»Rückführungen« und Honorare


Der SWR am Donnerstag, ein Dokumentarfilm über eine „sogenannte“ Rückführung.

Eine unter Hypnose stehende Frau erinnert sich. Erinnert sich an ihr Leben von vor 800 Jahren. Der unbedarfte Zuschauer ist geschockt, ob der Authentizität der Aussagen. Eine Wissenschaftlerin (sic!), welche im Film zu Wort kommt, kann sich die Ereignisse nicht erklären. GEZ-finanzierte Verarsche der Zuschauer. Esoterisch kontaminierte Konsumenten dürften begeistert gewesen sein.

Hautnah erleben wir eine „Rückführung“.
Wir begleiten eine Frau bei ihrer spannenden Reise und Spurensuche in der Vergangenheit. Die Reise führt uns 800 Jahre zurück.

Autor Manfred Bölk wollte wissen: Was hat es mit der Macht der Gedanken auf sich?
Mit der Kamera sahen er und sein Team einigen hauptberuflich Paranormalen über die Schulter. Deren Wartezimmer sind voll von Klienten: Je komplizierter der Alltag, desto reizvoller erscheint die Flucht ins Irrationale.

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Wahrsager, Kartenleger haben nach Ansicht des OLG Stuttgarts keinen nachträglichen Anspruch auf Honorare. Im deutschen Rechtsverständnis handelt es sich hierbei um eine unmögliche Leistung.

Ist die Leistung schon im voraus erbracht, gilt dieser Grundsatz nicht.

Im verquasten Deutsch des OLG liest sich das so:

Die Klägerin ist als Selbständige mit Gewerbeanmeldung tätig und bietet Lebensberatung (Life Coaching) insbesondere durch Kartenlegen an. Der Beklagte, Geschäftführer einer Marketing-Agentur, hörte auf den Rat von Wahrsagern und Schamanen. In einer durch Beziehungsprobleme ausgelösten Lebenskrise stieß er im September 2007 im Internet auf die Klägerin. In der Folgezeit legte diese dem Beklagten am Telefon in vielen Fällen zu verschiedenen Lebensfragen die Karten und erteilte Ratschläge. Der Beklagte zahlte hierfür im Jahre 2008 mehr als 35.000,- EUR. Für im Januar 2009 mehrmals täglich erbrachte Leistungen verlangt die Klägerin mit ihrer Klage 6.723,50 EUR. Sie macht geltend, für das erste Kartenlegen seien 150,- EUR und für jedes weitere Kartenlegen 100,- EUR vereinbart gewesen. Für Coachings seien 100,- EUR für die ersten 30 Minuten und 50,- EUR für alle weiteren angefallenen 15 Minuten abgerechnet worden. Sie habe aber auch Rabatte gewährt.

Das Landgericht hat die Klage mit der Begründung abgewiesen, die von der Klägerin geschuldete Leistung sei objektiv unmöglich. Hiergegen richtet sich die Berufung der Klägerin, die geltend macht, ihre Tätigkeit habe sich vom Kartenlegen immer mehr auf allgemeine Lebensberatung verlagert. Auch sei das Kartenlegen und die Deutung der Karten eine mögliche Leistung. Ein bestimmter Erfolg sei weder versprochen noch erwartet worden. Es liege, insbesondere unter Berücksichtigung des Wertewandels, auch kein sittenwidriges Rechtsgeschäft vor.

Das Gericht fährt fort:

Objektiv unmöglich ist eine Leistung, wenn sie nach den Naturgesetzen oder nach dem Stand der Wissenschaft und Technik nicht erbracht werden kann (Palandt/Grüneberg, BGB, 69. Aufl., § 275 Rn. 14). Insbesondere ist in Rechtsprechung und Literatur anerkannt, dass ein Vertrag, in dem sich eine Partei zum Einsatz magischer Kräfte verpflichtet, mit denen Lebensumstände positiv beeinflusst werden sollen – zum Beispiel Partnerschaftsprobleme gelöst werden sollen – auf eine unmögliche Leistung gerichtet ist, weil solche Kräfte nicht existieren (LG Kassel NJW 1985, 1642; LG Kassel NJW-RR 1988, 1517; AG Grevenbroich NJW-RR 1999, 133; LG Augsburg NJW-RR 2004, 272; Palandt/Grüneberg, a.a.O.). Das Gleiche gilt für die Übernahme einer Verpflichtung, die darauf hinausläuft, auf astrologischer Grundlage – dem Stand der Sterne – zu beraten und Weisungen für die Zukunft zu erteilen (OLG Düsseldorf NJW 1953, 1553).

zum Urteil

3 Comments

  1. Was will man man von einer Bevölkerung erwarten, welche mit dem Ziel „Ehrfurcht vor Gott“ zu haben, erzogen wurde.

    Selbst wenn man sich später von DIESEM Geisterglauben lossagt, so wurde einem doch gelehrt, dass es ehrbar und bewundernswert ist, wenn man übernatürliches bewundert und nicht hinterfragt.

    Das Fehlen von humanistisch, philosophischer und wissenschaftlich rationaler Ausbildung rächt sich in solchen Momenten.

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  2. Es ist ja nicht das erste Mal, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen völlig unkritisch esoterischen Schwachsinn als Wahrheit verkauft. Der Autor des Films, Manfred Bölk, findet es nicht für erforderlich, auch nur einen leisen Zweifel am Wahrheitsgehalt seines Doku-Films anzudeuten. Ich bezeichne das als Volksverdummung pur und im Widerspruch stehend zum Bildungsauftrag den ARD und ZDF eigentlich wahrnehmen müssten.

    Oder könnte es gar sein, dass der Autor des Films und sein Team die Story, die sie da dem gutgläubigen Publikum auftischen, möglicherweise sogar für bare Münze nehmen ? Alles an dieser völlig unkritischen SWR3-Doku deutet schließlich darauf hin. Dann aber wäre es höchste Zeit, dass der Fernsehrat diesen esoterisch verseuchten Filmemachern den Stuhl vor die Tür setzt, denn solchen GEZ-finanzierten Humbug müssen wir uns nicht länger bieten lassen.

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