Studie: Freunde statt Religion


Musketiere
Romantisches Bild der Freundschaft (Druck von Maurice Leloir (1851-1940), Public Domain)

Ereignisse wie der unsäglich peinliche G20-„Gipfel“ sind morgen schon vergessen. Die Politiker der „führenden“ Industrienationen der Welt leisten sich sinnlos teure, ergebnis- und folgenlose Treffen in Serie. Eine Regulierung der Finanzspekulation wird es also nicht geben, die nächste „Blase“ darf kommen.

Die wesentlicheren Veränderungen – wie der in der folgenden Studie skizzierte Einstellungswandel – haben keinen kurzlebigen Eventcharakter. Die Frage stellt sich, warum die Medieninhalte – und am allermeisten die der fälschlich so genannten „social media“ Twitter, StudiVZ – fast ausschließlich auf Events setzen.

Ist Neil Postman: „Wir amüsieren uns zu Tode“ über einen Lebensstil, der alles zu Arbeit ODER Unterhaltung macht, doch ernster zu nehmen, als man zuletzt dachte? Oder hat Opaschowskis „Stiftung für Zukunftsfragen“ den realen Trend zutreffend aufgewiesen?

Die Hervorhebungen im Text sind nicht original sondern wurden vom Brightsblog vorgenommen.

Stiftung für Zukunftsfragen

Einstellungswandel in Deutschland

Der demographische Wandel in Deutschland hat einen grundlegenden Einstellungswandel zur Folge. Immer mehr Menschen leben und wohnen im Alter allein. Und weil sie kinder- und enkellos bleiben, sind sie zunehmend auf fremde Hilfe sowie persönliche Beziehungen und Kontakte angewiesen, wenn sie nicht allein sein wollen. In dieser Situation werden Freunde immer wichtiger im Leben (2002: 83% – 2010: 92%), während gleichzeitig die Berufs- und Arbeitsbeziehung (2002: 74% – 2010: 72%) sowie Religions- und Kirchenzugehörigkeit (2002: 31% – 2010: 24%) einen Bedeutungsverlust hinnehmen müssen. Dies geht aus Repräsentativuntersuchungen im Zeitvergleich der Jahre 2002 und 2010 hervor, in denen die BAT Stiftung für Zukunftsfragen bundesweit 2.000 Personen ab 14 Jahren nach ihren Lebenseinstellungen befragt hat.

„Die persönliche Zukunftsvorsorge wird in einer Gesellschaft des langen Lebens zu einer Generationenaufgabe ersten Ranges“, so Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen. „Neben die Sorge um die eigene Gesundheit und das Wohlergehen der Familie rückt die systematische Pflege der Freundschaftskontakte in das Zentrum des Lebens.“ In dieser Beziehung sind sich alle einig – quer durch die Berufs-, Sozial- und Altersgruppen.

„Soziale Konvois“: Die neuen Wegbegleiter des Lebens

Vor dem Hintergrund einer ständig steigenden Lebenserwartung kann es für die Bundesbürger nicht mehr nur um die Erhaltung des materiellen Wohlstands gehen. Genauso wichtig wird die Sicherstellung des sozialen Wohlergehens bis ins hohe Alter. Professor Opaschowski: „Die bloße Lebensstandardsteigerung hört auf, das erstrebenswerteste Ziel im Leben zu sein. Lebensqualität wird zum Garanten für ein gutes Leben zwischen Glück und Geborgenheit.“ Für 92 Prozent der Bevölkerung und für 95 Prozent der Singles gehören Freunde zur unverzichtbaren persönlichen Lebensqualität mit der Begründung: „Freunde sind für mich wichtig, damit ich glücklich und zufrieden bin.“ Für sie gilt: Wer Freude haben will, muss Freunde haben.

Was sich in den achtziger Jahren als Tendenz andeutete, wird zunehmend Wirklichkeit: Für drei Viertel der Bevölkerung (74% – Singles: 80% – junge Erwachsene 90%) sind Freunde „eine Art zweite Familie“ – für Familien eine lebensbereichernde Ergänzung, für Alleinlebende aber ein gleichwertiger Familienersatz.

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3 Comments

  1. Zu diesem Thema fällt mir spontan die nachstehende Lebensweisheit ein:

    „Mir geht es gut, und ich habe viele Freunde. Jetzt fehlt mir noch einer für den Fall, dass es mir mal schlecht geht !“

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