Katholische Kernschmelze angesagt


Haselnuss
Harte Nuss? (CC-by-sa/3.0/de by Horst Frank)

„Macht ist Macht – auch in der Kirche“ … aber wie lange wollen die Männer sie den Frauen noch vorenthalten? Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode räumt ein, dass die Machtfrage nach dem „Desaster im Missbrauchsskandal“ neu zu stellen sei.

Die Theologin Marianne Heimbach-Steins warnt vor einer „Kernschmelze“ der Kirche, wenn sie ihr Verhältnis zu Frauen nicht ändert. Schluss mit der Männerkirche – das haben namhafte Katholikinnen am Samstag in der Frankfurter Rundschau gefordert. „Das ging mir nahe“, sagt Bischof Bode dazu. Ein Streitgespräch.

Frankfurter Rundschau

Frauen können Staaten lenken und Regierungen führen, aber als Katholikin nicht einmal eine Landpfarrei leiten. Leben Sie beide eigentlich noch in derselben Welt?

Franz-Josef Bode: Sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kirche bringen Frauen unglaublich viel ein. Ihren Beitrag für die Weitergabe des Glaubens und für die sozialen Dienste in der Kirche schätze ich nicht geringer als das Leitungsamt der Priester.

Marianne Heimbach-Steins: Wenn sich der gleiche Wert dessen, was Frauen in die Kirche einbringen, nicht auch in gleichen Rechten niederschlägt, dann führt das bei Frauen, die Gleichberechtigung und gleichwertige Behandlung gewohnt sind, zu Unmut und zu einem Leiden an der Kirche, wie Katholikinnen das jetzt in der Frankfurter Rundschau geäußert haben. Die werden Sie mit Wertschätzung allein nicht beschwichtigen können.

Bode: Ich weiß, und es geht mir nahe, wie einhellig Katholikinnen aus verschiedensten Lebensbereichen den Ruf nach Reformen vortragen. Ich spüre auch, was wir uns als Kirche vorenthalten, wenn wir Frauen nicht noch stärker in Leitung und Entscheidung einbeziehen. Da ist allerdings auch schon viel passiert. Sie selbst sind Professorin der Theologie, undenkbar noch vor 50 Jahren. Oder nehmen Sie unser Bistum Osnabrück: Das Seelsorge-Amt wird hier von einer Frau geleitet. Also: Da wäre noch viel mehr Teilhabe möglich, ohne dass wir immer gleich die Frage nach der Priesterweihe für Frauen erörtern müssten.

Heimbach-Steins: Sie sprechen im Konjunktiv! Die Kirche bleibt also hinter dem zurück, was an Gleichberechtigung in der Gesellschaft erreicht ist. Jedenfalls ist das die Erfahrung von Frauen in der Kirche. Sie stoßen an Grenzen, werden zurückgepfiffen und müssen sich fragen: Wer will denn hier mehr Teilhabe, außer uns Frauen selbst?

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3 Comments

  1. Nun – man sozialisiere eine Grupppe menschen schon sehr Zeitig im Hinblick auf Dienen, Unterwerfund und Bravsein.

    eigentlich schon fast verwunderlich, daß die Kirche den Druck fühlt und die diakoninnen erfand.
    Trotz straffer Sozialisation.

    Läßt hoffen, wenn auch nicht gleich für morgen.

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  2. @Argus7
    Ich stimme Dir vollkommen zu. Wer (freiwillig) in einem Verein bleibt, ohne jegliches Mitspracherecht, der muss eben mit den Konsequenzen rechnen. Bode kommt mit dem Argument, dass das Amt des Diakons bzw. Diakonins letztenendes die Welt revolutionieren wird:

    Den Diakon verstehe ich nicht bloß als Helfer des Priesters oder als Durchgangsstufe auf dem Weg zum Priestertum, sondern als Amtsträger mit eigenen Funktionen, speziell sozial-karitativen. Frauen erfüllen oft genau solche Aufgaben und sind handelnd sehr nah an dem, was die Kirche mit der Weihe sakramental beglaubigt. Diesen Ansatzpunkt sollten wir nicht links liegen lassen.

    Es geht ihm nicht darum, eine Gleichberechtigung zu erreichen. Hier wird der Frau einfach nur ein Knochen hingeworfen und sie darf die Ehre haben, ihn anzuknabbern. Das gesammte Skelett allerdings, das ist weiterhin den Männern allein vorenthalten. Ohne jegliche Chance auf irgendwelche „Diskussion“. Klappe halten und mit dem Amt der Diakonin glücklich sein. Nach über 2000 Jahren Kirchenzeit, darf „Frau“ sich nun glücklich schätzen. Endlich nicht nur Putzkraft und billige Arbeitskraft, sondern auch ein „hochgeschätztes Amt“ darf sie bekleiden. Wer höher hinauswill, darf sich in ca. 600 Jahren melden, wenn die Herrn im Vatikan bessere Laune haben.

    Wenn diese Frauen tatsächlich diesem Gott dienen wollen, weshalb unterwerfen sie sich diesem Männerverein ? Was hält sie denn auf, ein eigenes Kloster, eigene Kirche oder eigene Sekte zu eröffnen ? Mit völlig gleichberechtigten Gesetzen, fairer und demokratischer Wahl und fehlender perverser Sexualmoral ? Gibt es im Katholizismus irgendwo einen unsichtbaren Zauberstrahl aus dem Himmel, der Katholikinen daran hindert, ihr Gehirn mal auf Hochtouren laufen zu lassen ? Warum denken sie nicht diesen einen kleinen Schritt weiter ? Gibt es etwa ein (C)opyright auf den Gottesbegriff ? Auf die Erbauung von Klöstern ? Auf das Gebet ?

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  3. Mein Mitleid mit den katholischen Frauen hält sich in Grenzen. Wenn einem in einer wie auch immer gearteten Organisation die Gleichberechtigung über viele Jahrhunderte hinweg vorenthalten wird, muss man sich die Frage stellen, weshalb sich denn die Katholikinnen mit ihrer unterprivilegierten Situation abfinden ? Es bleibt immer noch die Möglichkeit eine solche Organisation zu verlassen. Das wäre gleichzeitig eine überaus wirksame Chance, um überhaupt eine Veränderung in Gang zu bringen.

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