zurückgetreten sind.

Dass Deutschland am Hindukusch freiheitlich-demokratische Werte durch die Bundeswehr verteidigen lässt, glauben eh nur noch Idioten. Es geht ums Geschäft, es geht darum, was wir, die westlichen Staaten, unter freiem Handel verstehen. Die Bundeswehr hat diesen freien Handel zu gewährleisten. Steht so im Weißbuch der Bundeswehr von 2006 und in der NATO-Doktrin von 1999 nennt sich das Ressourcen-Sicherung.

Es könnte ja sein, dass Ihre nicht vorhandene politische-charakterliche Standhaftigkeit in Ihren irrationalen  Glaubenssystem zu suchen ist.

Jetzt leben die Deutschen mit Zumutungen der übelsten Art. Erst Frau von der Leyen, die sich nachhaltig als Zensursula in die Annalen des Internet eingetragen hat. Als Kandidaten für das Amt der Bundespräsidentin wäre ihr fast die seitliche Arabeske im Karrieresprung geglückt. Es scheint so, dass dieser Kelch der normativen Inkompetenz noch einmal an uns vorüber gegangen ist.

Dann der Herr Wulff. Der schwätzt dann dem Arbeitskreis christlicher Fundamentalisten die Taschen voll. Seine Staatskanzlei lässt uns wissen, der Verein ist konservativ. Dann sitzt er auch noch im Kuratorium von Pro Christ.

Der Gegenkandidat der rot-grünen Politagonie ist dann der Herr Gauck. Pfarrer und Theologe. Mehr braucht man nicht zu sagen? Doch, habt Ihr noch alle Tassen im Schrank, geht es noch?

Herr Köhler, mit Ihrer politischen Kapitulation, die ich ganz persönlich auf Ihr christliches Weltbild zurückführe, muten Sie uns all diese Witzfiguren christlich-evangelikaler Prominenz zu.

Für den ruhigeren Lebensabend gibt’s den Dodo mit auf den Weg. Ich warne Sie, er ist nicht stubenrein, riecht streng, ist laut, hat Ungeziefer und immer das letzte Wort.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

3 Comments

  1. Skandal um die Fake-Webseite Horst-Köhler-Consulting: “Einen Tag nach dem Rücktritt von Horst Köhler aus dem Präsidentenamt verschwand eine Köhler-kritische Website unter dubiosen Umständen aus dem Web. Die taz hakte nach – und stieß auf eine kuriose Geschichte, bei der die Fake-Homepage offenbar mit einem Fake bekämpft wurde. Das Pikante daran: Der gefakte Einschüchterungsversuch kam offenbar direkt aus einer Bundesbehörde. Überhaupt nicht lustig aber findet das das Bundesverwaltungsamt. Das will jetzt Ermittlungen aufnehmen. Aber der Reihe nach. Auf der Seite horst-koehler-consulting.de bot vermeintlich der Bundespräsident a.D. Horst Köhler Unternehmen Beratung auf Basis seiner militär- und außenhandelspolitischen Kompetenzen an. Zu seinem Kompetenzteam sollten unter anderem Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, verantwortlich für „Putin Relations“, Ex-Außenminister Joschka Fischer, verantwortlich für „Green Warfare“, sowie Ex-Bundeskanzler Kohl, als „Head of Secret Accountance“ zählen – die Seite mussten für jeden klar als Satire zu erkennen sein. Die Website schaffte es auf bis zu 2.000 Klicks pro Sekunde. Doch: Nur wenige Stunden nach Veröffentlichung verschwand sie wieder aus dem Netz. Unter der URL war sie zwischenzeitlich nicht mehr zu finden und selbst im Google Cache, dem Kurzzeitgedächtnis des Suchportals, war sie bereits nach wenigen Stunden verschwunden. Nach Recherchen der taz kam die Attacke auf die Satire-Website direkt aus einer staatlichen Behörde: Der taz liegt eine E-Mail vor, die darauf hindeutet, dass es ein Mitarbeiter des Bundesverwaltungsamtes selbst war, der beim Provider auf die schnelle Sperrung gedrungen hat. Denn die Mail stammt von einem Computer mit der IP-Adresse dieser Bundesbehörde. Weiter hier: http://www.taz.de/1/netz/netzkultur/artikel/1/wie-die-horst-koehler-satire-verschwand/” Via: Martin Kaul/taz/Echo
    Quelle: http://www.rebelart.net/diary/fake-horst-kohler-consulting/004808/

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  2. Jetzt wird diese Bundespräsidentenwahl wieder zur Polit Posse. Warum zur Hölle können sich die CDU und die SPD nicht auf einen Kandidaten einigen, der von beiden Parteien getragen wird. Gauck wäre ja so einer. Auf der anderen Seite ist der ja auch viel zu alt. Mit 70 hält der den Stress ja nicht durch. Da ist der Hannoveraner schon viel jünger. Mal schauen wer es werden wird und ob er länger duchhält als der Köhler.

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