Vom Faschismus der Aufklärung?


Quelle: lehrer.uni-karslruhe.de

Wenn sich der Wolf als Großmutter verkleidet: Über die Gefahren einer neuen Dialektik der Aufklärung

Von Stefan Weidnersueddeutsche.de

Welche Rolle spielt in unseren gegenwärtigen Auseinandersetzungen um den Islam das Irrationale, der Affekt, das Ressentiment? Lassen sich solche Motive in unserer dem rationalen Diskurs verpflichteten Kultur überhaupt nachweisen? Wer heutzutage ein rassistisches Ressentiment pflegt, wird es hinter nachvollziehbaren Motiven verbergen und möglichst objektive Gründe für seine Abneigung gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen anführen müssen. Wenn sich der Rassismus aber in eine neue, dem rationalen Diskurs angepasste Sprache kleidet, wird er sich selbst als Affekt nicht mehr erkennen können und wollen. Auch diejenigen – wir -, die mit dieser Sprache konfrontiert sind, können ihn dann nicht klar als solchen erkennen. Genau dies ist das Dilemma bei der Frage, ob die sogenannten Islamkritiker rassistisch, ob die Israelkritiker antisemitisch sind. Bekennenderweise sind sie es nie.

Wenn der Rassismus aber nirgendwo offen auftritt, ist er potentiell überall: Es kann ja sein, dass ich meinen Antisemitismus mit einem gut recherchierten Argument gegen die israelische Siedlungspolitik nur geschickt tarne; oder meinen antiislamischen Rassismus durch ein treffendes Koranzitat, das die Gläubigen in echte Rechtfertigungsnot bringt. Wie gut auch immer mein Argument sein mag, vor der Unterstellung unlauterer Motive bin ich nicht gefeit. Somit bereitet die exzessive Unterstellung von Rassismus und Antisemitismus den Boden für eine Enthemmung des Diskurses. Lauert der Vorwurf ohnedies stets, ist es gleichgültig, ob die Gründe, die ich für meine Meinung vorbringe, wirklich haltbar sind oder nicht. Die anderen werden sie immer ablehnen; im eigenen Lager werde ich immer Beifall finden.

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5 Comments

  1. Och, nen nazi zu erkennen ist ziemlich leicht.
    In jeder Verkleidung.
    Mußt nur ein weibliches Wesen (SChwester, Freundin, cousine) mit nem farbigen Kind losschicken.
    Du siehst es, ehe die ersten Bemerkungen formuliert werden, schon ziemlich genau.
    Wenn das Kind auch noch erkennbar behindert ist, ist kein Zweifel möglich.
    Wirklich ganz einfach.

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  2. @yerainbow:
    „…Der advocatus diaboli ist hier also gefragt, und schon können einen beide Lager nicht mehr leiden…“

    Wie wahr!

    „…Denn wer gern an seinen Vorurteilen hängt, will davon nicht abgebracht werden…“

    Eben! Menschen, die überall nur „Islamophobiker“, Rassisten, Antisemiten, Faschisten, Islamisten usw. zu erkennen glauben, werden sich auch durch die Realität nicht vom Gegenteil überzeugen lassen. Sie sind einfach zu schwach, um auch mal Ambivalenzen aushalten zu können, ihnen macht alles Angst, was jenseits ihres „Schwarz-Weiß-Denkens“ liegt. Durch selektive Wahrnehmung und Selbstimmunisierung wird dieser Status Quo aufrechterhalten. Wirklich ein Problem der Persönlichkeitsstruktur…

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  3. Irgendwie ist mir unklar was der Author erreichen will. Eine Diskussion, die ohne Akzente geführt wird? Alles immer schön relativ sehen? Ich glaube der Author ist nur wieder so ein Kultur-Relativist (alle Traditionen sind irgendwie gleich gut. Political correctness über alles.

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  4. Die psychologie nennt diese Art von Betrachtung „Bestätigungstendenz“.
    Wenn man immer nur guckt, was die eigenen Überzeugungen an Argumenten stützt, und nie guckt, was auch sinnvollerweise dagegen spräche.

    Der advocatus diaboli ist hier also gefragt, und schon….

    können einen beide Lager nicht mehr leiden. Denn wer gern an seinen Vorurteilen hängt, will davon nicht abgebracht werden…

    ist also ein Persönlichkeitsproblem.

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