Banken: reichlich Betrug


Skyline Frankfurt
Skyline Frankfurt (CC-by-sa/3.0 by Thomas Wolf)

Während sich aufrechte säkulare Wissenschaftler und Skeptiker-Blogs um die (notwendige) Eindämmung des Kundenfangs von Esoterikern und „Gesundbetern“ kümmern, wuchert der Betrug großen Stils mitten unter uns.

Wer Geld anlegen möchte, sich aber nicht selbst bestens auskennt, landet oft unversehens als Opfer geschulter Banken-„Berater“ in wahnwitzigen Verträgen.

Schon in der Finanzkrise wurde deutlich, wie schlecht private Kunden oft beraten werden – jetzt stellt die Stiftung Warentest fest: Es ist alles noch viel schlimmer geworden. Bankenvertreter geben sich ungewöhnlich kleinlaut.

Süddeutsche Zeitung

Nach der Finanzkrise schworen die Banken: Alles soll besser werden bei der Beratung privater Kunden. Jetzt aber stellt die Stiftung Warentest der Kreditwirtschaft ein vernichtendes Zeugnis aus: Es sei alles noch viel schlimmer geworden: Die Qualität der Anlageberatung habe sich in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert und sei inzwischen gar auf „jämmerlichem“ Niveau.

Nach einer Untersuchung bei 21 Banken und Sparkassen bekamen sechs Häuser das Urteil „mangelhaft“ und nicht eines schnitt mit „gut“ ab. Eine Blamage, zumal bei einer Untersuchung Ende vergangenen Jahres die Tester nur zwei Geldinstitute mit „mangelhaft“ bewertet hatten.

Folgenlose Lippenbekenntnisse

Schon damals drohte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) den Banken schärfere Kontrollen und weitere Gesetze an, sofern sie ihre Leistungen nicht verbesserten. Darum geben sich die Institute nun ungewöhnlich zerknirscht. Der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) – gewöhnlich nicht für schnelle Reaktionen bekannt – erklärt, bei der „Handhabung von Protokollen nach einer Wertpapieranlageberatung“ bestehe „offenbar noch deutlicher Nachholbedarf“.

Gleichwohl spart der ZKA, der sowohl für die öffentlichen als auch die privaten Banken spricht, nicht mit Selbstlob: „Die Anstrengungen zur Verbesserung der Kundenberatung … zeigen Wirkung“, heißt es. Der Beratungstest berichte „von einer insgesamt verbesserten Qualität der Anlageberatung bei praktisch allen getesteten Kreditinstituten“ – zumindest „ohne Berücksichtigung einer eventuellen Protokollierungspflicht“, wie der ZKA nachschiebt.

Das ist wohl der Knackpunkt: In dem Test wurden fast die gleichen Institute, die die Stiftung Warentest schon einmal untersucht hatte, unter die Lupe genommen. Die Testkunden führten 146 Beratungsgespräche. Sie sollten darin klären, wie sie 35.000 Euro zehn Jahre lang anlegen könnten.

Nach dem neuerlichen Test bekamen nun Postbank, Hypovereinsbank, Targobank, BW Bank, Nassauische Sparkasse und Volksbank Mittelhessen ein „Mangelhaft“.

Protokoll gibt es nicht

In mehr als der Hälfte der Fälle hätten Testkunden kein Beratungsprotokoll bekommen, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Schlimmer noch: Die Kunden hatten sogar explizit nach diesem Protokoll gefragt und es nicht erhalten.

Auch müssten die Banken ihre Kunden nach den finanziellen und persönlichen Verhältnissen fragen und ermitteln, welche Ziele die Kunden mit ihrer Geldanlage verfolgten und welche Kenntnisse sie haben. Oft genug unterblieb dies – selbst wenn zumindest in diesem Bereich die Stiftung Warentest eine leichte Verbesserung feststellte. (..)

Die Erfahrungen der Stiftung Warentest decken sich auch mit den Erkenntnissen anderer Institutionen: Annabel Oelmann, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, bestätigt, dass die Anlageberatung nicht besser geworden sei. Schlimmer noch: Viele Banken würden sich mit einem Trick aus der Verantwortung stehlen, die ihnen das Gesetz auferlege: In den Beratungsprotokollen sei oft vermerkt, dass abweichend von den im Beratungsgespräch festgehaltenen Anlagezielen der Kunde doch eine riskantere Anlage kaufen wolle. Vielen sei allerdings nicht bewusst, dass an der entsprechenden Stelle vom Bankberater ein Kreuzchen gesetzt worden sei.

Die Verbraucherschützer fordern angesichts der schlechten Noten der Stiftung Warentest für die Banken jetzt gesetzliche Schritte. Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, sagte: „Ohne klare gesetzliche Vorgaben und effektive Kontrollen durch die Finanzaufsicht wird sich an der Qualität der Anlageberatung durch Banken und Finanzvermittler nichts ändern.

Die Beratung dürfe nicht mehr von Provisionen „getrieben“ sein. Die Ankündigungen der Banken, kundenfreundlicher zu werden, bezeichnete der oberste Verbraucherschützer als leere Worthülsen.

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Hermann Josef-Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „finanztest“, über mögliche Konsequenzen:

„Das Erlassen von Gesetzen hilft dem Verbraucher nur zum Teil. Die Einhaltung der Gesetze muss auch bei Banken kontrolliert werden und bei Verstößen muss es Sanktionen geben. Tempo 80 auf der Landstraße wird einfach besser eingehalten, wenn vor der Kurve ein Blitzgerät steht und ein Bußgeld oder gar der Führerscheinentzug droht.“ (Bericht „Geldanlageberatung der Banken mangelhaft“ des Deutschlandfunks)

Gern rechnen Berater Kunden vor, was diesen im Alter an Geld fehlt wird. Und sie haben eine Lösung parat: die private Vorsorge. Doch die Computerprogramme, die den Finanzbedarf im Alter ermitteln, verrechnen sich häufig. Was dem „Wirtschafts-Journalisten“ der SZ dazu einfiel, wirkt skurril: Software als Schuldige. Seufz!

Ohne entsprechende Software sind Berater jedoch hilflos. Banken und Versicherer kennen zwar die Namen bekannter Anbieter wie IS2, Teckpro, Suretec Systems oder Brainforce, doch in der fachlichen Bewertung werden sie allein gelassen. Transparenz oder gar ein Ranking der Programme gibt es bislang nicht. Dies erschwert die Auswahl des richtigen Rechenwerkes für Anwender, zu denen auch Makler, Honorarberater und Verbraucherzentralen gehören. Der Verbraucher selbst kennt die Namen meist überhaupt nicht, denn ihm begegnen nur die Angebote der Banken und Sparkassen, Versicherer und Fondsgesellschaften.

1 Comment

  1. Banker (auch Angestellte) sind doch reine Interessenvertreter und noch nie Berater gewesen. Die müssen doch das verkaufen, was die Chef-Banker ihnen vorschreiben und befehlen. Aber das weiß man doch schon seit jeher. Das ist doch nichts Neues.

    Selbst ist der Mann bzw. die Frau. Also, ran an die Aktien ! Aber selbstverständlich nur an solche, die etwas einbringen und nicht schon am nächsten Tag in den Keller fahren. Welche das sind ? Fragen Sie einfach jemanden, der sich mit Aktien gut auskennt. Aber fragen Sie auf gar keinen Fall einen Banker !

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