Studie: Kaffee funzt anders


Kaffeeduft
Kaffeeduft (CC-by-sa/3.0/en by Takkk)

Von manchen Illusionen muss man sich gelegentlich verabschieden. Diese aber gehört mit Sicherheit zu denen, die vielen Leuten äußerst schwer fallen wird.

Wenn es denn hieb- und stichfest stimmt, dann hat das Kaffeetrinken zwar einen Genusswert, aber einen verflixt zweifelhaften Gebrauchswert. Die als Hauptmotiv für den von vielen Berufstätigen getriebenen exzessiven Kaffekonsum geltende Muntermacher-Potenz des Kaffees erscheint seit neuestem fragwürdig.

Eine offenbar nach allen Good Clinical Practice-Regeln aufgebaute klinische Studie der Universität Bristol widerlegte nämlich die alltagspraktische Annahme, dass wer Kaffee trinkt, danach tatsächlich meistens wacher ist als wer es nicht tut.

Gleichzeitig wurde durch die Resultate dieser sorgfältigen Studie daran erinnert, dass der wichtigste Kaffee-Wirkstoff Koffein eine Droge ist, die mächtig viel Entzugserscheinungen erzeugt, wenn man sie denn mal absetzt. Das soll harmlos sein? Im Prinzip ist das als Erfahrungswert ja durchaus bekannt, aber man redet es sich doch allzuoft schön.

Nahezu kein Kaffee-Liebhaber wird sich durch die Vernunft-Argumente von seiner Schwäche für das Genussmittel distanzieren. Es ist im Gegenteil damit zu rechnen, dass allein das Erwähnen des „bösen“  Wortes Drogenabhängigkeit für aggressive Statements sorgt. Dabei ist nicht das Wort unangenehm sondern die Sache. Aber die Überbringer schlechter Nachrichten haben schon oft in der Geschichte Zornestaten ausgelöst.

Deutschlandfunk Forschung Aktuell

Keine Weckfunktion

Muntermacher Koffein verliert auf Dauer seine Wirkung

Von Kristin Raabe

Physiologie. – Koffein soll munter machen. Doch die alltägliche Frühstücksdroge verliert diese Wirkung schon bei mäßigem Genuss schnell, das zeigte eine britische Studie. Stattdessen kommt es zur Abhängigkeit von der Substanz.

Für einige der Versuchspersonen, war die Teilnahme an der Studie die pure Qual. 16 Stunden lang durften sie keinen Kaffee oder Tee trinken. Schon mittelstarke Koffeinkonsumenten zeigten danach Entzugserscheinungen. Sie wurden müde und bekamen Kopfschmerzen. Dabei waren sie es lediglich gewohnt, etwa zwei Tassen Kaffee oder drei Tassen Tee pro Tag zu trinken. Deutlicher waren die Entzugserscheinungen natürlich bei den starken Koffeinkonsumenten, die zuvor täglich etwa sechs bis acht Tassen Tee oder vier bis fünf Tassen Kaffee getrunken hatten.

Nur den Teilnehmern, die in ihrem Alltag nur wenig oder gar keine koffeinhaltigen Getränke zu sich nahmen, blieben die Entzugserscheinungen erspart. Alle 379 Studienteilnehmer, erhielten nach dem Koffeinentzug entweder ein Placebo oder eine Koffeintablette. Außerdem mussten sie einen Fragebogen ausfüllen, den ihnen der Studienleiter Peter Rogers von der Universität Bristol vorlegte.

Wer zuvor kaum Kaffee oder Tee getrunken hatte, erlebte keine Entzugserscheinungen und wurde durch die Koffeintablette tatsächlich wacher, aber auch ein wenig nervöser. Am interessantesten waren allerdings die Reaktionen der Teilnehmer, die es gewohnt waren, größere Mengen Kaffee oder Tee zu sich zu nehmen.

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http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1196041/

30 Comments

  1. Ein kl. Text, den ich mal aus Laune heraus zum Thema Kaffee verfasst habe:

    Gedanken am Morgen

    06:59:59 Alles ist ruhig im Schlafzimmer bis auf das Schnarchen
    07:00:00 Der Wecker macht Lärm
    07:00:01 „Scheißwecker!“
    07:01:00 „Will das Ding nicht ruhig sein?“
    07:01:30 „Immer noch Lärm!“
    07:02:00 „Wo ist der Vorschlaghammer?“
    07:02:30 „Du – störst – mich – nicht!“
    07:03:00 „Ich kann bei dem Lärm nicht einschlafen!“
    07:03:10 „Wo ist die ‚OFF‘-Taste?“
    07:03:20 „Scheiße – welche Knalltüte hat das Mistding in die andere Zimmerecke gestellt?“
    07:03:21 „Idiot! Das war ja ich – muss ich ändern!“
    07:05:00 „Bleibt mir nichts anderes übrig als aufzustehen!“
    07:05:30 Verlässt Bett, geht zum Wecker und schaltet ihn aus
    07:05:31 „Wenn ich jetzt ohnehin wach bin kann ich das auch bleiben … Scheißjob!“
    07:06:00 Geht in das Bad:
    07:06:10 Dreht Duschhahn auf
    07:06:11 „Wieso ist das Wasser immer noch nicht warm?“
    07:06:12 „Na, endlich – hat ja Ewigkeiten gedauert!“
    07:06:15 Duscht
    07:07:00 „Wo ist die verfluchte Zahnbürste? Welcher Arsch hat diese verlegt?“
    07:07:01 „Liegt ja direkt vor mir – … “
    07:07:20 „Wieso ‚Raucherzahncreme‘? Schmeckt überhaupt nicht nach Tabak!“
    07:10:00 „Komisch – zwei Paar Socken mit jeweils einen roten und blauen Socken … egal: anziehen, später aussortieren!“
    07:11:00 Geht in die Küche
    07:11:01 „Stinkt das hier nach altem Rauch – Fenster auf! Scheißwelt!“
    07:12:00 „Ist das hell da draußen – Scheiße kann man nicht die Sonne ausschalten!“
    07:12:10 „Die blöden Vögel – wenn ich ein Gewehr hätte … da könnte man auch den Hund und die Kinder des Nachbarn mit einem Gang erledigen!“
    07:12:11 Schaltet Radio ein – „Man sollte alle gut gelaunten Menschen ans Kreuz nageln und Radiomoderatoren vorher noch ausführlich foltern!“
    07:12:15 „Wieso ist die Kaffeedose wieder leer? Irgendwas hasst mich abgrundtief!“
    07:13:00 Geht zum Schrank, öffnet ihn, schmeißt alles auf den Boden, bis er eine Schachtel Kaffee gefunden hat
    07:14:00 „Wo sind die verfluchten Zigaretten? Irgendwas muss mich wirklich hassen!“
    07:14:01 „Wieso auf dem Küchentisch? Direkt vor mir – Hätten sich auch melden können!“
    07:14:10 Zündet sich Zigarette an – Blick fällt auf den übervollen Aschenbecher: „Bäh widerlich – hätte das nicht irgendjemand wegräumen können? …“
    07:15:00 „Scheiße – die Vögel sind immer noch nicht leise und der Nachbarjunge fängt noch an auf der Terrasse zu reden – Ich brauche ein Maschinengewehr!“
    07:15:10 „Wieso ist die Espresso-Maschine noch nicht angeschaltet? Ach so … muss ja noch Kaffee hinein …“
    07:16:30 Kaffee ist der Maschine und diese ist angeschaltet
    07:16:31 „Wieso ist der Kaffee immer noch nicht fertig!“
    07:16:32 „Wieso ist der Kaffee immer noch nicht fertig! – Ich brauche einen!“
    07:16:33 „Wieso ist der Kaffee immer noch nicht fertig! – Ich brauche einen ganz dringend!“
    07:16:34 „Wieso ist der Kaffee immer noch nicht fertig! – Ich brauche einen ganz dringend! Sonst drehe ich durch!“
    07:16:35 „Wieso ist der Kaffee immer noch nicht fertig! – Ich brauche einen ganz dringend! Sonst drehe ich durch! Verflucht!“ etc.
    07:18:00 „Na endlich – Wurde auch Zeit.“

    10 Zigaretten und 5 Espresso später:

    07:50:00 „Schön, dass Sonne scheint und der Vogelgesang sind wirklich nett – der Nachbarjunge ist auch gut gelaunt, wie schön, ich sollte mich anziehen und mich für das Büro fertig machen – Doch, das Leben ist was Wunderbares …“

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    1. Blick in den Spiegel, vor dem ersten Kaffee: Ich kenn dich nicht, ich putz dir aber trotzdem die Zähne.
      @rheinlaenderinlondon Klasse. ;D

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  2. Wieso Hintertürchen?

    Bei den Nicht-Konsumenten fand sich tatsächlich eine Leistungssteigerung.
    Es ging also eher um gezieltes Doping als Genuss.

    Problematisch ist ja anscheinend (wie bei anderen Drogen oder Medikamenten auch) , dass sich eine Gewöhnung einstellt – also die mutmaßliche Langzeitwirkung

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    1. Schöner Fund! Wurde von tischl vorhin auch schon erwähnt, aber ohne so einen klasse Beleg-Text zu verlinken. Danke!

      Zitat daraus: Regular consumption of caffeine over the long-term has been linked to lower incidences of Parkinson’s and Alzheimer’s disease in humans and lesser memory dysfunction and neurodegeration in animals, write neuroscientists Alexandre de Mendonça of the University of Lisbon and Rodrigo A. Cunha of the University of Coimbra, both in Portugal, in this month’s issue of the Journal of Alzheimer’s Research.“

      Von wegen Zensur, tsss! Würdest du ein Gekoddere oder ein verunfalltes Glas nicht auch sofort wegräumen? Sollen sich Leute bei dir etwa ekeln? Mitdenken macht liebenswert!

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  3. Wie denn, wo denn, was denn !? Ich trinke manchmal Kaffee und manchmal wochenlang nicht. Dann wiederum habe ich meine Teephase und zwar solange, dass ich wieder mal Lust auf eine (höchstens zwei) Tassen Kaffee habe.

    Alles in Maßen getrunken dürfte sich weder positiv noch negativ auf das körperliche Befinden auswirken. Kaffee und Tee machen mich weder müde noch besonders aufgeregt. Was mich aber wirklich auf die Palme bringt, sind Esotanten und -Onkels oder notorische Religioten !

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  4. Das wäre sinnvoll – es sei denn, der Kaffee würde irreversible Schäden verursachen, sodass die Konsumenten nicht mehr auf ihr Ausgangsniveau zurück kämen.

    Äh, ich hab vorhin auch nicht ernsthaft vorschlagen wollen eine Sucht zu induzieren – ich wollte lediglich darauf hinaus, dass man Einschränkungen bei der Interpretation hat, wenn man mit bereits vorhandenen Gruppen arbeitet.

    Was die Veränderungen bei der Kontrollgruppe angeht: Dies spräche eigentlich dafür, gelegentlich doch eine Tasse Kaffee zu konsumieren, da man kurzfristig eine Steigerung erzielen kann, wenn keine Gewöhnung da ist.

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  5. Wäre es nicht sinnvoll, aus der Gruppe der Koffeinabhängigen eine Zufallsauswahl zu treffen, die etwa ein Jahr einen Entzug durchführt und dann den Versuch zu wiederholen?
    Ich meine natürlich nur aus rein wissenschaftlichem Interesse und keinesfalls, weil Koffeinabhängigkeit irgendein Problem darstellt. 😉

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    1. @joszef
      Du hast den rosigen Nagel genau auf den Kopf getroffen! Wenn das Problem einmal richtig GRÖßENORDNUNG besitzt, wie eben bei Bankstern oder Kaffee-Konsumenten, dann finden sich einfach keine Mittel und Wege. Eh, reiner Zufall übrigens. 😉

      @faustinchen
      Du machst es richtig, gelle. Immer ein Hintertürchen für den eventuellen Genuss offen lassen. Ja, so lieben wir die Frauen (oder Männer)!

      @Argus7
      Wie kann man nur so unentschieden sein? (Du weißt doch , dein Sagen sei JA, JA oder NEIN NEin, steht schon in einem uralten Buch.)

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  6. @tischl

    Was ich auch immer damit „therapiere mit dieser Art von Selbstmedikation“, diese Art der „Therapie“ schadet weder mir selbst, noch meiner Umgebung in relevanter Weise (nur bitte, sprich nie mit mir vor meiner 3. Tasse Kaffee am Morgen …).

    Die Frage, ob einer Sucht gefaehrlich ist, oder nicht, sollte an ihren Auswirkungen beurteilt werden. Alkohol oder Meth schaedigen den Koerper ganz massive, Kaffee kaum.

    Wenn ich also Schaden, aka menschliches Leid begrenzen will, muss wohl eine moegliche Kaffeesucht als kaum relevant betrachten, solang Du den Kaffeetrinker seine „Stoff“ gibst.

    Wie gesagt: Bei Methylamphetamin oder Alkohol sieht diese Abschaetzung schon ganz anders aus.

    Oder?

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  7. @rheinländer:
    „…Insofern halte ich meine (..) Kaffeesucht fuer weitmehr weniger ein Problem als mein regelmaessiges Bier in der Kneipe um die Ecke (..) Selbst wenn Kaffee suechtig machte, wo ist das Problem?…“

    So argumentieren im Grunde alle Abhängigen. Die interessantere Frage ist doch vielmehr: Was bringt mich eigentlich dazu, dieses Zeug täglich massenhaft zu konsumieren? Was therapiere ich mit dieser Art von Selbstmedikation?
    http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/coffeinismus.html

    Andererseits hilft hoher Kaffeekonsum – angeblich – gegen Alzheimer, auch nicht schlecht…

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  8. @stefanhensch

    Selbst bei einer Sucht ist fragen, welchen realen Schaden diese anrichtet.

    Eine Sucht, die keinen wirklichen Schaden verursacht, wo wohl Kaffee ein Musterbeispiel waere, ist kein Problem. Die ganze Betrachtung saehe bei Alkohol oder Meth ganz anders aus.

    Insofern halte ich meine (moegliche/wahrscheinliche ?) Kaffeesucht fuer weitmehr weniger ein Problem als mein regelmaessiges Bier in der Kneipe um die Ecke.

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  9. Das Argument mit der „jungfräulichen“ Kontrollgruppe ist natürlich nicht so ganz von der Hand zuweisen, gerade in der westlichen Welt.
    DIe andere Sache kann ich bestätigen … aufgrund von einer Magenschleimhautentzündung konnte ich mal zwei Tage lang KEINEN KAFFEE trinken. Es war die Hölle… Kopfschmerzen wie bescheurt und super „gute“ Laune…..

    Wie dem auch sei … Kaffee ist „meine“ Droge, darauf verzichten werde ich nicht, weil er mir einfach zu gut schmeckt!

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  10. Etwas ernsthafter:

    Ich bezweifele stark, dass man in Europa (und weiten Teilen Asiens) eine statisch relevante Gruppe faende, die kaum in Kontakt mit Koffeine gekommen waeren: Dazu ist dieser Stoff zu allgegenwaertig.

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  11. Zuersteinmal nehme ich als gelegentlicher Teetrinker das ganze auch nicht so schwer und suche keine Ausflucht das Ergebnis nicht ernst nehmen zu müssen – ich sehe auch kein großes gesellschaftliches Problem, wenn die Studie recht haben sollte, was gut möglich ist. Mir geht es nur darum methodische Mängel zu nennen.
    Meiner Meinung nach ist es nämlich nicht sicher, dass die beiden Gruppen gleich verteilt sind (was nichts mit doppelblind zu tun hat, schließlich kann man nicht blind Koffeinkonsumenten von Nichtkonsumenten unterscheiden). Koffeinkonsumenten rauchen z.B. mehr und sind eher Abendmenschen.
    Ob die Studie, als Experiment mit randomisierter Zuteilung noch nie mit Koffein in Kontakt gekommener Jugendlichen zu den Gruppen (Koffeinverbot vs. Zwangskoffeinkonsum), ethisch vertretbar wäre ist eine andere Frage…

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  12. Zur Unterhaltung – Bachs Kaffekantante:

    Wirklich ein gutes Stueck Entertainment!

    Und wenn Kaffee, nur dieses huebsches verursacht haette, es waere wert, denn „Tuerkentrank“ hoch zu schaetzchen.

    Also: HOCH DIE TASSEN!

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  13. Am Rande:

    Bevor Kaffee und Tee in Europa gaengige Getraenke wurden, waren Bier und Wein die einzigen Getraenke. die ohne wesentliches Gesundheitsrisiko verzehrt werden konnten. Man kann davon ausgehen, dass damals weiteste Teile der Bevoelkerung, einschliesslich der Entscheidungtraeger (Monarachen, Richter, Minister, etc.) den ganzen Tag ueber leicht angetrunken waren.

    Ich halte einen einen US-Praesidenten („red button“) maessig auf Koffeine fuer weniger bedenklich als nach zuviel Alkohol.

    In dem Zusammenhang:

    http://fora.tv/2009/01/17/Steven_Johnson_The_Invention_of_Air#Steven_Johnson_Coffee_Fueled_the_Age_of_Enlightenment

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  14. Nun, was sagt dies gegen starken Kaffeekonsum?

    Der Konsum von Koffeine macht „gluechlich“ (Dopaminausstoss), behindert nicht die normale Funktion innerhalb der Gesellschaft, ist kaum geeignet den Konsumenten wirtschaftlich zu ruinieren (war zu Zeiten J.S. Bachs und seiner Kaffeekantate noch ganz anders), ist weitgehend akzeptiert und hat keine weiteren relevanten gesundheitlichen Schaeden.

    Selst wenn Kaffee suechtig machte, wo ist das Problem?

    Sucht ist nicht gleich Sucht: Methylamphetamin macht suechtig, Kaffeee moeglicherweise auch – aber da ist ein Unterschied zwischen einer Kaffeetante und einem Meth-Abhaenigen.

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  15. siehe auch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Erregung_%28Physiologie%29
    oder:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Arousal

    War das gemeint? In der Psychologie sind diese Begriffe schon etabliert. Nicht nur beim Sex;-)

    Die Studie war ja insofern quasi-experimentell, als man die Leute gefragt hat, wieviel Kaffee sie normalerweise konsumieren (anstatt einfach mal zufällig ausgewählte 50% der Leute experimentell süchtig zu machen).
    D.h.: Wir können nicht ausschließen, dass die Leute sich auch zuvor in irgendeiner Weise unterschieden haben. Warum greifen die einen zum Koffein und die anderen nicht?

    „Wer zuvor kaum Kaffee oder Tee getrunken hatte, erlebte keine Entzugserscheinungen und wurde durch die Koffeintablette tatsächlich wacher, aber auch ein wenig nervöser. […] Wer ein starker oder auch nur mittelstarker Koffeinkonsument war, wurde durch den Entzug sehr müde und unkonzentriert. Die Koffeintablette machte diese Leute lediglich so wach und aufmerksam, wie es die Gruppe der schwachen Koffeinkonsumenten in der Placebogruppe ohne jedes Koffein war.“

    Das würde zur Annahme unterschiedlicher Ausgangsniveaus passen.

    Eine andere Erklärung wäre, dass die Leute, die langfristig Koffein konsumieren, eine Toleranz entwickeln: Die Wirkung lässt nach, weil der Körper gegensteuert. (Was wiederum sehr gut zu den Entzugserscheinungen passt, die ja dem, was Kaffee normalerweise machen soll, entgegengerichtet waren: Müdigkeit etc..)

    Die Symptome des Entzugs (z.B. Kopfschmerzen) waren aber, soweit ich weiß, länger bekannt. Zumindest habe ich das mal gehört.

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  16. Ich meine das Ergebnis, dass die starken Kaffeetrinker nach dem Entzug müder und unkonzentrierter sind als die Gruppe, die normalerweise kein Koffein zu sich nimmt. Das wird in der Studie so interpretiert, dass der dauerhafte Koffeinkonsum den anfangs gesunden Körper auf ein niedrigeres Konzentrations- und Wachheitsniveau bringt, das nur durch die dauerhafte Zufuhr von Koffein ausgeglichen wird.
    Möglich wäre es aber auch, dass die Probanden, die große Mengen Koffein zu sich nehmen z.B. schon in der Kindheit müder und unkonzentrierter waren, wodurch sie später mehr Gefallen an Koffein fanden.
    Bei Erregung muss man übrigens nicht immer gleich an das eine denken…
    http://de.wikipedia.org/wiki/Erregung

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    1. Fragen wie die aufgeworfene sind natürlich legitime Versuche zur Falsifikation. Allerdings leuchtet der mögliche Bias nicht so recht ein, da wir wahrscheinlich von einer normalen Verteilung dieser Personen sowohl in der Versuchs- wie in der Kontrollgruppe (doppelblind) ausgehen dürfen. Stimmt das so, dann wäre es eher eine versuchte Ausflucht, die Resultate nicht ernstnehmen zu müssen.

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  17. Das Problem der Studie:
    Es wird davon ausgegangen, dass sich die Probanden vor dem ersten Konsum nicht unterscheiden. Dabei kann es gut möglich sein, dass die späteren Koffeinjunkies ein niedrigeres Erregungsniveau haben und deswegen zu starken Kaffee-/Teetrinkern wurden.

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    1. Diese Kritik ist unverständlich. Es handelt sich um eine Doppelblindstudie. Wieso bitte sollte man davon ausgehen, dass sich die Probanden alle auf einem einheitlichen „Erregungsniveau“ befinden? Überhaupt irritiert dieser Begriff, den man eher in einer sexualwissenschaftlichen Untersuchung erwartet, in diesem Zusammenhang.

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