Wikileaks: Afghanistan Aufklärung


Vertrauen auf Befehl
Glauben technokratisch (CC-by.2.0 von wahlkampf09)

Die Internetseite Wikileaks hat wiederum einen großen Coup gelandet. Über 90.000 brisante US-Militär-Berichte aus dem NATO-Krieg am Hindukusch wurde ihnen zugespielt –  und damit der Weltöffentlicheit zugänglich gemacht.

Die New York Times, der britische Guardian sowie Spiegel online haben die Dokumente gegengecheckt und für authentisch, also glaubwürdig befunden. Das Pentagon ist schwer begeistert. Obamas wie Merkels Regierung sind in eine missliche Image-Lage geraten.

In Afghanistan stehen die Zeichen auf Sturm, der Krieg scheint unumkehrbar verloren zu gehen. Die aus vielen tausend Indizien vor Ort gewonnenen Erkenntnisse lassen keinen anderen Schluss zu. Aber es kann nicht wahr sein, was nicht wahr sein darf. Noch ein Vietnam-Trauma? Für westliche „Patrioten“ scheint diese Vorstellung unerträglich.

Süddeutsche Zeitung

Es ist der Alptraum für jeden Geheimdienst: Im Internet soll bald eine Sammlung von fast 92.000 Militär-Dokumenten über den Krieg in Afghanistan kursieren. Die brisanten Protokolle der US-Einheiten dokumentieren, wie schlecht es um den Kampf gegen die Taliban steht – und stellen in der Fülle alles in den Schatten, was bisher über den Krieg in Afghanistan bekannt ist.

Es ist der Alptraum für jeden Geheimdienst: Eine Sammlung von fast 92.000 Afghanistan-Militärdokumenten offenbart das Wiedererstarken der radikalislamischen Taliban im Krieg gegen die ISAF-Schutztruppe. Die US-Einheiten und deren Verbündete verlieren in dem seit knapp neun Jahren andauernden Krieg am Hindukusch zunehmend an Boden – ihre Sicherheitslage ist prekär. Sie verschlechtere sich auch im Norden des Landes, wo deutsche Soldaten im Einsatz sind. (..)

Der Spiegel teilte mit, die Unterlagen zeigten den Krieg aus der unmittelbaren Sicht der US-Soldaten. Es geht beispielsweise um Einsätze der Task Force 373, einer US-Eliteeinheit. Sie sei darauf spezialisiert, Top-Taliban gezielt auszuschalten. Die Dokumente geben demnach auch Auskunft über Opfer unter Zivilisten bei den Kommandoaktionen. Wikileaks-Gründer Julian Assange sagte dem Spiegel: „Das Material wirft ein Schlaglicht auf die alltägliche Brutalität und das Elend des Krieges. Es wird die öffentliche Meinung verändern und auch die von Menschen mit politischem und diplomatischem Einfluss.“

In der Fülle stelle das Material alles in den Schatten, was über den Krieg in Afghanistan gesagt worden sei. „Diese Daten sind die umfassendste Beschreibung eines Krieges, die es jemals während eines laufenden bewaffneten Konflikts gegeben hat (…).“ Assange stellte klar, dass das gesamte Material vor der Veröffentlichung daraufhin überprüft worden sei, ob durch Details tatsächlich Soldaten im Afghanistan-Einsatz oder deren Verbündete in Gefahr geraten könnten. (..)

Über das Internetprojekt Wikileaks werden brisante Dokumente aus anonymer Quelle öffentlich zugänglich gemacht. Dass der Name an Wikipedia erinnert, ist gewollt. Zum einen ähnelt der Internetauftritt optisch der Online-Enzyklopädie; zum anderen kann wie bei dem großen Mitmach-Lexikon jeder etwas veröffentlichen. Bei Wikileaks geht es speziell um geheime Dokumente – das englische Wort „leak“ bedeutet: undichte Stelle. Wikileaks versteht sich denn auch als Informantennetzwerk. Die Idee dahinter: Kritische Journalisten und Blogger sollen die geheimen Informationen aufgreifen und so Öffentlichkeit herstellen.

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2 Comments

  1. http://carta.info/31246/afghanistan-protokolle-die-konjunktur-des-lecks-dank-wikileaks/ Christoph Bieber:

    In der Präsentation habe ich die These aufgestellt, dass gerade die technologisch veränderten Möglichkeiten zur Dokumentenweitergabe in Zukunft für eine „Konjunktur des Lecks“ sorgen würde:

    Bedingt durch die Digitalisierung können inzwischen nicht mehr nur „einfache“ Text- oder Tondokumente zum Gegenstand von Informationsweitergaben werden, sondern auch massenmedial vorzeigbare Filmsequenzen (Collateral Murder) oder abstrakte Datensammlungen (Steuersünder-CD). Zugleich ändert sich auch der Prozess der Weitergabe: wurde früher mit den Medien als „Vierter Gewalt“ ein relativ autarkes Subsystem mit Informationen versorgt, treten inzwischen NGOs (Watchdog-Organisationen) und kleinere Medien-Akteure wie Weblogs oder Online-Plattformen an deren Stelle.

    Ganz offensichtlich bemüht sich Wikileaks hier nun um eine Maximierung der öffentlichen Aufmerksamkeit und stellt so eine im Normalfall eher unwahrscheinliche Allianz dreier großer Medienakteure her. Neben einer zusätzlichen „Authentifizierungsschleife“ erhalten die Dokumente dadurch auch so etwas wie ein „Narrativ“: pressegeschichtlich werden sie in eine Reihe mit den „Pentagon Papers“ gestellt, und die Konkurrenz von staatlicher Informationshoheit mit der enthüllenden Kraft der Vierten Gewalt wird betont.

    Angesichts des Umfangs der Dokumente erscheint eine solche Rahmung auch zwingend nötig, denn wie anders als durch eine angemessene journalistische Inszenierung (der Begriff ist hier ausnahmsweise einmal positiv konnotiert) hätte die ungeheure Menge von mehr als 90.000 Einzeldokumenten einem größeren Publikum vermittelt werden können?

    An dieser Stelle fällt auf, wie unterschiedlich die drei Medien-Partner mit dem Material umgehen. Während der Guardian sich an innovativen Formaten eines „Daten-Journalismus“ (Mercedes Bunz) versucht (Video-Tutorial, Timeline, Live-Blog), exekutieren die New York Times und Der Spiegel noch eher den „klassischen Stil“ des Online-Journalismus.

    Die New York Times bietet neben ausführlichen Artikeln und Kommentaren auch einige Texte im Original, Audio-Files als eine Art „making of“ der Reportage sowie den Redaktions-Blog „At War“, der die Reaktionen auf die Veröffentlichungen sammelt und kommentiert.

    Der Spiegel verbindet dagegen nicht mehr als (zugegeben: informierte, gut recherchierte und präzise geschriebene) Artikel, einige Grafiken, die unvermeidlichen Fotostrecken und eine Reihe belehrender „Themenseiten“ zu einem zwar umfangreichen, aber auch eher konventionellen Nachrichten-Mix.

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  2. Es wäre wirklich schön zu erfahren warum und wieso dieser sinnlose Krieg noch weiter geführt wird. Ich hoffe die Wikileak-Dokumente werden darüber weiteren aufschluss geben.

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