Keine Angst vor der Freiheit


Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx. (Bild: ddp)

Erzbischof Reinhard Marx im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau über Mission, Irrtum und Aufklärung – und dass das Ausschließen von Frauen von kirchlichen Ämtern für ihn kein Berufsverbot ist.

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Herr Erzbischof, kürzlich haben Sie über den katholischen Glauben gesagt, dass es etwas Besseres nicht gäbe. Nun verwundert uns die Werbung in eigener Sache nicht, doch möchten wir schon wissen, worin dieses Bessere denn bestehen soll.
Wir leben in einer pluralen Gesellschaft. Dabei können wir feststellen, dass gemeinsame Wertvorstellungen im Unterschied zu anderen oder frühen Gesellschaften nicht mehr selbstverständlich sind. Heute hängen die Wertüberzeugungen von den Entscheidungen der Einzelnen ab: Wir können und müssen selbst entscheiden, was für uns verbindlich gelten soll – wir haben die freie Wahl. Ich halte das für eine positive Entwicklung, weil die Kultur der Freiheit zutiefst der Kultur des christlichen Glaubens und dem christlichen Menschenbild entspricht.

Verstehen wir Sie richtig: Das Bessere des christlichen Glaubens liegt in seiner Freiheitsliebe?

Selbstverständlich ist das, was ich hier als Kultur der Freiheit bezeichne, das Ergebnis einer längeren historischen Entwicklung. Diese hat allerdings nicht nur, wie viele meinen, gegen die Kirche stattgefunden, sondern auch vom Evangelium her. Vielleicht sollten wir hier auch dem Mittelalter etwas mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen, ich nenne nur Thomas von Aquin und seine Betonung der Gewissensfreiheit. Oder denken Sie an Bonifatius und seine Mission im Jahre 716: Weil er davon überzeugt war, dass niemand zum Glauben gezwungen werden kann, hat er keine Truppen mit nach Friesland genommen – er verließ sich auf die Kraft seines Glaubens und seiner Worte.

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