Nazis, Schamanentum und Homöopathie


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Gegen die „verjudete“ Schulmedizin

Nationalsozialismus als radikal antisemitische, antidemokratische, antikommunistische Weltanschauung und politische Bewegung kann man auch unter dem Begriff der Esoterik zusammenfassen.

Es ist alles vorhanden, was Esoterik ausmacht, pseudowissenschaftliche Theorie, Rassenwahn und Weltverschwörungstheorie, die Juden als Gruppe, die nach der Weltherrschaft strebt, sowohl im Kapitalismus als auch im Kommunismus. Adolf Hitler als Guru, nicht zu hinterfragende Autorität mit dem Status eines Halbgottes, oder mehr.

So wundert es nicht, dass die Nazis von der irrationalen, unwissenschaftlichen, nie bewiesenen Heilkunst der Homöopathie de facto begeistert waren. Soll nicht heißen, Homoöpathie ist schlecht, weil sie die Nazis gut fanden. Vergleicht man aber die Argumente von damals mit heute, insbesondere wenn es gegen die Schul-oder Apparatemedizin geht findet man verblüffende Übereinstimmungen.

Die offizielle Medizin und besonders ihre Vertreter und Lehrer an den Hochschulen lehrten die Medizinstudenten, mit den kompliziertesten Methoden die feinsten Diagnosen an den einzelnen Körperteilen zu stellen, der Mensch in seiner Gesamtheit hingegen wurde nur allzu oft vernachlässigt.

Könnte man auf einer x-beliebigen Webseite über Homöopathie und alternative Heilkunde lesen, heute, im Internet. Der Satz stammt von Gerhard Wagner, Mitbegründer und Führer des Nationalsozialistischen Ärztebundes.

Heute, noch viel stärker als damals, geht man zum Schamanen, Wunder-oder Geistheiler.

Lassen wir aber noch einmal einen Vertreter der braunen Verbrecher zu Wort kommen. Prof. Hans Reiter, Präsident des Reichsgesundheitsamts und Mitglied des  Sachverständigenbeirates für Bevölkerungs- und Rassenpolitik im Reichsinnenministerium.

Wir verstehen den Begriff der Gesundheit anders als bisher nicht als ein einfaches gegenteil von Kranksein, sondern als Hochleistung des Einzelnen.

Besonders dem Germanenkult, Geschichtsmythos, Sternbeobachtung, Sterndeutung und Wiederverkörperungstheorie als ein Welterklärungsmodell war Heinrich Himmler verhaftet. Himmler galt als ein erklärter Gegner der „Schulmedizin“. Oftmals schwafelte er vom „verschütteten“ Volkswissen, welches uns heute immer wieder einmal als „Altes Wissen“, neu aufgebrüht, von Esoterikern und Pseudowissenschaftlern untergeschoben werden soll. Pflanzliche Wirkstoffe als naturgegebene Mittel bei Schwersterkrankungen. Kommt uns doch alles sehr bekannt vor.
Himmler tat dann auch alles um seine irren, pseudowissenschaftlichen Vorstellungen in der Praxis anwenden zu lassen. Und es gab genug „wissenschaftliche“ Mediziner, die nichts eiligeres zu tun hatten, als die Experimente am Menschen, in den Konzentrationslagern umzusetzen.
Häftlinge wurden mit Malaria infiziert, Eiterflüssigkeit aus den Entzündungsherden anderer „Patienten“ wurde injiziert, Ziel war die Blutvergiftung, mit all ihren Nebenwirkungen. Danach wurden die Häftlinge mittels „naturmedizinischer“ Präparate behandelt, ohne Auswirkungen, die „Patienten“ starben.
In anderen KZs verbrannte man die Haut von Häftlingen mit einem Phosphor-Kautschuk-Gemisch(aus britischen Brandbomben), ein Brei von roten Sonnenhut sollte die Haut besser und schneller heilen lassen. Natürlich ohne Erfolg.

Die menschliche Schwäche zum okkulten scheint sich immer stärker bemerkbar zu machen. Nazis und Hippies hatten eine gemeinsame Schwäche, für  Wunderheiler, Medizinmänner und Geistheiler. Besondere Qualifikationen sind nicht erforderlich. Ausreichend ist ein lamaistischer Glatzkopf, ein weißer Vollbart wie bei Bhagwan oder eben Himmlers Ratgber Weisthor.

Eine Fülle von Informationen zum Thema finden sich im Buch

Pillen (Globuli) mit zweifelhafter Wirkung: Bereits vor 70 Jahren verliefen systematische Arzneimittelprüfungen "vollkommen negativ".

Frühe Homöopathie-Studie

Von Veronika HackenbrochSpON

Die Nazis wollten der „verjudeten Schulmedizin“ die Homöopathie entgegensetzen. Eine Überprüfung der „neuen deutschen Heilkunde“ führte jedoch zu katastrophalen Ergebnissen – Homöopathen befänden sich in einer Dauerhypnose, resümierte am Ende der Studienleiter.

Anfangs waren die Nationalsozialisten noch euphorisch. Der „größte Augenblick in der Geschichte der Homöopathie“ solle es werden, verkündete ein Beteiligter stolz. Eine „neue deutsche Heilkunde“ statt der „verjudeten Schulmedizin“ – das war der Traum, den Hitlers Regime mit Hilfe der Homöopathie verwirklichen wollte.

1937 begann das Reichsgesundheitsamt, die Homöopathie „in denkbar größtem Stile“ zu überprüfen. Mehrere hundert Millionen Reichsmark sollten zur Verfügung stehen. Mit dabei: der Arzt Fritz Donner, der damals am Stuttgarter Homöopathischen Krankenhaus tätig war. Er war einer der wenigen Homöopathen, denen ehrlich an einer wissenschaftlichen Überprüfung der Methode gelegen war. Fast 30 Jahre später, 1966, im Ruhestand, verfasste Donner für das Bundesgesundheitsamt einen Bericht über die Untersuchungen der Nazis. Der „Donner-Report“, der erst 1995 veröffentlicht wurde, gibt einen eindrucksvollen Einblick, zu welch „totalem Fiasko“ für die Homöopathie die Untersuchungen wurden.

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4 Comments

  1. wenn man genau hinguckt, sieht man den diese Strömungen verbindenden Faktor.

    Der ist schlicht „dysfunktionales Denken“, und daher ist es nur eine Frage von Nuancen, ob ein langhanns oder ein anderer Einschlägig bekannter….

    Dysfunktonales Denken eröffnet einen Möglichkeitenraum, und nicht unbedingt einen sinnvollen.
    Dafür bietet der Sinnstiftung, und die kann in jeder Hinsicht gefärbt werden. Lädt geradezu dazu ein…
    und mündet eben nicht in Transparenz, erwachsener Entscheidung und gereifter Persönlichkeit.

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  2. Die sich aus Schlagwörtern und Sprachwendungen ergebende Nähe der Esoterik zu Nationalsozialismus/Faschismus und ganz allgemein totalitären Systemen ist von nach wie vor erschreckender Aktualität. In der gegenwärtigen Diskussion um Homöopathie bzw. der desillusionierenden Aufklärungsarbeit zur Homöopathie fällt das einmal mehr deutlich ins Gewicht: Sich sanft und alternativ gebende angebliche Heilweisen drücken sich, mal etwas vertiefter und genauer in Augenschein genommen, vor einem umfassenden esoterischen Kosmos aus (siehe hier auch die Veröffentlichungen des Andromeda-Verlags, u.a. „Göttliche Homöopathie“), daß die Warnungen davor gar nicht explizit und konturenhaft genug ausgedrückt werden können, um weiteren totalitären Tendenzen entschieden entgegenzuwirken.
    Daß hier nämlich tatsächlich ein totalitäres, unablässig alles erklärende bzw. erklären wollende Weltbild am Werk ist, daß muss man sich ganz angstfrei vor Augen führen, um rational-argumentativ das sukzessiv unkontrolliert sich weiter ausbreitende esoterische Feuer zum allmählichen Erlöschen zu bringen.

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  3. @Schrottgewitter:

    In so einem Fall einem überzeugten Homöopathen allerdings eine „falsche“ Wirklichkeitsauffassung zu attestieren, ist vermutlich genauso effektiv, wie einem Wissenschaftler den religiösen Charakter seiner Axiome.

    Was eben die Diskussion überflüssig macht, ob die Homöopathie nun unwissenschaftlich ist oder nicht, da der Homöopath ohnehin eine völlig andere Realitätsauffassung hat als ein Mann der Wissenschaft.

    Dieser Aussage aus Deinem Blog kann ich uneingeschränkt zustimmen.

    Ich halte es aber für falsch, in einer Diskussion mit Esos dieser Prägung noch mit einem Nazi- oder Faschismusargument zu kommen. Zum einen hat es keinerlei Aussagekraft über die Wirksamkeit, ob die Nazis Homöopathie gut fanden oder nicht. Zum anderen vermute ich, dass das Vorbringen (und sei es nur als Hinweis auf die historische Entwicklung des Ganzen) als Hinweis der Schwäche aufgenommen wird, frei nach dem Motto: „Sie können die Wirksamkeit H nicht widerlegen, also diskreditieren Sie sie.“

    Gruß

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  4. witzig ist es dann schon, wenn sogenannte „lebensreformisten“ glauben einer „links-alternativen“ lebensweise anzuhängen. wobei die tradition dieser lebensweise alles andere als das ist.

    wenn eine hippie-ikone wie rainer langhans sprüche fallen lässt wie „wir müssen die besseren faschisten sein“, kommt das nicht von ungefähr.

    sämtliche lehren, die „ganzheitlichkeit“ propagieren, zeigen sich im grunde genommen versöhnlich mit dem faschismus, insofern sie die menschen – analog zum „diener“ im staate – auf zellen in einem „harmonischen universum“ reduzieren wollen.

    homöopathen in diesem sinne sind anhänger eines falschen bewusstseins erster güte.

    http://schrottgewitter.blogspot.com/2010/07/von-nix-kommt-nix.html

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