Unterwasser-Experimentierfeld MarGate


Froschmann
Foto: Wikimedia Commons (pd)

Wo bleibt das Postive? Diese Frage wird gebetsmühlenartig immer wieder gestellt. Es muss wohl doch etwas daran sein, dass unsere Medien überzogen nach dem Muster verfahren „Bad News Are Good News“? Für die Quote und statistisch mag das sogar hinkommen.

Im Bezug auf Klimaforschung gab es zuletzt nicht so häufig richtig gute Nachrichten. Aber hier ist einmal eine solche zu präsentieren. In Deutschland entsteht auf dem Meeresgrund vor Helgoland ein wissenschaftliches Experimentiergelände des Alfred-Wegener-Instituts. 

Von Dirk Asendorpf, DeutschlandRadio Kultur

Vor Helgoland entsteht ein Experimentierfeld für die Folgen des Klimawandels

Helgoland ist Deutschlands einzige Hochseeinsel. Ihre Lage, weit entfernt von Küsten und Wattenmeer, macht sie zu einem einmaligen Ausgangspunkt für die Erforschung der Nordsee – mit Booten, Sensoren und Tauchern.

Jetzt entsteht vor Helgoland auch noch Deutschlands erstes stationäres Unterwasser-Experimentierfeld mit fest auf dem Meeresgrund installierten Strom- und Internetverbindungen. Erforscht werden soll dort vor allem, wie sich das Leben im Meer an den Klimawandel und die anderen menschlichen Einflüsse anpasst.

„Wir haben einfach unglaublich viel Veränderungen draußen und wir wissen nur ganz rudimentär, wie so ein System auf Störung reagiert. Und was ich da momentan mache, ist wirklich Störungen zu generieren. Die erste Störung, weil es für mich die technisch einfachste ist, zu sagen: Ich nehm mir jetzt einen Quadratmeter da unten und putz den blank. Putze alle Organismen runter und schaue halt, wie sich das Gebiet wieder erholt und ob da vielleicht eine ganz andere Kommune dabei rauskommt, als die da vorher drauf war.“ (..)

„Wenn man Sporttauchen macht, dann guckt man sich einfach Sachen an. Darf man ja auch nichts mitnehmen und arbeitet auch nicht unter Wasser. Und beim wissenschaftlichen Tauchen ist es reine Arbeit. Das hat mit Gucken und schön Fotografieren nichts zu tun.“ (..)

Der markierte Meeresboden, den er fotografieren will, liegt mitten in einem fußballfeldgroßen, von Bojen markierten Gebiet vor der Nordostküste Helgolands. 36 schwere Beton-Tetraeder hat das Alfred-Wegener-Institut für Meeresforschung hier versenken lassen. Dazwischen werden auf dem Meeresgrund bald Leitungen verlegt und Steckdosen für Strom und Datenanbindung installiert. MarGate – Tor zum Meer – heißt das Unterwasser-Experimentierfeld, das hier entsteht.

Philipp Fischer ist der Leiter des Helgoländer Zentrums für Wissenschaftliches Tauchen. Wenn MarGate im Herbst in Betrieb geht, soll es möglich werden, Vorgänge unter Wasser über Wochen und Monate kontinuierlich zu beobachten. Denn wenn Sensoren und Experimente mit den Knoten des Unterwassernetzwerks verbunden werden, können Wissenschaftler sie bequem per Internet vom Schreibtisch aus steuern und alle Messdaten jederzeit auf den Bildschirm holen. Das ist vor allem wichtig, um Ereignisse festzustellen, die nur selten auftreten.

„Wenn wir Glück haben, entdecken wir zwischendurch ein bestimmtes Ereignis, wenn wir Pech haben aber auch nicht, dass zum Beispiel eine erhöhte Sedimentationsrate ist, weil gerade eine Algenblüte auftritt oder weil Tiefenwässer vorbei kommen, die ne bestimmte Signatur tragen. Wir müssten dann zu diesem Zeitpunkt, wenn wir das erkennen, ganz gezielte Probennahmen machen – zeitlich hoch aufgelöst – das können wir aber nur, wenn wir genau wissen: Jetzt gilt’s. Also nicht, wie wir es bisher häufig gemacht haben, ein Sammler, sondern wirklich ein Jäger dahingehend auch.“

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