Vom grinsenden Glückskeks


Quelle: brightsblog

Von Colin Goldner JW

Am gestrigen  Dienstag feierte »Seine Heiligkeit« der 14. Dalai Lama, Tendzin Gyatsho, seinen 75. Geburtstag. Die hiesige Qualitätsjournaille, von Bild bis Spiegel, wird ihm den gewohnten Ehrerbietungsstrauß flechten aus schwiemeliger Hofberichterstattung und propagandistischen Breitseiten gegen China, die einschlägig Verdächtigen aus Politik und TV-Unterhaltung, von Roland Koch bis Marcus Lanz, werden ihm artig ihr Sprüchlein aufsagen. Und selbst Bundesaußenminister Guido Westerwelle wird, ungeachtet der Schwulenfeindlichkeit des »Führers vom Dache der Welt«, seine Reverenz erweisen.

Der Umstand, daß der Dalai Lama als oberster Repräsentant einem brutalen und ausbeuterischen theokratischen Unterdrückersysteme vorstand, bleibt dabei, wie üblich, unerwähnt. Kein Wort über die bittere Armut, in der die große Masse der Menschen in Tibet dahinzuvegetieren genötigt war, über ihre elenden Behausungen, die immer wieder grassierenden Hungersnöte; kein Wort zu Schuldknechtschaft und Sklaverei, in der sie unentrinnbar und über Generationen hinweg gehalten wurden, ausgebeutet bis aufs Blut von einer winzigen Schicht aus Adel und hohem Klerus. Allein die Familie des Dalai Lama, die nach seiner Inthronisierung 1939 in den höchsten Adelsstand erhoben worden war, besaß 27 Landgüter samt der diese bewirtschaftenden Familien: mehr als 40000 Menschen in persönlicher Leibeigenschaft.

Schlechtes Karma

Privilegierte beziehungsweise benachteiligte Lebensumstände wurden erklärt und gerechttfertigt durch die buddhistische Karmalehre, derzufolge sich das gegenwärtige Leben als Ergebnis angesammelten Verdienstes bzw. aufgehäufter Schuld früherer Leben darstelle. Wer sich als unterdrückter und ausgebeuteter Bauer gegen die miserablen Lebensumstände zur Wehr zu setzen wagte, häufte, so die Doktrin der Lamas, schlechtes Karma an, mit der Folge furchtbarer Strafen im Zwischenleben zwischen Tod und Wiedergeburt, und noch elenderer Lebensbedingungen in der nächsten Inkarnation. Ganz zu schweigen von drohenden Strafen in diesem Leben: das Strafrecht des tibetischen Priesterstaates zeichnete sich durch Willkür und unglaubliche Grausamkeit aus. Unbotmäßigen wurde bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen, bei leichteren Vergehen stach man ihnen die Augen aus oder hackte ihnen die Hände ab. Derlei Strafmaßnahmen waren bis in die Ägide des gegenwärtigen Dalai Lama hinein üblich, jedes Kloster verfügte insofern über eine eigene Folterkammer.

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5 Comments

  1. Hi, Arnd, ich empfehle wie immer das Buch von alexandra David-Neel, „mein Weg durch Himmel und Hölle“.
    Die war ein erklärter Fan der Tibeter, sprach Tibetisch wie eine Einheimische, und war Buddhistin („leuchte der Weisheit“ etc).
    Aber ihren klaren Blick hat sie immer behalten, und das Buch ist eine Fundgrube von unvoreingenommenen Beobachtungen.

    Ich war selbst schon mal in Tibet, und ich kann ihr in keinem einzigen Punkt widersprechen, schon daher, weil ich nur einen begrenzten Einblick hatte… für mich war der Unterschied im auftreten zwischen den han-chinesen und den Tibetern eklatant.
    und ich bin gewiß kein Freund von Diktaturen, aber die kleinen Leute auf der Straße sind eh nicht die Diktatoren, sondern mit Überleben beschäftigt.
    Wie überall.

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  2. Die Chinesen hatten bei der Eroberung Tibets aber sicher nicht die Interessen der Tibeter im Sinne…
    Ich bin absoluter Laie in tibetischer Geschichte. Es mag alles so gewesen sein wie in diesem Beitrag beschrieben. Ich vermute aber dass es ein Problem gibt an gesicherte Fakten heranzukommen. Die Chinesen haben jedes Interesse daran die Geschichte Tibets bis zur Eroberung in einem denkbar schlechten Licht erscheinen zu lassen, während der Dalai Lama und Konsorten natürlich das genaue Gegenteil wollen. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte (aber wie gesagt, ich habe nicht wirklich eine Ahnung davon).

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  3. Colin Goldner ist lächerlich, unwissenschaftlich, unsachlich und nicht besser als ein Fundichrist, Islamist, Kreatonist und die anderen geistlosen Störenfriede an den Rändern und die Zeitung, die ihn bringt, ist als Sammelbecken für Stasispitzel und anderen Abschaum bekannt.

    Wer als Atheist mit solch bösartigen und fragwürdigen Zeitgenossen paktiert, ist nicht besser als die Demagogen und das Stimmvieh der religiösen Rechten.

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    1. @gottmagus, du hast aber viel schlechtes Karma gesammelt. Mein lieber Scholli. Da kommt wohl eine der „heißen Höllen“ auf dich zu.

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