Heilen durch „Kraft der Symbole“


Spinnennetz mit Wassertropfen
Schwingungen? (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Was ist mit dem Medizin- und Wissenschaftsjournalisten der Süddeutschen Zeitung, Werner Bartens, los? Jahrelang hat er lesenswerte Artikel geschrieben. Doch das am 18. Juni publizierte Elaborat „Malen nach Schmerzen“ lässt einen die Augen zusammenkneifen. Inhaltlich kann das doch wohl kaum ernst gemeint sein.

Nachdem das esoterische Lobhudeln von obskuren „Schwingungen“ weder ein Aprilscherz noch ein Enzyklopädie-Hoax (Wissenschafts-Scherz) sein kann, guckt man doch eher ratlos. Hat dieser bislang als Profi gehandelte Journalist Grund, sich an seiner Redaktion zu rächen, indem er Unsinniges liefert? Sollte die Rubrik „Leben“, unter der solch parawissenschaftlicher Quack herauskommt, tatsächlich dahin gestrickt sein, mit Esoterik nach Leichtgläubigen zu angeln? Letzteres sind zugegebenermaßen Spekulationen, um sonst Unerklärliches aufzuklären. Was sagen unsere Leser zu diesem Fall? 

Medizin und Wahnsinn (133) Malen nach Schmerzen

Von Werner Bartens, Süddeutsche Zeitung

Anstatt Sparmaßnahmen auf Kosten des Patienten durchzusetzen, sollte sich das Gesundheitswesen neuen Therapien öffnen. So ließe sich unter Umständen die „Kraft der Symbole“ mobilisieren.

Dem Gesundheitswesen drohen Defizite in Milliardenhöhe. Die Kaufleute in den Gesundheitsministerien werden bereits zu modernen Kopfgeldjägern. Da der von ihnen angerührte Fonds wenig gebracht hat, planen sie Pauschalen und Pauschälchen. Demnächst werden in Krankenhäusern nicht nur wie bisher Sparschweine für die Kaffeekassen der Pflegekräfte stehen, sondern auch Spendendosen und Klingelbeutel für den Erhalt der Kliniken. Werden sie in Herzform modelliert oder anderen lebenswichtigen Organen nachempfunden, müsste jedem Angehörigen und jedem Patienten, der das Krankenhaus aufrecht verlassen kann, die Dringlichkeit klarwerden.

Es ist schade, dass die Gesundheitsbürokraten so wenig auf Vorschläge aus der Mitte der Gesellschaft hören. Sparmöglichkeiten im Gesundheitswesen gibt es schließlich genug. Sie würden nicht mal auf Kosten der Patienten gehen, sondern sogar zur Genesung beitragen. Gemeint ist diesmal nicht die Stärkung der sprechenden Medizin, obwohl in diesem Bereich noch immense Effizienzreserven zu mobilisieren sind, wie das im Gesundheitsminister-Sprech gerne heißt. Gemeint ist vielmehr eine relativ neue Therapiemethode – die schreibende oder auch die malende Medizin.

In der schreibenden Medizin geht es nicht darum, in Arztbriefen, auf Rezepten und Verordnungen entscheidende Begriffe oder Medikamente wegzulassen, um Kosten zu sparen. Der Zugang ist viel direkter, näher am Patienten. Unter „Heilen mit Zeichen“ wird beispielsweise „die Kraft ganz gezielt gesetzter Symbole“ verstanden. Letztlich geht es wohl um so etwas wie gute Vibrationen, denn „jedes Zeichen hat eine eigene Schwingung“, verrät die einschlägige Literatur. Offenbar gibt es aber auch viele Schwingungen, die wir nicht vertragen. Man muss nur das richtige Zeichen setzen, dann geraten die Schwingungen wieder in Einklang.

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2 Comments

  1. will heißen, ich darf mir im rahmen einer lichttherapie ein hakenkreuz – als sonnensymbol – auf die stirn pinseln?

    wer bestimmt, wie welche zeichen schwingen?

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    1. Ich fürchte, du hast es voll erfasst. Nur wissen allerdings die Wenigsten auf Anhieb, dass die Inder das – andersherumdrehende, nicht wahr – Hakenkreuz (Swastika) als ein Symbol ganz anderer Bedeutung benutzen.

      Auf jeden Fall sind das die Fragen, die man da stellen muss. Genau richtig. Wer bestimmt? – na der Esoterik-Guru als Heilpraktiker halt. Oder haben auch da neuerdings die Kunden die Deutungshoheit?

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