Von der Seele der Tiere


Rainer Hagencord, Quelle: FR

Von Matthias HerrenNZZ

Rainer Hagencord ist katholischer Priester. Doch die Ideen des 48-jährigen Theologen und Biologen würde man einem Kirchenmann nicht zutrauen. In Münster (D) leitet er das erste Institut für Theologische Zoologie. Der Ableger der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Kapuziner wirkt mit der kirchlich finanzierten 50-Prozent-Stelle zwar sehr bescheiden, und das Ziel des Instituts, das Tier theologisch zu würdigen, klingt eher wissenschaftlich trocken. Tatsächlich aber wirbelt Hagencord mit seinem Ansatz so ziemlich alles durcheinander, was in der Theologie bisher gültig war. Er stösst den Menschen vom Thron. Der Mensch als Krone der Schöpfung: Das sei ein «verhängnisvoller Irrtum», sagt Hagencord.

Ganz passend dazu steht in seiner Stube, die zugleich Büro, Sekretariat und Besprechungszimmer des Instituts ist, ein Hausaltar aus Peru. «Wirbel der Schöpfung» heisst das farbenfrohe Holzkunstwerk. Um die Heilige Familie sind Dutzende von Tieren in Bewegung. Einzig der Schöpfergott wacht ruhig über der ganzen Szenerie.

Das Interesse für das Tier hat der Theologe schon vor zwanzig Jahren entdeckt. Nach seinem Theologiestudium und vier Jahren Gemeindearbeit studierte Hagencord Biologie. «Ich war erstaunt, dass die Theologen die Fakten aus der Verhaltens- und Evolutionsbiologie überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen», erzählt er. Völlig zu Unrecht. Denn die Stellung der Tiere in der Bibel entspreche weit mehr den Ansichten der Zoologie als dem Weltbild vieler Theologen, die den Menschen ins Zentrum stellten. Statt der biblischen Botschaft sei die Theologie der naturverachtenden Tradition des neuzeitlichen Denkens gefolgt: so etwa dem Philosophen René Descartes, der die Tiere als «seelenlose Automaten» bezeichnete.

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7 Comments

  1. @rheinlaenderinlondon, denk doch mal lieber an die Milliarden von Darmbakterien, die in dir leben, oder an jene, die deine Schleimhäute besiedeln. :mrgreen:

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  2. Nun, was ist eigentlich mit Bakterien? Ich habe z.B. schon Quark gegessen und muesste so dann Mrd. ueber Mrd. Bakterienseelen ins Paradies befoerdert haben?

    Was ist eigentlich mit jenen wilden Tieren, die in Rom mit Christen gefuettert wurden (alter Spott: „Soviele christen und so wenig Leowen …“)? Sind diese nun wegen der Reliquien der Maertyrer doppelt im Himmel oder nur einfach oder gar in der Hoelle?

    Ich muss sagen diese „zoologische Theologie“ kann dem ohnehin schon ziemlich ueberspannten kath. Gedankengebaeude noch mal einen extra Dreh ins Absurde geben.

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  3. Es ist mir sympathisch, daß dieser Theologe sich über den Umgang der Menschen mit den Tieren Gedanken macht.
    Ich halte hier als haustiere auch Insekten (Terrarium), ob er die wohl auch als ausgestattet mit einer Seele betrachten würde?
    Insekten sind keine Tiere…

    Aber eben, gut gewollt reicht einfach nicht. Wer von der Seele spricht, die er auch den Tieren zugesteht, muß doch erst mal klären, was das ist…
    nach meinem Fachwissen ist das noch lange nicht klar.

    so lange man aber nicht mal die Grundbegriffe klärt, so lange ist das alles ein Suchen im stockdunklen Zimmer nach einer nachtschwrzen Katze – die vielleicht da gar nicht ist…

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  4. Ich teile voll und ganz die Aussage von „notatall“, derzufolge Naturwissenschaft und Mystik sich nicht vertragen. Die Naturwissenschaft basiert auf nachprüfbaren Regeln und Fakten, die Mystik hingegen auf unbewiesenen Behauptungen und nicht belegbaren Fantasien. So entstehen sowohl falsche Legenden als auch mystische Theorien

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  5. Er schreibt ja sehr schön, stimmt, wir Menschen sind auch nur ein biologischer Zellhaufen, mit ein paar sonderbaren Eigenschaften die sich im Laufe der Zeit evolutionär entwickelt haben.
    Hagencord diskreditiert sich jedoch durch diese Aussage besonders:….«Goodall hat zwanzig Jahre die Welt nur mit den Augen einer Naturwissenschafterin angeschaut», sagt Hagencord. Heute sei sie überzeugt, dass es auch die Sicht der Mystik brauche. «Beide Perspektiven müssen zusammenkommen, um unser Bewusstsein gegenüber der Natur zu verändern», ist Hagencord überzeugt.
    Das kommt mir genau so vor wie die Idee daß die sogenannte „ALternativmedizin“ in die evidenzbasierte Medizin Einzug halten soll!!
    Naturwissenschaft und Mystik vertragen sich einfach nicht!

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