Fußball-WM: Werbung in der Kritik


Fußball
Fußball (Foto: Wikimedia, CC-by-sa/en by Usien)

Die Fußball-WM in Südafrika steht so oder so im Brennpunkt der medialen und damit der Aufmerksamkeit des großen Publikums. Da braucht auch der Brightsblog nicht einfach weggucken.

Dass manche afrikanischen National-Mannschaften nicht nur Sportmediziner sondern auch ihre eigenen „Zauberer“ angestellt haben, ist bekannt. Die im Zuge von „Glücks-Erhexen“ und „Fluch-Abwehr“ geräucherten Trikots sollen recht streng riechen. Aber was soll’s? Religion ist uns als Privatsache egal, solange sie schadloser Hokuspokus bleibt.

Nicht so harmlos sind hingegen die Werbe-Trugbilder die im Umfeld der WM unter die Leute gebracht werden. Zwei empfehlenswerte deutsche Blogs haben dazu Beiträge geliefert.

Muskelkater Blog

Rote Karten für WM-Produkte

Die Lebensmittelindustrie im WM-Fieber: Die Supermärkte sind voller Produkte in Ballform oder Schwarz-Rot-Gold, andere werden mit Sammelbildchen oder Deutschland-Flagge vermarktet. foodwatch hat 11 WM-Produkte mit der Ampelkennzeichnung versehen.

Fazit: Viele gelbe und noch mehr rote Karten. Die meisten Lebensmittel wären im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung gar nicht spielberechtigt. Und bei der Nährwertdeklaration gibt es wenig Fairplay. Kein Wunder: Sportlich beworben werden vor allem Junk-Food und Soft Drinks.

2,7 Milliarden Euro gab die deutsche Ernährungsindustrie im Jahr 2009 für Reklame aus, mehr als jede andere Branche. Der größte Anteil (rund 20 Prozent) des Etats floss in die Werbung für Süßwaren und Knabber-Artikel. Trotz hoher Fett- und Zuckeranteile sollen diese möglichst sportlich daher kommen. Entsprechend voll sind die Supermarktregale derzeit mit Produkten zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika: Junk-Food in Ball-Form, Chips mit dem Konterfei von Nationalelf-Kapitän Philipp Lahm, Fruchtgummis in Schwarz-Rot-Gold.

Kooperationen mit dem DFB

Firmen kooperieren mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) oder setzen auf die Vorbildfunktion von Fußball-Stars, die gerade bei Kindern eine hohe Glaubwürdigkeit genießen. Und die geben sich dafür her, statt für ausgewogene Ernährung Werbung für Süßigkeiten und Fast Food zu machen. Wie gehaltvoll die Produkte sind, ist wenig transparent: Die Angaben werden durch Mini-Portionen künstlich kleingerechnet oder in kleinen, unübersichtlichen Tabellen versteckt. Bei der Nährwertinformation herrscht wenig Fairplay.

Viele rote Karten für die WM-Elf

foodwatch hat 11 WM-Produkte mit der Nährwert-Ampel versehen. Kein einziges kommt dabei ohne rote Karte aus – bei sieben Produkten stehen sogar je drei der vier Ampeln auf Rot. Vor allem der Zucker- und Fettgehalt muss bei vielen als hoch bewertet und dementsprechend rot gekennzeichnet werden. Im Durchschnitt kommen die 11 Produkte auf 409 Kalorien pro 100 Gramm bzw. Milliliter. Ein erwachsener Freizeitsportler müsste dafür etwa eine Halbzeit lang Fußball spielen, um allein diese 100 Gramm abzutrainieren (die Details des Ampel-Tests in der Fotostrecke auf der foodwatch-Homepage).

Mit den Signalfarben Rot-Gelb-Grün wird schnell klar: Würden Jogi Löws Nationalspieler die ganzen Produkte, für die sie werben, wirklich ständig als Zwischenmahlzeit verzehren, dann wäre schon in der Vorrunde Schluss. Es gibt bessere Aufstellungen als die von Ferrero, Mars & Co.!

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konsumpf.de

Fußball-WM: Sponsoren in der Kritik

Versprochen: heute wird das einzige Mal sein, dass ich in einem meiner Blogs die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika erwähne. Natürlich geht es mir nicht um das Sportliche, nicht mal um den Spektakel-Eventcharakter so eines Großereignisses (dazu ließe sich schon die eine oder andere Überlegung anstellen, beispielsweise wie süchtig unsere heutige Gesellschaft offenbar nach medial hochgeputschten Massenemotionen ist), sondern um die Durchkommerzialisierung durch die ewig gleichen Sponsoren. Denn wie schon vor 4 Jahren gehört z.B. Coca Cola zu den Hauptsponsoren, und wieviel, besser gesagt wenig Cola-Konsum mit Gesundheit und Sport zu tun hat, ist klar.

(EDIT: In der ZEIT findet sich der lesenswerte Artikel „Fußball-Weltmeisterschaft: Am Ende gewinnt immer die Fifa“, der sich ebenfalls kritisch mit dem ganzen Zirkus auseinandersetzt:

Alle sollen von der WM profitieren, versprach die Fifa den Südafrikanern. Das große Geschäft aber machen westliche Konzerne, asiatische Firmen und der Fußballverband selbst. […]

[…] Der Weltverband aus Zürich schützt seine milliardenschweren Sponsoren, deshalb darf außer ihnen niemand die Symbole, Slogans und Logos des Weltcups verwenden. “Wir haben sogar unsere Nationalflagge an die Fifa verkauft”, schimpft eine Kolumnistin. Eine Art “Markenpolizei” kontrolliert im geheimdienstlichen Stil, ob jemand das Vermarktungsmonopol verletzt. Die Handelskette Metcash musste sogar einen Lollipop aus den Regalen nehmen.

Es war ein kleiner Ball, auf dem 2010 stand. Ausländische Firmen verdienen dafür umso besser. Ein Großteil der Fähnlein, T-Shirts, Kappen, Bälle und all der anderen WM-Artikel wird billig in asiatischen sweatshops produziert und in Südafrika zu horrenden Preisen verkauft. Selbst Zakumi, der kleine grünhaarige Leopard, ist “Made in China”. Die Gewerkschaften drohten, das WM-Maskottchen zu boykottieren, weil es dem Gastland keinen einzigen Arbeitsplatz gebracht hat. […])

Johannes Pernsteiner von Pressetext Austria gab denn gestern auch eine interessante und passende Pressemeldung zu diesem Thema heraus: „Fußball-WM: Sponsoren im Kreuzfeuer der Kritik“, die ich hier ebenfalls veröffentlichen möchte:

Fußball-WM: Sponsoren im Kreuzfeuer der Kritik
Experten: “FIFA verpasst Chance, für gesundes Leben zu werben”

London/Georgia/Wien (pte/07.06.2010/13:45) – Der internationale Fußballverband FIFA hat sich mit der Auswahl seiner Sponsoren für die Fußball-WM in Südafrika ein Eigentor geschossen. So lautet die Kritik des World Cancer Research Fund WCRF http://www.wcrf.org, in deren Mittelpunkt besonders die Sponsoren Coca Cola, McDonalds und Budweiser stehen. “Würde die FIFA mit gutem Beispiel vorangehen und verkünden, dass sie künftig keine Sponsoren akzeptiert, die für ungesunde Produkte stehen, könnte das der Gesundheit der Menschheit starken Auftrieb geben”, so Teresa Nightingale, Geschäftsführerin der Organisation, gegenüber der BBC.

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