„Amazongate“ Desinformation


Klimashift-Publikum
Grafik: New York Times (auf KlimaLounge WissensLogs)

Da die Klimaforschung in den Kommentaren des Brightsblogs zuletzt oft kontrovers diskutiert wurde, habe ich mich entschlossen, auch ältere sachdienliche Veröffentlichungen verstärkt einzubeziehen.

Ein bereits am 23. Juni 2010 publiziertes Posting auf den WissensLogs rückt die mediale Verwirrung um Falschinformationen der selbsternannten „Klimaskeptiker“ mit Fakten zurecht.

von Stefan Rahmstorf, wissenslogs.de

Wieder wurde eine der zahlreichen Anschuldigungen gegen den Weltklimarat IPCC zurückgezogen, die vor einigen Monaten durch die Medien zirkulierten. Die britische Sunday Times hat am Sonntag ihren „Amazongate“-Vorwurf vom Februar zurückgenommen und eine ausführliche Entschuldigung abgedruckt, nachdem der Amazonasforscher Simon Lewis sich bei der britischen Medienaufsicht beschwert hatte.

Die Anschuldigungen stammten vom Times-Journalisten Jonathan Leake, der hinter den meisten der falschen Vorwürfe gegen das IPCC steckte. So hat die Frankfurter Rundschau – wie von uns berichtet – bereits im April einen Artikel mit anderen Vorwürfen zurückgezogen. Auch die FR hatte sich dabei als Quelle auf einen Leake-Artikel der Sunday Times gestützt. Dabei ging es nicht um „Amazongate“ sondern um „Africagate“ – wie Leake seine konstruierten Skandalgeschichten in suggestiver Anlehnung an den Watergate-Skandal (1972) nannte.

Wir waren hier bereits im Februar detailliert den angeblichen IPCC-Fehlern nachgegangen und hatten festgestellt, dass die meisten frei erfunden waren: es handelte sich nicht um IPCC-Skandale, sondern um einen Medienskandal (den der australische Blogger Tim Lambert ironisch „Leakegate“ getauft hat).

Leake war gewissermaßen das Leck, durch das die normalerweise auf den Websites der „Klimaskeptiker“ zirkulierende, politisch motivierte Desinformation in die Mainstream-Medien eingesickert war. Das führte zu einem Dammbruch: mit der Sunday Times als scheinbar seriöser Quelle für die Falschinformationen wurden sie weltweit in unzähligen Berichten aufgegriffen und vervielfältigt. Und je mehr Medien die gleichen Vorwürfe wiederholen, desto glaubwürdiger erscheint die Geschichte dem Publikum.

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