Warnhinweise unzureichend: Azofarben


Gummibaer
Foto: Wikimedia Commons (CC-by-sa/3.0 by Forbfruit)

Ab Dienstag (20. Juli) müssen Lebensmittel, die Azofarbstoffe enthalten, einen Warnhinweis tragen. Verbraucherschützern ist das zu wenig.

Von Reinhard Wolff, taz

„Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“. Dieser Warnhinweis wird ab Dienstag auf Lebensmitteln EU-weit Pflicht – jedenfalls auf Produkten, die Azofarbstoffe enthalten. Das sind vor allem Süßigkeiten, Limonaden und Backdekore. Die künstlichen Farbstoffe gelten als Auslöser von Allergien, fördern Hyperaktivität und Konzentrationsschwierigkeiten bei Kindern und sind verdächtig, krebserregend zu sein.

Verbraucherschutzorganisationen kämpfen seit Jahren gegen diese Azofarbstoffe. Auch das EU-Parlament hat sich schon vor längerer Zeit für ein Verbot starkgemacht. Doch weil die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa (European Food Safety Authority) erklärt hatte, es gebe noch keine ausreichenden Beweise über einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Azofarbstoffen und Gesundheitsschädigungen, konnte sich die EU-Kommission nur zu der jetzigen begrenzten Kennzeichnungspflicht entschließen.

Alkoholhaltige Getränke müssen nicht gekennzeichnet werden, und außer in Süßigkeiten können Azofarbstoffe auch in Zukunft in einer Vielzahl von Lebensmitteln auftauchen, denen man das nicht unbedingt gleich ansieht. So beispielsweise in Obstkonserven, Margarine, Käse und Fischprodukten.

Angesichts dessen bleibe VerbraucherInnen nichts anderes übrig, als jeweils die Zutatenliste genau zu studieren, empfehlen Verbraucherzentralen: Lebensmittel mit den E-Nummern E-102 (Tartrazin), E 110 (Gelborange), E 122 (Azorubin), E 124 (Cochenillerot), E 129 (Allurarot) und E 104 (Chinolingelb) sollte man in den Regalen stehen lassen. „Azofarben haben keinerlei Nutzen für den Verbraucher“, sagt Jan Bertoft, Generalsekretär des schwedischen Verbraucherverbands. Wohl aber für den Produzenten: KäuferInnen lassen sich von kräftigen Farben verführen.

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