Am Anfang war der Comic


Foto. Jens Harder/Carlsen-Verlag

Von Ralf HutterderFreitag

Gehören Tim und Struppi auf den Index?

Rassismusverdacht, DDR-Propaganda, Neonazis – in Erlangen ­offenbaren sich die politischen Nuancen, aber auch die Abgründe der grafischen Literatur

„Keine Idee der Geschichte ist so wirkungsmächtig wie die Idee von Gott.“ Diese Wortfolge war es, die in Erlangen am Anfang der Ausstellung „Und das Wort ist Bild geworden – Über die Comics und das Religiöse“ stand – einer von fast 30 Werkschauen im internationalen Comic Salon Erlangen, dem größten Festival der grafischen Literatur im deutschsprachigen Raum. Deutet man die Wortfolge um, versteht man „Geschichte“ nicht im Sinne von Menschheitsgeschichte, sondern als Erzählung, dann steht am Ende des Satzes anstelle von Gott das Bild. Seine Wirkmächtigkeit hat die Ausstellung deutlich benannt: Sei das Verbot, Gott abzubilden, beispielsweise im Christentum durchgehalten worden, hätte letzteres „in der bildermächtigen Kultur der Antike kaum eine Verbreitungschance gehabt“. Die allgemeine Erkenntnis lautet: „Das Wort verlangte nach Illustration, denn die Menschheit ist eine augenhungrige Gattung.“

Noch etwas passender wäre wohl „bilderhungrig“. Dieser Hunger des Wortes – oder im weitesten Sinn auch von politischen Aussagen – wird vielfältig von der grafischen Literatur befriedigt. Bisweilen sogar ausnehmend stilvoll: So erhielt „Alpha. Directions“ des Berliner Illustrators Jens Harder in Erlangen die Ehrung als bester deutschsprachiger Comic. Das Werk, das in Frankreich bereits seit zwei Jahren erhältlich ist, enthusiasmierte die Fachwelt mit seinem Anspruch, auf 350 Seiten die Bildergeschichte unseres Planeten zu erzählen, vom Urknall bis zum ersten menschenähnlichen Wesen. Harder beschäftigt sich nach eigenen Angaben seit seiner Kindheit mit der Evolution und wollte seine Erkenntnisse nun grafisch darstellen. „Das Wort“, das hinter den Illustrationen steckt, ist allerdings kein lehrbuchhaftes, auch wenn das Buch lehrreiche Erläuterungen anbietet.

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1 Comment

  1. Ich stimme dem Autor nickpol zu: Die Welt ist bilderhungrig. Leider aber nicht bildungshungrig !

    Und so entwickelten sich mehrheitlich gläubige Voyeure, statt zum (Nach-)Denken befähigte Vernunftwesen.

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