Bischofin Jepsens Rücktritt


Bischöfin Maria Jepsen (Foto: dpa)
Bischöfin Maria Jepsen (Foto: dpa)

Nun hat das Aufdecken kirchlichen Pädophilen-Vertuschens auch mal eine Protestanten-Amtsträgerin erwischt. Wobei doch große Unterschiede zu den Katholen sichtbar werden. Denn die versuchen in aller Regel zu täuschen, auf die lange Bank zu schieben und auszusitzen, solange die Beweislage nicht erdrückend ist.

Bischöfin Jepsen hingegen hat zwar eine an sie herangetragene brisante Information nicht ernst genommen, aber sie klebte nicht zäh an ihrem Sessel wie vergleichbare Katholiken-Bischöfe.

Treten die Falschen zurück?

Wenn es stimmt, was sie selber und die nordelbische Kirchenverwaltung angaben, dann hat sie sich 1999 nicht sehr für die Aufklärung der Ahrenburger pädophilen Pastor-Missbrauchsfälle engagiert. Die ihr untergebene Kirchenpersonal-Verwaltung wurde von ihr unterrichtet, hat aber sehr wenig getan. Das nennt man Aussitzen.

Dass es sich um eine anonyme Anzeige handelte, scheint für die Kirchen-Angestellten eine übertriebene Rolle gespielt zu haben. Das ist übel, denn einzelne Bürger, gar Betroffene haben zurecht Ängste, dass ihre Belange nicht genügend geschützt werden. Die „Amtsschimmel“ hingegen waschen allzuoft ihre Hände in Unschuld, wenn sie sich schlicht durch Untätigkeit schuldig machten.

Das Amts- und Glaubwürdigkeitsverständnis Jepsens (wie zuvor Kässmanns) ist aber offensichtlich nicht macht- und ehrgeizzentriert. Das ist bei katholischen Bischöfen doch häufig anders. Ein erklärter Feind innerkirchlicher sowie überhaupt der Demokratie wie der Regensburger Bischof Müller hätten weitaus mehr Grund zurückzutreten, aber sie haben dafür offenkundig nicht genug charakterliche Substanz.

NDR online

Die Bischöfin der Nordelbischen Kirche, Maria Jepsen, hat heute auf einer Pressekonferenz ihren Rücktritt verkündet. In den vergangenen Tagen war die 65-Jährige wegen ihres Umgangs mit Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pastor in Ahrensburg (Kreis Stormarn) in die Kritik geraten. Der mittlerweile pensionierte Geistliche soll vor allem in den 80er-Jahren heranwachsende Jungen und Mädchen missbraucht haben.

Der „Spiegel“ hatte am Wochenende berichtet, Jepsen sei schon 1999 über den Ahrensburger Fall informiert worden. Im Gespräch mit NDR aktuell sagte Jepsen am Montag, sie sei damals lediglich darüber informiert worden, dass der beschuldigte Pastor eine außereheliche Affäre mit einer Frau gehabt habe, die bereits beendet sei. Von Missbrauch an Jugendlichen sei keine Rede gewesen. Der Pastor, der auch Religionslehrer an einem Gymnasium in Ahrensburg war, wurde 1999 versetzt, 2001 ging er in den Ruhestand.

Kirchenleitung stärkte Jepsen noch den Rücken

Noch am Freitagvormittag hatte die Nordelbische Kirchenleitung die Kritik an Jepsen zurückgewiesen. „Die Bischöfin hat damals getan, was ihr möglich war, und die anonymen Anschuldigungen dem Personaldezernat gemeldet“, hieß es in einer Erklärung der Kirchenleitung. (..)

Wie viele Fälle werden noch bekannt?

Unklar ist noch, wie viele Missbrauchsfälle es in der Ahrensburger Gemeinde gab. Laut Kirchenvorstand sind bislang sieben mutmaßliche Übergriffe aus den 70er- und 80er-Jahren zusammengetragen worden, die zwei inzwischen pensionierten Pastoren vorgeworfen werden. Diese Zahl könne aber noch deutlich steigen. Der Verein „Missbrauch in Ahrensburg“ geht bislang von 50 bis 60 Opfern aus, schätzt aber ebenfalls, dass es noch mehr werden.

Der jetzige Ahrensburger Pastor Helgo Matthias Haak sagte, es sei immer noch unklar, über welchen Zeitraum sich eventuelle Taten erstreckten. „Bisher stellt es sich so dar, dass alle Taten verjährt sind. Aber ich bin nicht sicher, ob es dabei bleiben wird.“

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