Darwin, Kreationismus und Creation



Keine andere wissenschaftliche Idee hat soviele unbegründete Anfeindungen zu ertragen wie die Evolutionstheorie und kein Wissenschaftler soviel unverdiente Verachtung wie Charles Darwin.

128 Jahre nach seinem Tod wird Darwins guter Name täglich von Kreationisten aller Art angegriffen, die Darwin für alles verantwortlich machen, vom Columbine Schulmassaker bis hin zum Holocaust.

Es ist dann richtig erfrischend wenn dieser Tage der Film Creation auf DVD erscheinen wird, soll heißen, wir können den Film endlich sehen. Der Film,  im letzten Jahr nur in einigen augesuchten Filmtheatern gezeigt, erzählt die Geschichte wie Darwin  sich quälte, bei der Entscheidung sein Buch On the Origin of Species zu veröffentlichen. Tatsächlich war es eine folgenschwere Entscheidung, deren Tragweite Darwin genau verstanden hatte, die Auseinandersetzung mit seinem Hauptwerk würde ihn für den Rest seines Lebens verfolgen, in der Tat, lange darüber hinaus.

Creation basiert auf einem Buch von Randal Keynes, Darwins Ur-Ur-Enkel.

Paul Bettany spielt Charles Darwin, und wirklich wiederholt er die Rolle des Naturalisten Stephen Maturin, welche er 2003 im Film Master and Commander: The Far Side of the World spielte.

Seine gefühlvolle schauspielerische Darstellung bringt Darwin zum Leben, als ein Mann, der getrieben von seiner Neugier versucht die natürliche Welt zu verstehen, leidenschaftlich für seine Familie eintritt und tief besorgt darüber ist, wie die Veröffentlichung seiner revolutionären wissenschaftlichen Ideen dies alles beeinflusst.

Dieser Blick auf Darwin als menschliches Wesen ist weit davon entfernt, wie er oftmals von Kreationisten portätiert wird.

„Darwin war nichts anderes als ein radikaler Rassist, ein Fanatiker.“  Auf diese Art intoniert der Kreationist Ray Comfort Darwin. Jüngst verteilte er tausende von Kopien von Darwins On the Origin of Species an Universitäten und Hochschulen. Comfort hat Darwins Buch eine eigene Einführung hinzugefügt. Dort beschuldigt er Darwin einer Unzahl von Gräueltaten.

Das Discovery Institute, Zentrum von Kreationismus und Intelligent Design, platziert regelmäßig Personal, welches Darwin „wissenschaftlich“ angreift. Richard Weikart, Partner des Discovery Institutes hat nicht nur ein Buch, sondern gleich zwei darüber geschrieben, wie  die Wurzeln des Holocausts bei Darwin zu finden sind. David Klinghoffer, ein weiteres Mitglied besagten Institutes probiert Darwin mit Dr. Mengele, H.P.Lovecraft, dem Vorsitzendem Mao und Charles Manson in Verbindung zu bringen.

Klinghoffer beeilt sich zu betonen:

In keiner Weise will ich den ehrbaren Charles Darwin für die Morde des Charles Manson verantwortlich machen. Aber der Jahrestag von Darwins Geburtstag erinnert uns an eine andere Masche, das Gefüge des moralischen Erbes des Darwinismus.

Es ist ziemlich seltsam Darwin von Manson zu unterscheiden um dann zu beanspruchen, dass Manson Teil von Darwins moralischen Erbe sei. Klinghoffer wird deutlicher, wenn er über das Böse des Dr. Mengele spricht:

Was würde ein menschliches Wesen zu solch einer Gemeinheit inspirieren? Welcher Einfluss, vielleicht im früheren Leben hat ihm vom rechten Weg gestoßen, was hat ihm davon abgehalten eine konventionelle, medizinische Karriere zu beschreiten?“

Natürlich beantwortet Klinghoffer diese Fragen in der Art, dass nur Charles Darwin Mengele vom rechten Weg stieß.

Der Chef-Partner des Discovery Institutes, Benjamin Wiker, ging sogar soweit, in seinem Buch The Darwin Myth: The Life and Lies of Charles Darwin Darwin zu beschuldigen für:

„…Eugenik, Nazismus, Schwangerschaftsabbrüche, Euthanasie, sexuelle Aufklärung, Antibaby-Pillen für die Armen, Cyber-Pornografie und Kannibalismus.“

[Letzteres ist natürlich völlig krank. Wie jedermann weiß ist der Kannibalismus Jonathan Swift anzurechnen.]

Warum beschuldigen Kreationisten Darwin mit solch kreativen Listen gesetzwidrigen Verhaltens? Für viele Kreationisten ist Darwin einer der „Drei Denker“ deren Einfluss dem Horror des 20. Jahrhunderts zu zurechnen ist. In Marx sehen sie eine „Wissenschaft der menschlichen Geschichte“, welche systematischen Massenmord und unvorstellbares Leid manifestiert. Freud, wird als „Wissenschaft des menschlichen Geistes“ betrachtet, verantwortlich für sexuelle Zügellosigkeit und Zerrüttung traditioneller Werte. Und Darwin steht für die „Wissenschaft der menschlichen Rasse“, verantwortlich für Eugenik und die Herabwürdigung des Menschen zum Tier.

Der Film Creation zeigt Darwin als einen sorgfältigen Menschen, angefüllt mit Leidenschaft und Furcht für die Auswirkungen und die Annahme seiner revolutionären Ideen. Eine beeindruckende Szene im Film zeigt den Tod eines jungen Vogels und seine anschließende Verwesung. In einem anderen Teil des Films versucht Darwin seine Kinder zu beruhigen, nachdem sie Zeuge geworden waren, wie ein Fuchs ein Karnickel tötete. Creation ist offensichtlich nicht das, was man die Brutalität und Sinnlosigkeit eines evolutionären Weltblickes nennen könnte. Statt Darwin als einen blutdürstigen Hobbesianer, der die Welt in rot zwischen Zähnen und Klauen geniesst, darzustellen, zeigt der Film seine Empathie und das traurige Akzeptieren einer Welt, die mit soviel Leid angefüllt ist.

Creation zeigt Darwin als menschliches Wesen, seine berühmte Theorie nicht als schaurige Verschwörung, sondern als vernünftige und verantwortungsbewusste wissenschaftliche Idee.  Er ist ein willkommener Kontrast gegenüber schlecht unterrichteter Übertreibung, persönlichen Angriffen, wie sie so oft von Kreationisten zu lesen und zu hören sind.

Kreationisten werden Creation feindlich gegenüber stehen. Und in der Tat, die Gruppe „Answers in Genesis“ findet schon den Titel des Film beleidigend, und etikettiert ihn als „Hollywood Hagiographie“. Die Institution für „Schöpfungsforschung“ benennt den Film als Teil einer Strategie von Evolutionisten um die Herzen und die Hirne der Zuschauer zu gewinnen.

Vielleicht ist dieser Hohn die beste Empfehlung für diesen Film.

Nach einer Vorlage von:

Steven Newton,

Programs and Policy Director for the National Center for Science Education.