Jagd als Faktor der Evolution


Schafbock
Schafbock (Public Domain)

Von Birgit Herden –  SZ online

Evolution – Das Überleben der Schwächsten

Tiere passen sich an Umweltfaktoren an – und zu denen gehört auch der Mensch. Als Jäger beschleunigt er die Evolution.

Dickhornschafe sind hart im Nehmen. Immer wieder donnern die Böcke in der Paarungszeit frontal gegeneinander – solange bis der Schwächere aufgibt. Der Kampf um die Weibchen hat im Laufe der Jahrtausende seine Spuren hinterlassen: Die Männchen sind fast doppelt so groß wie die Weibchen, ihre massiven Hörner wiegen bis zu 13 Kilogramm.

Seit wenigen Jahrzehnten scheint die Evolution im Westen Nordamerikas wieder rückwärts zu laufen. Weil Hobbyjäger vor allem Tiere mit großen Hörnern abschießen, können sich nun auch die kleineren und schwächeren Männchen fortpflanzen.

Diese vererben Gene für Kleinwuchs und bescheidenes Gehörn an ihre Nachkommen. Dickhornschafe sind in den vergangenen 30 Jahren im Schnitt um ein Fünftel geschrumpft.

Die Bergbewohner sind kein Einzelfall. Ob Jagdtrophäe, Wildblume oder Speisefisch – der Mensch verfolgt manche Arten höchst effektiv. Er rottet dabei nicht nur viele Tier- und Pflanzenarten aus, sondern verändert auch oft nachhaltig Aussehen und Lebensweise der Überlebenden.

Eine Gruppe amerikanischer Ökologen hat nun erstmals nachgerechnet, wie groß der Einfluss der menschlichen Beutegier ist. In vielen Fällen verläuft die Evolution heute wie im Zeitraffer (PNAS, Bd.106, S.952, 2009).

Die Forscher haben Studien an insgesamt 29 Tier- und Pflanzenarten ausgewertet, die vom Menschen bejagt oder gesammelt werden. Dazu zählten vor allem Fische, aber auch Tiere wie das Dickhornschaf, Karibus oder begehrte Wildpflanzen wie der Amerikanische Ginseng oder der Himalaya-Schneelotus. (..)

„Die Öffentlichkeit weiß, dass wir oft zu viele Fische fangen, aber die Bedrohung geht über die reinen Zahlen hinaus“, sagt Chris Darimont von der University of California in Santa Cruz. „Wir verändern die grundlegenden Eigenschaften von dem, was wir übrig lassen, und das manchmal in nur zwei Jahrzehnten.

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