Medien und Klimaverschiebung


illconsidered populisms
illconsidered populisms (Grafik: ScienceBlogs)

Naturwissenschaft und ihre Kommunikation das sind – zumal in Deutschland, wo verständliche Sprache keine akademische Tradition hat – zwei Welten. Das ändert sich langsam. Aber hoch komplexe Zusammenhänge wie die drohende Klimakatastrophe sind weiterhin nur schwer vermittelbar.

Das hat mit dem Phänomen „kognitive Dissonanz“ zu tun, der (sozial-)psychologisch bedingten Abwehrhaltung gegen Fakten, die das Publikum nicht mag, weil sie Angst einjagen und Verhaltensänderung verlangen würden. Daher sind die Irrationalismen der selbsternannten „Klimaskeptiker“ für aufgeklärte Sachkenner und Wissenschaftler eine bleibende Herausforderung an ihre Kommunikations-Kompetenz.

Im folgenden Text berichtet der Umwelt-Redakteur des Deutschlandfunks in kompakter Form über das Deutsche-Welle-Forum in Bonn, das kürzlich zu diesem Themenkomplex stattfand.

Von Georg Ehring, Deutschlandfunk

(..) Viele Fakten seien zwar bekannt, doch im Alltag sei das Thema nach wie vor nicht präsent, meint Professor Andreas Ernst, Direktor im Zentrum für Umweltsystemforschung der Universität Kassel. Medienberichte über den Klimawandel würden zwar konsumiert, aber

“ … nur solange uns das nicht in unserer Bequemlichkeit stört. Weil: Die Dinge, die wir hören müssten, wären unter Umständen sehr unangenehm und die würden wir gern auch von uns weghalten, wir hören natürlich lieber gern positive Neuigkeiten als schlechte, wenn sie uns betreffen, und deswegen halten wir schlechte Neuigkeiten, Klimawandel betreffend, von uns weg. Wir wollen also nicht selber in den Ring springen und sagen: Lasst uns mal was machen, nein: Damit könnte Verzicht verbunden sein, und das wollen wir nicht.“

Klimaskeptiker, die die Ergebnisse der Wissenschaft zur weltweiten Erwärmung relativieren oder als falsch abtun, profitieren von dieser Grundhaltung – und sie sind in manchen Ländern recht erfolgreich. Unter anderem in den USA, wo sie sich mit Gruppierungen zusammen geschlossen haben, die Staatseingriffen in die Wirtschaft von jeher skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen. Naomi Oreskes von der Universität von Kalifornien in San Diego.

„Meiner Ansicht nach gibt es zwei Gründe: Zum Teil liegt es daran, dass sie sehr gut organisiert sind und auf die Medien zugehen und sie unter Druck setzen, dass sie ihre Ansichten präsentieren. Und dieser Druck hat sich als wirksam erwiesen. Was das Publikum angeht, ist die Sache etwas komplizierter, aber: Die weltweite Erwärmung ist eine schlechte Nachricht. Wir hätten lieber, dass es nicht stimmt. Deshalb: Wenn uns jemand erzählt, es sei von der Wissenschaft her nicht wirklich sicher, dass das alles stimmt, dann sind die meisten von uns gegenüber diesem Argument empfänglich.“

(..) Und – eine heikle und umstrittene Forderung: Für Brayne müssen die Medien die Neutralität in dieser Frage aufgeben, schließlich könne man auch nicht neutral über einen schweren Unfall oder die Leiden im Krieg berichten – auch dies fordere schließlich zur Stellungnahme geradezu heraus.

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14 Comments

  1. @Kuro
    Schön dass du genau weisst, wer ein echter Skeptiker ist, und wer nicht. Verwaltet du die Liste, und was sind die Aufnahmekriterien?
    Vielleicht solltest auch du nicht andere Meinungen einfach akzeptieren oder verdrängen, je nachdem ob sie in dein Weltbild passen oder nicht, sondern selber mal dein Köpfchen anstrengen!
    Weder verdränge ich, noch verleugne ich wissenschaftliche Erkenntnisse, aber viele Klimaforscher wenden sich seit Jahren gegen diese Theorie. Darunter Prof. John Christy (Lead Author IPCC!), Prof. Paul Reiter (IPCC, Paris), Prof. Richard Lindzen (IPCC and M.I.T.), Prof. Ian Clark (University of Ottawa), Prof.Syun-Ichi Akasofu (Director International Arctic Research Centre)… Diese Wissenschaftler mussten (teilweise) gerichtlich gegen das IPCC vorgehen, um sich von der Autorenliste entfernen zu lassen. Man darf nicht vergessen, dass das IPCC eine politische Institution ist und kein Zusammenschluss von Wissenschaftlern.
    Auch sieht man aus Eiskernbohrungen, dass die CO2-Kurve der Temperaturkurve um ca. 800 Jahre hinterherläuft und nicht andersrum, wie behauptet. Ich habe bis jetzt kein anderes Argument für die Korrelation zwischen CO2 und Temperatur gehört, als eben diese Kurve. Wissenschaftliches Arbeiten heisst für mich, ein Verbindung zwischen Ursache und Wirkung herzuleiten, die immer Bestand hat.
    Wer sich mit den Punkten der Kritiker mal befassen möchte, dem kann ich http://www.biokurs.de/treibhaus/treibhgl2.htm empfehlen. Oder den Film „The Great Global Warming Swindle“.

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  2. Meinungsvielfalt ist an für sich ja zu begrüßen. Sie verlockt oft genug dazu, die eigene Sichtweise genauer zu formulieren und wahrzunehmen. Insofern schärft die Auseinandersetzung Wahrnehmung und Kommunikations-Kompetenz.

    Leider bekommt man aber häufig dabei mit Leuten zu tun, die an den aufgeworfenen Fragen selbst kaum interessiert sind, vielmehr ihre vorgefassten Antworten anbringen wollen, da sie denen „Wahrheits“-Anspruch zumessen. Charakteristisch ist das für zahlreiche Religionsanhänger. Aber auch im säkularen Spektrum ist Rechthaberei und „Wahrheits“-Behauptung nicht selten.

    Bei Karsten und Randifan haben wir in dieser Diskussion zwei Vertreter der schönfärberisch so genannten „Klimaskeptiker“. Als unechte „Skeptiker“ unterscheiden sie sich von echten darin, dass sie weder die Grundhaltung der Wissenschaft (Hypothese, Überprüfung, Fragen) noch des Argumentierens mit Belegen zeigen. Das ist sehr schade, denn jemand Anderes die Beweislast für die Alogik und das Nichtzutreffen der eigenen bloßen Behauptungen und Vorurteile vor die Füße zu werfen, nervt eher als dass es zu ernsthaften Antworten herausfordert.

    Da finde ich es weitaus angemessener, wie Yeti und Yerainbow offen einzuräumen, dass ihnen das Themenfeld fachlich nicht nahesteht und sie deshalb unentschieden sind, was von der Faktenlage zu halten sei. Das kann ich als „Skepsis“ anerkennen.

    Auch ich bin nicht selber Fachmann, was die Klimaforschung angeht. Doch trotz aufgedeckter kleiner Mängel in den Modellierungen und Zwischenbilanzen lässt die überwältigende Mehrheit der Fachwissenschaftler keinen Zweifel daran, dass die Klimaverschiebung menschengemacht ist und mindestens für die kommende Generation (oder auch schon unser Alter) bedrohliche Ausmaße haben wird. Verdrängen und Verleugnen nützt da nichts.

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  3. Natürlich ist eine mögliche Klimaänderung für den Menschen lebensraumverändernd, aber
    1. ist dies höchstens für den Menschen eine Katastrophe, und man will nicht die Natur retten oder beschützen, die Natur passt sich den natürlichen Gegebenheiten an.
    2. sollte diese Theorie mit Fakten untermauert sein, und sich nicht auf Computermodelle stützen. Je nachdem welche Regeln ich hinterlege, lässt sich damit jede mögliche (und auch unmögliche) Entwicklung simulieren.
    In den 70er Jahren wurde noch eine neue Eiszeit propagiert, haben wir damals dagegen gesteuert und sind übers Ziel herausgeschossen? 😉
    3. möchte ich nicht glauben müssen, dass es eine Klimaveränderung gibt, ich möchte es kritisch hinterfragen dürfen.

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  4. Bei der globalen Erderwärmung werden die schlimmsten Szenarien vorgesetzt, gegen die Panikmache setzen sich die Menschen zur Wehr und wenden sich auch denjenigen zu, die abstreiten, dass die Erde sich überhaupt erwärmt oder von Menschen verursacht wird.

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  5. forschung auf dem Gebiet ist nach wie vor wichtig.
    Grundlagenforschung überhaupt, obwohl derzeitig ja die reine nutzenforcierte Forschung favorisiert wird…

    wo ich herkomme, sagt man: Wissen ist macht, nischt wissen macht oooch nischt.
    Ist aber rein ironisch zu verstehen.

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  6. @Karsten

    Dann mache auch mal Verschlaege fuer eine zukuenftige „Stiftung abgesoffene Niederlande“.

    Ernsthafter: Wenn der Meeresspiegel weiter steigt, bedeutet die fuer z.B. die Niederlande oder die dt. Nordseekueste (aber auch im geringeren Masse London), dass etliche Mrd. an Investionen fuer neue Kuestenschutzmassnahmen aufgebracht werden muessen. Dazu sind die europaeischen Staaten sicher in der Lage. Im Falle von Bangladesh sieht das schon ganz anders aus.

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  7. In den letzten 20.000 Jahren ist der Meerespiegel um 100 Meter gestiegen, da machen (wenn es überhaupt eintritt) 10 weitere Meter dem Menschen auch wenig aus. Der Natur sowieso nicht, wenn es eintreten sollte, ist es eine „Katastrophe“ für den Menschen, da sich die Bedingungen ein klein wenig verschieben würden.

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  8. Ich weiss nicht, ich weiss nicht. Was ist denn bitteschön ein Klimaskeptiker? Damit sind doch entweder Leute gemeint, die nicht glauben daß es eine (menschengemachte) Erwärmung gibt, oder die dem Begriff „Katastrophe“ eher ablehnend gegenüber stehen.

    Ich zähle mich zu den letzteren und bin deshalb wohl auch ein „Klimaskeptiker“. Obwohl ich „Klima“ eigentlich ziemlich geil finde, zumindest in geschlossenen Räumen und Autos … 😉

    Mir hat noch keiner plausibel machen können, daß die momentan wohl stattfindende Erwärmung – auch, wenn man’s hierzulande wirklich nicht merkt, auch nicht nachmessen kann – eine Katastrophe ist. Warum soll das so sein? Hurricanes? Flutkatastrophen? Hungersnöte?`Dürren?
    Haben wir doch eh alles schon.

    Wenn ganze Landstriche unbewohnbar werden, Milliarden von Menschen sterben (sie würden ohnehin irgendwann sterben würden, evtl. müssten sie bis dahin noch mit arg knappen Lebensmitteln dahinvegetieren)? Wieso sollte das passieren? Es ist ja nicht so, daß der Meeresspiegel plötzlich nach Ablauf der 70 Jahre schlagartig um 10 Meter steigen würde. Wenn’s irgendwo ungemütlich wird, werden die Leute da automatisch weniger. Ich kann da nur eine (humanitäre) Katastrophe sehen, wenn die Menschheit eine draus machen will.

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  9. Am Artikel selbst habe ich keine Kritik.
    Sei nicht enttäuscht, bitte.
    Ich wollte nur die Begriffe ein wenig schärfer darstellen, nur eine kleine Korrektur – der Rest bleibt unwidersprochen. Die Darstellung der geistigen Tricks von Menschen ist treffend.

    Zur Klima“katastrophe“ selbst kann ich nix sagen, denn ich weiß nicht, ob die Daten so oder anders zu interpretieren sind.
    Katastrophe ist es auch nur für uns, die wir uns also als recht unflexibel erleben.
    Veränderungen des Klimas sind langfristig normale Vorgänge. Möglich, daß das Wirken von Menschen da etwas forciert.
    Wirklich sicher belegt ist es vermutlich noch nicht (wie erwähnt, ich weiß es nicht…).
    Die letzte Eiszeit kam ohne Menschenwirken, und die „kleine Eiszeit“ im Mittelalter ebenso. Große Vulkanausbrüche wirken sich massiv aufs Klima aus. Möglicherweise ist die Ausbreitung der Sahara jedoch eine Wirkung von Menschentätigkeit (bin aber auch da nicht sicher, zu wenige verwertbare Daten, zu viel Vorannahmen…)

    Das ändert nichts an der Verantwortung des Menschen, sorgsam mit sich und der Welt umzugehen. Davon ist er leider noch weit entfernt, und Gutmenschentum ist jedenfalls nciht die Lösung…

    Aber das ändert nichts an der Güte des Artikels zur Wahrnehmungs- und Bewertungsproblematik der Menschen.

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  10. Gerade die „Klimakatastrophe“ als Beispiel zu nehmen ist höchst ungeschickt, gerade weil so vieles gegen
    1. einen grundlegenden Klimawandel spricht, den so die Erde noch nie gesehen hat.
    2. das dieser Klimawandel vom Menschen verursacht ist.
    Wenn selbst die Quellen des IPCC voller Wiedersprüche sind, ist berechtigte Skepsis angesagt.
    Es gab immer Wärme- und Kälteperioden, zur Zeit wird weder ein Maximum, noch ein Minimum erreicht. Und das bei einem natürlichen Treibhauseffekt von 33° Schwankungen auftreten, ist nur natürlich.

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  11. Der Artikel ist leider nicht so dolle, sorry.

    Bestätigungstendenz ist VOR der zurkenntnisnahme der bedrohlichen (oder anderweitig wichtigen) Fakten.
    Wenn die Zurkenntnisnahme aktiv verweigert und verhindert wird.

    Kognitive Dissonanz wird erkennbar, wenn die Fakten zur Kenntnis genommen wurden. und dennoch andere (weniger fundierte) „Theorien“ favorisiert werden.
    Kognitive Dissonanz ist so gesehen der Versuch, „Unliebsame Wahrheiten“ zu ignorrieren, obwohl man sie genaugenommen kennt.
    Bestätigungstendenz ist der Versuch, diese Wahrheiten gar nicht erst zur Kenntnis zu nehmen. (kenn ich von kleinen Kindern, die dann die ohren zuhalten und tröten, „ich höre gar nicht zu, tralala…“ ;-))

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    1. Auf den Inhalt des Artikels (warum es so massive Vermittlungsprobleme beim „Klimawandel“ gibt) wurde von dir überhaupt nicht eingegangen. Stattdessen kaprizierst du dich auf einen unsinnigen Vorwurf, es handele sich bei der Ausweichtendenz um Confirmation Bias statt um Cognitive dissonance. Das ist mit Verlaub gesagt Korinthenschieterei, reine Rechthaberitis. Selbst wenn es so wäre, was tut das zur Sache? Es trägt nichts zum Thema bei, oder jedenfalls geht die Relevanz aus deiner Schmähkritik (Artikel nicht doll = Kritik ad hominem) nirgends hervor. Statt auf der Sachebene (Medien, Kommunikation von Naturwissenschaft) zu argumentieren, suchst du offenbar Streit. Was soll das?

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  12. Kleiner Hinweis:
    kognitive dissonanz ist das Akzeptieren von sich gegenseitig widersprechenden Konstrukten.

    Hier war wohl eher die Bestätigungstendenz gemeint, der Drang, immer nur Beweise für die eigenen Überzeugungen zu finden, und Gegenbeweise tunlichst zu ignorrieren.

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