Suhlen im göttlichen Schein


Prof. Dr. Jörg Becker – ND

Medienhype um den Dalai Lama

Fragt man danach, was denn ein Gottesstaat sei und ob es heute so etwas noch gebe, dann wird zwar Iran genannt, aber das alte Tibet des Dalai Lama wird vergessen. Tibet ist in vielen deutschen Medien eine Region mit ganz vielen lieben Menschen. Wenn es um Tibet geht, dann hört auf einmal alle westliche Vernunft auf. Esoterik, Räucherstäbchenkult, Eine-Welt-Läden, indischer Wickelrock, Antje Vollmer und Otto Graf Lambsdorff gehen eine seltsame Mesalliance ein. Gewählte Demokraten wärmen sich am göttlichen Schein eines Nicht-Gewählten, auf dass auch auf sie ein wenig Licht herab falle!

Kürzlich feierte »Seine Heiligkeit«, der 14. Dalai Lama, seinen 75. Geburtstag. Erneut gab es um ihn einen kleinen Medienhype und pünktlich zum Geburtstag spuckte der Buchmarkt wieder ein neues Buch von ihm aus. Schon im Juli 2009 hatte »Bild« getitelt: »Mit BILD ein unvergessliches Erlebnis gewinnen. Für viele ist es ein Lebenstraum: Einmal dem Dalai Lama persönlich begegnen, ihm in die Augen blicken, seine magische Aura ganz nah spüren. Für einen BILD-Leser wird der Traum wahr! Er/Sie darf das geistliche Oberhaupt des Buddhismus am Airport begrüßen!«

Die mediale Vermarktung des Dalai Lama kennt keine Grenzen: Über ihn bietet Amazon gegenwärtig 728 deutsch- und 908 englisch-sprachige Buchtitel an, 13 200 Videos sind bei Youtube und fast acht Millionen Einträge bei Google zu finden. Besonders einseitig war die Berichterstattung der Medien über den Dalai Lama und Tibet während der Unruhen in Lhasa im März 2008. Hatten die Auseinandersetzungen mit einem Gewaltausbruch von Tibetern gegen Chinesen begonnen, so konzentrierten sich die hiesigen Medien trotzdem auf Einsätze chinesischer Knüppelpolizisten.

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8 Comments

  1. da muß man aber auch den französischen Mob anklagen, denn der hat einen König und eine Königin köpfen lassen, die auch als Kinder in ihre eigene Welt hineingewachsen sind…

    Boah, iss das ne Argumentation…

    und hie wieder mein Literaturtip: Alexandra David-neel, Mein Weg durch Himmel und Hölle
    https://www.amazon.de/Mein-Weg-durch-Himmel-H%C3%B6llen/dp/3596164583/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1279634472&sr=8-1

    diese Frau, Mysikerin, Buddhistin, „leuchte der Weisheit“ (ein tibetanischer Kloster-ehrentitel) und Insiderin, erzählt über ihre Bettelmönch-Wanderung durch Tibet.
    Einfach lesenswert, obwohl schon lange her. Und ihre scharfsinnigen Beobachtungen, trotz aller mystischer Lastigkeit, sind noch heute gültig.
    Ich war im Tibet (nur für einen Tag, leider) und hab gesehen – so ist es dort heut noch immer.
    Wenn man das gelesen hat, wird einem manches klarer.

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  2. @nickpol:

    Diese esoterischen Versatzstücke, aus denen die Nazis und insbesondere Himmler sich ihre Weltsicht zusammen gebastelt haben, sind mir bekannt, aber das ändert imho nichts an der Tendenz des Artikels. Die von Dir angeführten Fakten kann man auch nicht dem DL anlasten: Weder ist er dafür verantwortlich, was die Nazis sich esoterisierend zusammenphantasiert haben. Noch kann man ihm persönlich einen Vorwurf machen, dass sein Hauslehrer eine SS-Delegation empfangen hat. Welcher Einfluss hat schon ein 4-jähriger auf seine Erzieher? Auch muss man ein solches Treffen im Kontext der damaligen Realität sehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Daladier und Chamberlain die Ideologie der Nazis geteilt haben. Trotzdem haben sie sich, um Schlimmeres zu verhindern, mit ihnen getroffen (und sich leider einwickeln lassen. Und, nein, ich insinuiere nicht, die Gelbmützen hätten aus ähnlichen Motiven die Nazis empfangen).

    Das Ganze schmilzt also dann zu dem Vorwurf zusammen, dass er sich anscheinend nie distanzierend zu einem Empfang geäußert hat.

    Nochmals: Ich halte die Reputation, die der DL geniest, für absolut ungerechtfertigt. Solche Artikel wie der hier verlinkte tragen aber nicht zur Aufklärung bei. Wirklich lächerlich wird der Artikel dann bei dem Vorwurf des Demokratiedefizits: Das mit der Abschaffung eines Gottes ‚im Alleingang‘ zu belegen ist ungefähr so, als würde ich dem Papst vorwerfen, dass er Enzykliken raushaut (wohlgemerkt: Die Tatsache, dass, nicht um den Inhalt geht es hier!).

    Gruß

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  3. Neues Deutschland ist eine extrem linke Zeitung und die extreme Linke hat ein ideologisches Problem mit Tibet, weil die Nazis Tibet rechtsextremistisch verklärt haben, daher auch das Interesse an einer einseitigen Betrachtung der Person und der Fakten, allerdings ist diese einseitige Betrachtung ja bei den Medien, die am Rand der Gesellschaft verortet sind, auch nicht

    Der Schreiberling bezieht sich auf Goldner als Quelle und Goldner ist nun ein einmal ein unwissenschaftlicher, demagogischer Stümper, der einen Privatkrieg gegen Asien führt. Seine ideologisch geprägten Haßtiraden gegen Kampfsportarten sollte man nicht unterschlagen. Wer sich auf Goldner beruft, kann auch gleich Kreatonist spielen oder „Mein Kampf“ als aufklärerisches Werk über das Judentum anpreisen oder „Herr der Ringe“ als christlich fundamentalistisches Werk ansehen.

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  4. Skepsis:

    Dieser Artikel hier ist aber ist reine Stimmungsmache.

    Ist keine Stimmungsmache. Der Vorwurf dem man dem Autor des Artikels machen kann ist dergestalt, dass er explizit auf die Verbindungen der Lamas zum Nationalsozialismus, insbesondere zur SS hätte eingehen können.
    So hatte der Regent und persönliche Lehrer des Dalai Lamas, Jamphel Yeshe Gyaltsen aka Reting Rinpoche, 1939 offiziell eine SS-Delegation im Potala empfangen. Leitmotiv der SS-Delegation „Treffen des westlichen und östlichen Hakenkreuzes“.
    Das auffällige Interesse der Nationalsozialisten kam aus rein esoterisch-okkulten Wahvorstellungen zum tragen. Himmler hatte zu diesem Zweck die „Forschungsstätte Ahnenerbe“ gegründet. So propagierten die Nazis die Existenz einer „schwarzen Sonne“ oder waren Anhänger der „Welteislehre“ von Hanns Hörbiger. So wurde behauptet, der Mond sei eine von Eis umschlossene Wasserkugel, die durch „Ätherbewegung“ in ihrer Bewegung verlangsamt werde. Daher komme der Mond stetig der Erde näher und werde unter seinem Eigengewicht zerbrechen. Auf die Erde fallende Bruchstücke würden dann wieder eine Sintflut verursachen, so wie 10.000 Jahre zuvor, als eine gewaltige Sintflut das Großreich Atlantis bzw. Thule vernichtete. Reste der Kultur von Atlantis bzw. Thule vermuteten die Nazis in Tibet. Eine wichtige Rolle in diesem ganzen grotesken Schauspiel hatte Karl-Maria Wiligut aka „Weisthor“, einer der Vertrauten von Himmler und SS-Offizier.
    Bruno Beger vertrat die Auffassung das sich Elemente der „nordischen Rassenseele“ wie Tatkraft, Leistungsfähigkeit, geistiger Adel und Ritterlichkeit in den Völkern Zentralasiens erhalten haben.
    Harrer, Beger und Konsorten waren bis zu ihrem Ableben immer „Freunde“ des Ozeans der Weisheit. Der Skinhead hat sich nie von diesen distanziert, hinzu kommt der Fakt, dass der Dalai Lama über die Verbindungen seiner „Gelbmützensekte“ zum Dritten reich beharrlich schweigt.
    Deshalb gilt, qui tacet, consentire videtur.

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  5. Der Hype um den Dalai Lama ist mir auch unverständlich. Ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass Anhänger dieses Mannes Tibet vor der chinesischen Besatzung für eine Insel der Glückseligen halten und die Fakten über diese Zeit geflissentlich ignorieren.

    Dieser Artikel hier ist aber ist reine Stimmungsmache:
    * Was soll der Verweis auf Harrer und Beger? Harrer war bis 1951 in Tibet. Da war der Dalai Lama16 Jahre alt. Lt. Wikipedia wurde im Fall Harrer erst 1997(!) bekannt, welche Positionen er im 3. Reich inne hatte. Der Vorwurf schmilzt zu der Tatsache zusammen, dass ein Kind bzw. Heranwachsender Harrer kannte.

    * Der Verweis auf die ‚illegale Unterstützung‘ durch die CIA in den 1950/1960er Jahren. Warum war die ‚illegal‘? Und was bedeutet ‚wichtigsten exil-tibetischen Gruppen‘? Und, noch schlimmer, noch heute werden diese Gruppen (ohne dass nur eine namentlich genannt wird) von einer Stiftung des US-Kongresses unterstützt. Und weiter? Hier wird einfach auf die Assoziation gesetzt, dass etwas, in dem die bösen amerikanischen Imperialisten ihre Finger haben, böse, böse, böse ist. Es wird suggeriert und auf die Macht der Cliches gesetzt.

    Ein solcher Artikel dient nicht der Aufklärung, sondern rein der Stimmungsmache.

    Gruß

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