Dodo des Monats Juni 2010 – Christian Wulff


Dodo des Monats Juni 2010

Christian Wulff for Dodo. So jedenfalls kann man die abgeschlossenen Wahl titulieren, im Gegensatz zur Wahl des Bundespräsidenten, vor einer Woche, stand er schon ziemlich früh fest. Gut im Rennen das bayrische Kultusministerium, mit seiner Zensur gegen den Cornelsen-Verlag. Bayrische Behörden lieben halt die göttliche Arschkriecherei. Der Märchen-Professor Schimmel, der auf der Suche Gottes in den Nano-Tubes seiner Labore ist, hat es immerhin auf 13% aller abgegebenen Stimmen gebracht. Ludwig Schick, seines Zeichens Hirte in Bamberg konnte gerade mal eine! Stimme einheimsen. Das ist für beringte Schwarzröcke ein absoluter Negativrekord.

Katholik Wulff und evangelikale Fundamentalisten, CDU, Ministerpräsident, politische Macht und ideologisches Kalkül. Seine Biografie langweilig wie ein Hostien-Rezept. Und doch hat dieser Mann exzellente Verbindungen zu religiösen Eiferern, bis hin zum rechten Rand der Gesellschaft. Seine persönliche Farblosigkeit, die er benutzen will um eine bunte Republik zu gestalten, hat wohl dazu geführt, dass seine Funktionen bei ProChrist und seine Wohlworte für den Arbeitskreis Christlicher Publizisten weitgehend unbeachtet blieben. Der Sektenbeauftragte der evangelisch-württembergischen Landeskirche Hansjörg Hemminger sieht in diesen Kreisen schon mal die Vermittlung von Extremismus und Fanatismus aus der rechten Ecke.

Unser nunjetziger Bundespräsident fühlt sich in solchen Kreisen wohl. Die Evangelikalen, den Lesern des Blogs als extreme Bibelfundis wohlbekannt, die Erde ist ein Produkt der Schöpfung Gottes, der Mensch die Krone, Schwule die Personifizierung des Anti-Christ, ist für die Kanzlei des ehemaligen Ministerpräsidenten keine große Sache. Man redet sich heraus, dass letztlich keine Erkenntnisse des Verfassungsschutzes vorlägen. Als oberster Knastaufseher von Niedersachsen hätte Wulff bei folgendem Satz, Voraussetzung: Anzeichen von Vernunft, Intelligenz und Wollen sind vorhanden, hellwach werden müssen:

Arbeistkreis Christlicher Publizisten

Jetzt kommt es darauf an, sich aus dem Gefängnis BRD zu befreien. Ohne ein klares Bekenntnis zu den christlichen Wurzeln des politischen Handelns der Union wird es das nicht geben.

Bei solchem Wortlaut hätten  die Verfassungswächter reagieren müssen. Die „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ als Gefängnis zu bezeichnen ist mehr als hart. Wer so etwas formuliert hat klare Vorgaben im Kopf, der will den Gottesstaat, der will Mittelalter, Verdummung und keine Demokratie.

Die Rückwärtsgewandheit des Herrn Wulff  findet sich aber nicht nur in seinen Verbindungen zu religiösen Extremisten. Seit drei Jahren ist er Schirmherr und Förderer des „Celler Trialogs“, eine wohl der abgeschottensten Veranstaltungen im Bundesgebiet. Dort wird der Schulterschluss zwischen Wirtschaft, Politik und Bundeswehr (1. Panzerdivision, Division Eingreifkräfte, stationiert in Niedersachsen) praktiziert. Ach ja, die Commerzbank hat da auch noch ihre Finger im Spiel. Ein Schuft wer böses dabei denkt.  Unter striktem Ausschluss der Öffentlichkeit will man Verständnis für die Auslandseinsätze der Bundeswehr wecken. Im Inneren sollen zwecks „Intensivierung der zivil-militärischen Zusammenarbeit“ Banken und Industrie mit einem Netz von Reservisten kontaminiert werden, die insbesondere bei Unruhen das Kommando übernehmen.

Klare Aussage beim Celler Trialog 2008:

Christian Wulff

Dieses Land ist ein Bundeswehrland

Wie sich Deutschland aus der Perspektive des Schlosses Bellevue anschauen lässt ist dann keine Überraschung mehr.

Die Schirmherrschaften des Herrn Wulff sind so eine Sache. Nach dem er das Blindengeld teilweise gestrichen hatte, konnte er die Schlesiertreffen(2008) in seinem Ländle unterstützen. Bedingung von ihm, keine rechtsextremen und revanchistischen Aktivitäten. Das ist ungefähr so, als wollte man einem Stinktier das stinken verbieten. Nach einem Vertreter der „Preußischen Treuhand“, die auf die polnischen Ländereien ein Auge geworfen hat, der die  Eröffnungsrede hielt, kam Herr Wulff an die Reihe. Inmitten von Buchständen mit neonazistischen Dreckwerk hielt er völlig unbeeindruckt seine Rede vor den in Niedersachsen geborenen Schlesiern. All das hat sich 2009 wiederholt.

In einer Talkshow, kurz vor dem 70. Jahrestag der Reichsprogromnacht vom 09.November 1938, sprach er über die „Progromstimmung“ gegen deutsche Manager. Wulff brachte damit zum Ausdruck, dass die deutschen Manager sich in einer ähnlichen Situation befanden, wie die Juden unter der Herrschaft der Nazis. Der Zentralrat der Juden warf ihm dann auch vor, er hätte eine Brandstifterrede gehalten. Beim Aufdämmern möglichweise etwas Falsches gesagt zu haben, ließ er von einem Sprecher verkünden, die Verwendung des Wortes „Progromstimmung“ sei eine Fehlleistung gewesen.
Bei Sigmund Freud ist „Fehlleistung“ klar definiert, wenn das Unterbewusstsein seinen Einfluss auf das Sprechen nimmt.
Vorschlag, immer einen Therapeuten, bei öffentlichen Auftritten, dabei haben. Der kann da bei „Fehlleistungen“ gleich ein „Experten-Dementi“ abgeben.

Die Wahl zum Bundespräsidenten war dann ja auch ein Highlight des Grotesken. Gemeinsamer Kirchgang, wen interessiert das eigentlich? Später dann, dass Gesicht der Kanzlerin zur Faust geballt, was mir eine gewisse innere Freude verschaffte. Gauck schwadronierte über Demokratie, dabei hätte ihm auffallen müssen, dass das keine war.

Wir hätten die Pest haben können und bekamen die Cholera. Oh Wunder, dass Herr Lammert nicht nach dem Dritten Wahlgang verkündete „Habemus Papam“. Er wäre zu erwarten gewesen.

Und dann noch dieses unsägliche „Gott beschütze dieses Land.“ Erinnert mich an George Bush. In meinen Augen der Gipfel des Irrationalen. Haben Sie Ihren evangelikalen Fundis zu verstehen gegeben, ich bin am Ziel, ihr könnt weiter auf mich zählen?

In einem sind Sie vollkommen perfekt, Sie sind ein Teflon-Politiker!

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

9 Gedanken zu “Dodo des Monats Juni 2010 – Christian Wulff

  1. Mir war zu jedem Zeitpunkt absolut klar, das die Regierungsfraktion eine absolute Mehrheit hatte, danke das du mir das nochmal zeigts. Diese kam aber erst im DRITTEN Wahlgang zum tragen.

    Selbst dir als pathologisch verbrähmter Linke Socke (TM) sollte es möglich sein den politischen Gegner soweit zu respektieren, diesen nicht solche Flüchtigkeitsfehler zu unterstellen.
    Es ist auch nicht mein Problem, das die linken Wulff zum Sieg verholfen haben, sondern das diese gegen Gauck waren.

    Ob es mehr oder weniger Abweichler gegeben hätte, hätte die Linke auf einen eigenen Kandidaten verzichtet sei dahin gestellt, Tatsache ist das die Linke mit ihrer Ablehnung zu Gauck gezeigt wie sehr es mit ihrer „Bewältigung“ ihrer Vergangenheit her ist.
    Anstatt zu zeigen das sie zu ihrer Vergangenheit stehen und unverkrampft mit ihr umgehen können, sind sie Sturm gegen den „Inquisitor“ gelaufen. Ja, er mag die Linke, ja er steht für andere liberalere (i.e. böse) Positionen, aber er ist beim Volk beliebt und hat eine kleine Chance tatsächlich zu gewinnen.
    Das zeigt, wie sehr die Alt-SEDler noch die Fäden in der Hand haben und wie realitätsfern der Rest der Partei ist; ebenso zeigt es wie wenig die Linke eine „Partei des Volkes“ ist.

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  2. So richtig Ernst nimmt dieses „höchste“ Amt doch niemand

    Köhler tat es und wurde deshalb gegangen.
    Und was Wulff angeht so gebe ich der Linken die schuld. Sich über mangelnde Aufarbeitung der Nazizeit beklagen und dann der eigenen im Weg stehen… typische linke doppelmoral.
    Die Linke hat mit gezeigt wessen Geistes Kind sie ist.

    Zumindest ist Wulff als BP weniger ein Problem denn als MP von Niedersachsen, wo er mit den VW-Anteilen wirtschaftliche macht und mit dem KFN einen Propagandaapparat für siene LAw and Order Politik hatte.

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    1. @[C]Arrowman aka Jaquento. So schlimm ist es um dich bestellt. Deine schon pathologisch zu nennende Abneigung gegen die Linken setzt sogar einfache mathematik ausser Kraft. Oder aber du kannst nicht rechnen!
      Wolfgang Lieb, NAchDenkSeiten:

      „In der Bundesversammlung hatten CDU/CSU 496 Mitglieder, die FDP 148, die SPD 333, die Grünen 129, die Linke 124 und die Sonstigen 14. Insgesamt waren es also 1244. Die absolute Mehrheit war mit 623 Stimmen erreicht. Im dritten Wahlgang hatte Wulff diese absolute Mehrheit mit 625 Stimmen erreicht. Selbst wenn alle Wahlleute der Linken Gauck gewählt hätten, wären nur 494 plus 124, also 618 Stimmen zusammengekommen. Auch im zweiten Wahlgang hätten die 490 für Gauck abgegebenen Stimmen mit den 124 Stimmen der Linken Wahlleute nicht zur absoluten Mehrheit ausgereicht. Nur im ersten Wahlgang hätte Gauck mit den 499 Stimmen plus den 124 Stimmen der Linken in der Bundesversammlung genau die absolute Mehrheit von 623 Stimmen erreicht. Es ist jedoch geradezu verwegen, zu unterstellen, dass die Linken ihre Kandidatin komplett „im Regen“ stehen lassen würden und sozusagen in einer „Geheimabsprache“ einen Überraschungscoup gelandet und zusätzlich noch darauf spekuliert hätten, dass es im Lager von CDU/CSU und FDP 44 Abtrünnige geben würde. Und das auch noch ohne dass es einen vorherigen Kontakt zwischen SPD und Grünen mit der Linken gegeben hätte. Wie das Endergebnis schließlich zeigte, ist es noch verwegener, davon auszugehen, dass, wenn es auch nur Gerüchte darüber gegeben hätte, dass die Linke komplett für Gauck stimmt, dass nicht wenigstens eines der Mitglieder von CDU/CSU und FDP, das im ersten Wahlgang noch für Gauck stimmte schon im ersten Wahlgang umgeschwenkt wäre und Wulff gewählt hätte.“

      Jetzt steht natürlich zu befürchten, dass selbst die sozoialdemokratisch-verbrämten Nachdenkseiten dir viel zu links stehen, dann gibt es nur noch eine Hoffnung für dich, Rechtshänder zu sein.

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  3. Rolo

    Herzlichen Glückwunsch zum Dodo Herr Wulff.
    Mit solchen Vorschußlorbeeren müssen Sie in Ihrem neuen Amt als erster Vorzeige-Deutscher, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erfolgreich sein.
    (Wenigstens haben Sie sich und Ihre Lieben für die Zukunft, wenn auch auf unsere Kosten, sehr gut abgesichert.) 😉

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  4. Argus7

    Zum Glück hat Wulff ja nur die Wahl zum Grüß-Onkel der Bundesrepublik Deutschland gewonnen. So richtig Ernst nimmt dieses „höchste“ Amt doch niemand. Er darf doch nur gackern, aber niemals ein richtiges Ei legen !

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