Der Nachfolger und das Erbe


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Zwei Monate nach dem Rücktritt des Dodo-Preisträgers Mixa hat die Kurie von Rom gehandelt. Solch Agilität ist rekordverdächtig. Es gibt nur wenige Entscheidungen des Vatikans in dessen 1000-jähriger Geschichte, die sich rühmen können, so schnell getroffen worden zu sein.

Denken wir nur an einige Wissenschaftler, die man vorsorglich, ob ihrer gefährlichen Ideen, wider besseren Wissens verbrannte und wo die „Entschuldigung“, bei der man sich dann keinen Zacken aus der Krone brach, mehrere hundert Jahre dauerte.

Nun signalisiert Rom, der Skandal um Mixa war gestern, die Missbrauchsfälle auch. Konsequent und mit Chuzpe wendet sich der katholische Popanz dem „Business as ususal“ zu. Geändert hat sich nichts, es soll sich auch nicht ändern. Der neue Schafshirte von Augsburg, Konrad Zdarsa,  wird sich, das spricht er offen aus, nicht um die Aufklärung und Auseinandersetzung mit dem Fall Mixa bemühen:

„Der Sachverhalt ist so, dass ein Rücktritt eingereicht und nicht wieder rückgängig gemacht worden ist.

Jetzt müssen wir auf dieser neuen Basis anfangen. Ich trete nicht an, um Recherchen über die Vergangenheit zu unternehmen.“

Damit ist klar, nichts wird sich ändern. Zu den homosexuellen und sexuellen Missbräuchen, welche durch die Medien (sic!) und einige Bischöfe aufgedeckt wurden, bringt er zum Ausdruck:

„Denken Sie daran, daß Mißbrauch von einzelnen Tätern verübt wird. Jeder Mißbrauchsfall ist einer zu viel. Aber man muß auch die Relationen sehen.“

Touché, ein einzelner, missbrauchender Priester steht nicht pars pro toto für die katholische Kirche, genauso, wie ein besoffener Bundeswehrsoldat nicht den Schluss zulässt, dass die gesamte Bundeswehr besoffen wäre. Aber darum geht es nicht und hier werden Verschleierung, Vertuschung und Lüge wieder präsent.

Auf Pfaffen sollten die gesellschaftsüblichen Procedere bei sexuellen Missbrauch angewandt werden, keine rechtlichen Entscheidungsbefugnisse für Bischöfe und Kardinäle. Wer die Gesellschaft als Alibi braucht und mit dem schmutzigen Finger auf andere zeigt, sollte wie jedes andere Subjekt dieser Gemeinschaft bestraft werden und die Entscheidung darüber, wie und ob, dem Staat und seinen Gerichten überlassen. Das ist Rechtsstaatlichkeit. Wer sich ein moralisches Korrektiv zu sein einbildet, muss sich gefallen lassen, als solches behandelt zu werden.

Die bisherigen Tabus bleiben bestehen. Der Zölibat, das Sexualleben der Priester und die katholische Sexuallehre, alles nicht diskutabel. Der Klerus muss sich fragen lassen, wie er bei allen Tabus zur Wahrhaftigkeit kommen will, denn Tabu und Wahrhaftigkeit schließen einander aus.

Die Opfer reden, die Kirche schweigt. Eine seltsame Art der Kommunikation, schlichtweg gesagt, es ist keine. Der Aufschrei der Opfer verhallt in den katholischen Moralkatakomben. Die säkulare Gesellschaft wird diesen Opfern helfen. Die Tatorte liegen und verbleiben im Besitz der katholischen Kirche, die als Heimat der Täter anzusehen ist.

Johannes 1,1-2
1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
2 Dasselbe war im Anfang bei Gott.

Worte sind Kommunikation, ob nun irrational oder nicht. Die katholische Kirche versagt ihren Gläubigern die Kommunikation mit ihrem Gott. Schweigen, vertuschen, verschleiern und lügen, seit 2000 Jahren.

2 Comments

  1. Daß der individuelle Täter individuelle Motive gehabt haben mag, ist anzunehmen.
    Kurzfristig betrachtet, mag das auch einleuchten.

    Daß er seine Motive aber ausleben konnte, das hängt von den Strukturen ab, innerhalb derer er agiert.
    die erschreckende Häufigkeit solcher Übergriffigkeiten zeigt, daß die Strukturen dies nicht nur nicht verhindern können, sondern es geradezu befördern.

    Man könnte analog zum Fakt „Strafvereitelung im Amt“ noch über ein „Tatbegünstigung im Amt“ sprechen.

    Tatsächlich zeigt die Haltung der Kirchenoberen durch die Bank weg, welche Sache die der Kirche ist. Konzentration von Macht zum wohle einer oberschicht-Kaste.
    und zum Unwohle der Methheit, besonders jedoch der wehrlosen, SChwachen.

    Bravo, das nenne ich schon immer klassische Menschenliebe.

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