Neue Exorzisten in der Schweiz


Mythos Wachstum
Dämonen-Mythen

Wie erschreckend massenwirksam simple Kirchen-Kommerz-Konzepte wie die US-Mega-Churches auch in europäischem Umfeld einsetzbar sind, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Zürich. Freikirchen, die auf die bekannten Mittel der popmusikalischen Kulturindustrie setzen, gehören zu den expansivsten Geschäftsideen der Jetztzeit.

Wie einträglich das sein kann, strategisch das Steuerbefreit-Konzept der (Selbstdeklaration als) „Kirche“ und das kommerzielle Unternehmensziel größtmöglicher Breitenwirksamkeit zu mixen, zeigt die Anzahl der Profi-Angestellten, die solche Unternehmen um sich scharen. Das International Christian Fellowship (ICF), vor erst 14 Jahren neu gegründet, zählt bereits 50 hauptamtliche Jobs.

Ein Lang-Interview im schweizerischen Tagesanzeiger mit dem „Mastermind“  des ICF, Leo Bigger, gestattet Einblicke in das seltsame Innenleben einer solchen Konzeption. Vorgestrige Phantasie-Mythen wie die Annahme von Teufeln und Dämonen, die man exorzistisch auszutreiben beansprucht, nehmen in dieser evangelikalen Fantasy-Weltsicht einen irre großen (Ideen-)Raum ein. Der Schwulst mit den zu bekämpfenden „Sünden“ hilft zusammen mit Pop-Inszenierung Menschen zu fangen, zahlungsfreudige „Gläubige“ zu werden.

Von Hugo Stamm, tagesanzeiger.ch

Leo Bigger – der 42-jährige gelernte Offsetdrucker gründete International Christian Fellowship (ICF) 1996 in Zürich und konzentrierte seine Missionstätigkeit ursprünglich auf junge Gläubige. 2003 mietete der ICF eine Halle auf dem Maag-Areal in Zürich mit 1900 Sitzplätzen. Seither wächst die Freikirche rasant, auch international. Die Gottesdienste sind Pop-Events mit farbigen Kulissen und lauter Livemusik. Immer mehr besuchen auch Erwachsene die Gottesdienste. Das ICF-Imperium ist zu einem mittleren Unternehmen mit 50 Angestellten angewachsen mit einem riesigen Angebot an Veranstaltungen, Weiterbildungen und Glaubenskursen.

Leo Bigger ist mit seiner Freikirche ICF der erfolgreichste Prediger der Schweiz. Jedes Wochenende besuchen 3000 Gläubige seine Gottesdienste. Er spricht mit Gott, kämpft gegen den Teufel – und dies alles ohne Bonus.

Sie sagen, Sie redeten mit Gott. Worüber sprechen Sie?
Ich bete. Ein Gebet ist ein Gespräch. Ich spreche mit Gott wie mit meiner Frau.

Was antwortet er?
Ich hatte in meinem Leben zweimal den Eindruck, Gottes Stimme gehört zu haben. Erstmals mit 18. Ich war mit meinem Mofa unterwegs und hörte Gott sagen: «Ich brauche dich als Prediger.» Das zweite Mal sagte er mir in einer grossen Kirche in Chicago, ich solle nach Zürich zurück und eine Kirche gründen. Man kann sagen, es sei Einbildung, für mich war es aber real. Gott ist nicht laut, er spricht einfach und fein.

Sie behaupten auch, das Böse auf der Welt sei der Satan. Glauben Sie wirklich an den Teufel?
Jeder spürt das Gute und das Böse. Ich nenne es Gott und Teufel. Als ich abnehmen wollte, spürte ich eine Kraft, die sich dagegenstemmte. Das war die Stimme des Satans. Doch 90 Prozent der irdischen Ereignisse haben nicht mit Gott oder dem Teufel zu tun, sondern mit den Entscheidungen von Menschen. Die meisten Ungerechtigkeiten schafft unser eigener Egoismus. Die Verantwortung liegt bei mir, wem ich mehr Raum gebe. Wir sind nicht Marionetten von Gott oder dem Teufel, sondern können selbst entscheiden.

Dennoch nehmen Sie sogar Teufelsaustreibungen vor. Wie muss ich mir so etwas vorstellen?
Nicht alle Auffälligkeiten sind auf das Wirken des Dämons zurückzuführen. Ein Beispiel einer klaren Besessenheit: Eine Frau schlief während der Predigt dauernd ein. Sie sagte mir, sie sei Mitglied eines okkulten Zirkels gewesen und habe sich per Unterschrift dem Teufel verschrieben. Deshalb schlief sie beim Wort Gottes ein. Ich sagte ihr, sie solle mir in die Augen schauen und erklärte dem Satan, dass ich jetzt den Bann der Unterschrift breche. Dann passierte es. Die Frau begann zu schreien und zu toben. Ich befahl dem Teufel, aus ihr zu fahren. Dann war sie befreit. Ich spürte die starken Kräfte, die an der Frau zogen.

Wollten Sie schon als Kind Pfarrer werden?
Ich bin katholisch aufgewachsen, und ich war begeisterter Ministrant. Ich fand es cool, hinter die Kulisse eines Gottesdienstes zu sehen und bei der Messe eine Rolle spielen zu dürfen. Die grosse Erleuchtung hatte ich aber erst mit 18. Ein Freund erklärte mir, dass meine Sünden mich vom heiligen Gott trennen würden.

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3 Comments

  1. Ich interessiere mich sehr für einen Exorzisten.
    Ich bin vom Teufel geplagt von morgens bis abends
    Weitere Informationen sehde ich Ihnen gerne.

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  2. Viele der Mitglieder der Freikirchen sind Queereinsteiger aus der katholischen Kirche und von reformierten Kirchgemeinden.
    Diese vom Gemeinschaftsgefühl, und religiösem Wahn getragenen Gemeinden sind am wachsen. Jedoch habe ich festgestellt dass es auch viele Aussteiger gibt. (Ich selbst bin ein ehemaliger Freikirchler & Ex-Missionar)
    Auklärung ist immer noch das beste Mittel, das hat schon in der Vergangenheit gewirkt.
    Dafür müssen sich aber die Freidenker, Atheisten, Brights, Skeptiker und andere nicht-religiöse Menschen aktiv engagieren, im persönlichen Gespräch mit Freunden und Verwandten, aber auch in der Öffentlichkeit.
    Bekennen Sie sich zu Ihrer naturalistichen Weltanschauung, und bauen Sie mit an einer friedlicheren, gerechteren, und religionsfreieren Welt!

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