Die ETH Zürich und das Discovery Institute


Am 13. und 15. Juli fanden zwei Veranstaltungen in Räumlichkeiten der «Eidgenössischen Technischen Hochschule» (kurz «ETH») Zürich statt, deren Redner, Henry F. Schaefer, gegenwärtig eine Gastprofessur an der ETH inne hat. Das Thema war «The Big Bang, Stephen Hawking, and God».

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Der Vortrag war unverblümte Kreationismus-Propaganda. Es gibt eine Reihe von Gründen, so meine Kritik, warum eine derartige Veranstaltung in dieser Form problematisch ist; diese möchte ich erläutern.

Schwerpunktmässig möchte ich folgende vier Punkte behandeln:

  1. Organisatoren der Veranstaltung
  2. Hintergrund von Henry F. Schafer
  3. Inhalt des ETH-Vortrages
  4. Kreationismus und Hochschulen

1. Organisatoren der Veranstaltung

Wie dem obigen Bild des Flyers zu dem Vortrag zu entnehmen ist, haben zwei ETH- und Uni-bezogene Vereine diese Kreationismus-Veranstaltung eingerichtet: Zum einen «CAMPUSlive», zum anderen «Dozentenforum».
Das «Dozentenforum», bestehend aus wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität und der ETH, beschreibt die eigene «Idee und Zielsetzung» wie folgt:

Unter der Bezeichnung Dozentenforum haben sich Dozentinnen und Dozenten der Universität und der ETH Zürich zusammengefunden, um zu aktuellen Themen Denkanstösse aus christlicher Sicht zu geben.

Der Zweck dieser christlichen Gruppierung scheint demnach grundsätzlich legitim: Es handelt sich um eine Art religiösen «Think Tank», welcher nicht Wissenschaft mir Religion zu vermischen sucht, sondern religiöse Kommentare zu «aktuellen» Themen abgibt. Die Position des «Dozentenforums» ist aber insofern eher aggressiver Art ist, als das Christentum als einzig «wahre» Religion angesehen wird, veranschaulicht diese Aussage (Quelle):

Der nun begonnene Dialog zwischen christlichen und nichtchristlichen Religionen hat,in einer Zeit abnehmender Attraktion der etablierten Kirchen, so manche Kirchenmitglieder verunsichert oder sie dazu geführt, andere Religionen nicht nur rechtlich, sondern auch inhaltlich als äquivalent mit dem Christentum anzusehen.

Dies hilft zu verstehen, warum das «Dozentenforum» eine kreationistische Veranstaltung mitorganisiert, welche Wissenschaft religiös aufzuladen versucht.

«CAMPUSlive» ist ein in Basel, Bern, Lausanne und Zürich tätiger Verein, welcher sich selber wie folgt beschreibt (Quelle):

Durch verschiedene Anlässe, wie beispielsweise Hörsaalvorträge, Camps und Seminare (Erfolgreich Beziehungen aufbauen, Erfolgreich Studieren, EQUIP-Leiterschaftskurs), geben wir Impulse fürs Studium und fürs Leben weiter und greifen aktuelle Themen auf. Zudem bieten wir Interessierten die Gelegenheit, sich mit dem christlichen Glauben und dessen Bedeutung auseinanderzusetzen.

Es soll der Eindruck erweckt werden, primär führe «CAMPUSlive» nicht-religiöse Veranstaltungen durch, daneben gebe es noch ein religiöses Angebot (ablesbar an der Formulierung «Zudem bieten wir…»). Diese Gewichtung entspricht nicht den Tatsachen: «CAMPUSlive» ist ein christlicher Verein mit dem Ziel der Gewinnung neuer Mitglieder, der Verbreitung des vertretenen Glaubens. Ein Blick in den Angebots-Bereich von «CAMPUSlive» schafft Klarheit: «Gottesdienst» und «Besinnung und Gebet» (Gebetsgruppen) sind selbsterklärend, «Pioniereinsätze» meint Missionierungsreisen nach Asien. Der Bereich «Hörsaalvorträge» wird wie folgt beschrieben:

Regelmässig nehmen wir aktuelle und relevante Themen auf und laden dazu kompetente Redner und Professoren ein, uns in ihr Fachgebiet mit hinein zu nehmen. Die Fragezeit nach dem Vortrag gehört genauso dazu wie der Apéro, bei dem mit Freunden und Neubekannten das Thema weiter vertieft werden kann.

Ein vertiefender Blick in die einzelnen «Hörsaalvorträge» zeigt aber unmissverständlich, dass diese ohne Ausnahme einen christlichen Standpunkt vertreten; warum dies in der Beschreibung verschwiegen wird, ist unklar. Hier ist zu beachten, dass all diese Veranstaltungen scheinbar in Räumlichkeiten der ETH stattfinden, was im Abschnitt 4. relevant wird.
Die Angebote unter «Für Studierende im ersten Jahr» scheinen nicht religiös aufgeladen. Da ich diese nie besucht habe und mir Berichte von Teilnehmenden nicht vorliegen, kann ich nicht beurteilen, ob mein Verdacht, derartige «neutrale» Veranstaltungen dienten als niederschwellige religiöse Beeinflussung, gerechtfertigt ist – im Zweifel für den Angeklagten.
«CAMPUSlive» ist Teil des Missionswerkes «Campus für Christus», welches auf europäischer Ebene unter dem Namen «Agape Europe» organisiert ist und Teil der evangelikalen Organisation «Campus Crusade for Christ International» ist.
Im Bereich «Über uns – Wer wir sind» beschreibt «Campus für Christus» die eigene Tätigkeit unter dem Titel «Unsere Vision»:

Unsere Vision ist es, überall geistliche Bewegungen entstehen zu lassen, die gewinnen, ausbilden und senden (win – build – send), damit jeder jemand persönlich kennt, der Jesus nachfolgt.

Geistliche Ströme in Form von Menschen, Know-how und Ressourcen sollen aus der Schweiz in die ganze Welt fliessen, um überall Gottes Liebe ganzheitlich bekannt zu machen.

Ziel ist also unmissverständlich Missionierung: Es sollen so viele Menschen wie möglich zu dem von «Campus für Christus» propagierten Glauben konvertiert werden. «CAMPUSlive» ist der zu diesem Zweck in Hochschulen tätige Arm von «Campus für Christus». Diese Strategie wird in dieser harmlos erscheinenden bildlichen Darstellung vermerkt:

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1 Comment

  1. Man kann leider nicht davon ausgehen, dass Dummheit und geistige Beschränktheit vor den Toren der ETH Zürich Halt macht.
    Um doch noch etwas Positives zu sagen: Von der Terrasse der ETH genießt man einen tollen Ausblick auf die gesamte Stadt Zürich.

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