Glaube im Knast


Im Juli wird im Bochumer Gefängnis Krümmede eine Ausstellung gezeigt über die Frömmigkeit von Häftlingen. Foto: Ingo Otto

Von Hubert WolfDer Westen

Viele Gefängnisinsassen klammern ihre Hoffnung an religiöse Symbole an den Zellenwänden. Der Bochumer Knast zeigt dazu demnächst eine Ausstellung.

Wenn der gut katholische Drogenhändler Helmut K. morgens die Augen aufschlägt, fällt sein erster Blick gottlob auf die Ikonen. Sechs, sieben Postkarten, die Ikonen zeigen, hängen an der Wand seiner acht Quadratmeter Zelle, Weihnachtsgrün dazu, ein Palmsonntagszweig, eine kleine Christusfigur . . . „Das ist für mich eine Hilfe, das ist so eine Hoffnung nach draußen“, sagt der 62-Jährige: „Etwas muss man ja haben, wo man sich dran klammern kann.“ Bei sieben Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung.

K.s Ikonen werden im Juli Bestandteil einer kleinen, aber äußerst ungewöhnlichen Ausstellung im Bochumer Gefängnis „Krümmede“ sein: über Glaube hinter Gittern. Wer sie dann sehen will, wird treppauf und treppab geführt, tief in den Bauch des Gefängnisses hinein. An offenstehenden Zellen vorbei und durch sechs schwere Türen, die aufgeschlossen und sofort wieder verriegelt werden mit riesigen Schlüsseln, die auf groteske Weise aus der Zeit gefallen scheinen. Am Ziel jedenfalls, in der Sporthalle, steht der Besucher endlich in der Schau „Frömmigkeit in der Justizvollzugsanstalt“; und die, lernt man dort, geht weit über Sonntagsmessen hinaus und die professionelle Gesprächsbereitschaft der Gefängnisseelsorger.

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