Neapels Erzbischof und die Korruption


Cardinal Crescenzio Sepe, Photograph: Alessandro Bianchi/Reuters
Cardinal Crescenzio Sepe, Photograph: Alessandro Bianchi/Reuters

Der Erzbischof Neapels Crescenzio Sepe steht offiziell im Brennpunkt einer Ermittlung wegen Korruption durch die italienische Staatsanwaltschaft. Die Verwicklung der Regierung Berlusconis sowie des Vatikans in den Immobilienskandal wirft ein Schlaglicht auf die Kumpanei und Pseudo-Moral in den höchsten Kreisen Italiens. Die britische Qualitätszeitung Guardian spricht von „shockwaves through the Italian government„.

Die Personalpolitik des Vatikans unter Ratzinger wie unter seinem Vorgänger erweist sich seit langem als ein innerkirchliches Debakel. Die lange, internationale Reihe an Bischofs-Amtsverzichten in den letzten Jahren wegen aufgedeckter Unmoral ist dem Kirchenvolk kaum noch vermittelbar. Katholiken verlassen in Scharen diesen Hort der Kleriker, die Wasser predigen und heimlich selber im Luxus schwelgen.

Die katholische Kirche ist ohnehin nur mit schwarzem Humor zu ertragen. Zumindest gilt das für die im Vatikan und den hohen Klerikerrängen stark verbreitete Moral-Heuchelei und Wirklichkeitsferne. Dass es längst nicht nur um Verstöße gegen die obskure Sexualmoral des Vatikans und die Vertuschung von Pädophilie in den eigenen Reihen geht, sondern um Geld und Macht, zeigt der aktuelle italienische Skandal in grellem Licht.

Die Wiener Tageszeitung „Der Standard“ fasst die Fakten zum neuesten vatikanischen Skandalon kompakt zusammen.

Der Standard

Kardinal Sepe soll Millionen kassiert haben – Vatikan: Sepe hat unermüdlich für die Kirche gearbeitet

In die damastbespannten Gemächer des Vatikans kehrt ein Gespenst aus den 80er-Jahren zurück. Ein Ermittlungsbescheid der Staatsanwaltschaft gegen Kurienkardinal Crescenzio Sepe läßt Erinnerungen an Erzbischof Paul Marcinkus wach werden, dessen zwielichtige Finanzgeschäfte den Vatikan und seine Bank IOR über Jahre in schräges Licht rückten. Gegen Sepe und Berlusconis Ex-Verkehrsminister Pietro Lunardi wird wegen illegaler Immobiliengeschäfte ermittelt – die jüngste Facette eines Korruptionssumpfs mit fast täglich neuen Details.

Sepe wirkte bis 1996 als Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, bevor er von Benedikt XVI. wegen mangelnder Transparenz seines Amtes enthoben und zum Erzbischof von Neapel ernannt wurde. Die unter dem früheren Name Propaganda Fide bekannte Kongregation verfügt über einen Immobilienbesitz im Schätzwert von neun Milliarden Euro. Allein in Rom gebietet die päpstliche Behörde über 2000 Immobilien, darunter den vom Modeschöpfer Valentino für 140.000 Euro Jahresmiete angemieteten Palazzo Mignanelli. Kardinal Sepe soll 1994 dem damaligen Verkehrsminister Lunardi gleich hinter dem Parlament ein Palais mit 42 Zimmern verkauft haben – um die Hälfte des geschätzten Wertes. Als Gegenleistung soll Lunardi dem Kardinal 2,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt haben, um den historischen Propaganda-Fide-Palazzo auf der Piazza di Spagna mit Pinakothek und Museum auszustatten. Die Arbeiten wurden jedoch nie durchgeführt.

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