Chinesen lieben Feng Shui


Chinesischer Balanceakt
Ausbalancieren (CC-by-sa/2.0 by Craig Nagy)

Als Luxusladen-Mitarbeiter hat man ein sorgenfreies Leben, glauben die neidischen Zeitgenossen. Nichts könnte entfernter von der Realität sein.

Neuerdings strömen die Neureichen aus China in die superb teuren Einkaufsmeilen der westlichen Welt – und laufen dem russischen „Geldadel“ den Rang ab. Das aber schmerzt alsbald. Denn Russen sind ja so viel leichter zu kalkulieren als die Chinesen.

Denn in den chinesischen Traditionen haben exotische, im Westen weniger bekannte Religions- und Esoterik-Rituale viel Bedeutung. Besonders die Feng Shui-Berater haben in der Gegenwart Einfluss auf die Reichen im Reich der Mitte. Der Aberglauben überhaupt  genießt eine geradezu bizarre Marktmacht in diesen Kreisen. Die Geld-Religion ist beliebig kombinierbar mit Esoterik.

Die armen, bedauernswerten Luxus-Anbieter aber müssen dazu schon wieder völlig neue Verstellungen und Anpassungsstrategien erfinden. Das macht ihnen sicher keinen Spaß, aber füllt die Kassen oder lässt sie bankrott gehen.

Eine der amüsantesten Humor-Krimi-Reihen derzeit, die von den Sitten der heutigen Chinesen und einem Feng Shui-Detektiv handeln, schreibt übrigens ein gebürtiger Inder mit Wahlheimat in Schanghai. Er heißt Nury Vittachi. Au weia, jetzt habe ich zugegeben, dass ich Feng Shui spaßig finde. Das bringt mir den Zorn aller Quack-Jäger aus der Anti-Eso- und Skeptikerszene ein. Hoffentlich werde ich jetzt nicht in der Luft zerrissen. Bibber! Seufz!

Heulen und Zähneklappern sind aber bei mir ebenso wenig angesagt wie das Ausrichten meines Wohnzimmers nach Feng Shui-Richtlinien. Ich habe aber auch sehr selten neureiche chinesische Kunden. Was habe ich doch für ein Glück!

By Neil Tweedie, Telegraph.co.uk

Year of the dragon – China’s new rich are on a shopping spree in Britain.

It doesn’t do nowadays to be an estate agent in the more fashionable parts of London with no working knowledge of feng shui. Understanding that the number four is unlucky in Chinese folklore and that a staircase sited directly behind the front door is similarly inauspicious – it means luck and prosperity will flow straight out of the house – can be the difference between closing or losing a sale.

“We had agreed the sale of a lovely house to a Chinese couple who were prepared to pay just over £4 million,” says Andy Buchanan, director of estate agents John D Wood & Co, Chelsea. “They sent the plans off to a feng shui master back home, who had advised their family on all previous purchases. The master, who was blind, was given the brochure and floorplans to handle and urged the couple not to buy the house. To our surprise, they pulled out of the deal without a moment’s hesitation.

“Chinese buyers won’t even agree to view a property which has the digit four in the address, is on the fourth floor, or has four bedrooms. This superstition runs so deep that sometimes one hesitates to send the brochure to the buying agent if the property has any connections with the number four.”

The need for feng shui-friendly estate agents is the latest symptom of China’s worldwide spending spree, the effects of which are now being felt in Britain. Be it prime property in London, copper mines in Peru and Zambia or dairy farms in New Zealand, the Chinese want it. As Western economies stagnate or contract, that of China continues to grow its way to global pre-eminence at a rate of about nine per cent per year.

Nowhere is China’s confidence seen more clearly than in its demand for luxury goods. Last year the People’s Republic overtook the United States to become the second biggest market for the luxury sector; and by 2015 it will have overtaken Japan, with a market projected to be worth £11 billion annually.

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3 Comments

  1. @Skepsis
    Du hast völlig recht. Die gut gelaunte Satire-Website „Sheng Fui – Das Magazin für fernöstliche Leere“ ist auf jeden Fall mehr als einen Blick wert.

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  2. Lieber Kura Sawai,

    ich kann dich beruhigen, denn ich pflege nämlich den Ausdruck „Feng Shui“ dann zu verwenden, wenn ich jemandem mein Missfallen zum Ausdruck bringen möchte. So sage ich z.B. zu der betreffenden Person nicht, „du bist völlig bescheuert“, sondern ich sage: „Du bis offenbar völlig Feng Shui“ !

    Wer weiß, vielleicht bürgert sich dieser Synonym ja im allgemeinen Sprachgebrauch – zumindest unter gebildeten Menschen – ein. (Copyright selbstverständlich by Argus7)

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  3. @Kuro Sawai:

    Es ist schön, dass Du auf die Fragwürdigkeit des Feng Shui hinweist. Noch besser wäre es aber, wenn in diesem Zusammenhang die wahre Lehre, das Sheng Fui (http://www.sheng-fui.de/), die ihm gebührende lobende Erwähnung finden würde.

    Gruß

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