Das „Gottesgeschenk“ Konrad Adenauer


Empfang bei Johannes XXIII – Konrad Adenauer Quelle: http://www.vatikan.diplo.de

Von Peter KleinertNeue Rheinische Zeitung

„Wir danken heute Gott, daß er uns Konrad Adenauer geschenkt hat“, zitiert Werner Rügemer in dieser NRhZ-Ausgabe aus Kardinal Meisners Predigt beim Pontifikalamt anlässlich der Feiern zum 125. Geburtstag des ehemaligen Kölner OB, später CDU-Gründungsvater und Bundeskanzler, am 5. Januar 2001. Während sich der Autor von COLONIA CORRUPTA damit befasst, „dass nach Adenauerscher Beichttafel und katholischem Katechismus Selbstbereicherung, Insidergeschäfte und die Haltung schwarzer Kassen, aber auch etwa Korruption im engeren Sinne immer noch nicht im kirchlichen Sündenregister aufgeführt sind“, hat der Kirchenkritiker und -historiker Karlheinz Deschner sich in der Fernsehserie „Mit Gott und den Faschisten“ mehr mit der Haltung des „Gottesgeschenks“ zum Faschismus beschäftigt.

„Das römische Papsttum – durch Kriege und Betrug groß geworden, durch Kriege und Betrug groß geblieben – hatte durch Pius X. den Ausbruch des Ersten Weltkriegs gefördert und durch Pius XI. entscheidend die Heraufkunft des Faschismus in Italien und Deutschland.“ So beginnt Karlheinz Deschner seinen Vortrag in der KANAL 4-TV-Sendereihe „Mit Gott und den Faschisten“. In der Folge über die zwischen Mussolini und Pius XI. abgeschlossenen Lateranverträge berichtet Deschner: „Am 20. Dezember 1926 verkündete der „Heilige Vater“ wieder einmal: „Mussolini wurde uns von der Vorsehung gesandt.“ Der Duce hatte kurz zuvor die Mandate der nicht faschistischen Kammer- und Senatsmitglieder für ungültig erklärt, ihre Parteien aufgelöst und mit der faschistischen Umgestaltung des Staates begonnen.

Drei Jahre später, am 11. Februar 1929, unterzeichneten im Lateran, dem päpstlichen Palast, Benito Mussolini und Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri die Lateranverträge. Es war das bedeutendste kirchenpolitische Ereignis im Pontifikat Pius XI., die wichtigste außenpolitische Entscheidung des Papsttums seit 1870. Das Vertragswerk umfaßte einen Staatsvertrag, ein Finanzabkommen, ein Konkordat, Verträge, die das Ansehen der Faschisten enorm steigerten, vor allem aber der Kurie gewaltige Vorteile brachten.“ Dazu gehörten uneingeschränkte Souveränität auf dem Gebiet der Vatikanstadt und als Abfindung „das Kapital einer Weltbank“, die (nach damaliger Währung) ungeheure Summe von einer Milliarde Lire in Staatspapieren und 750 Millionen Lire in bar, bei fünfprozentiger Verzinsung eine Jahresrente von fast 90 Millionen. Der Katholizismus wurde Staatsreligion, die kirchliche Ehe der bürgerlichen ebenbürtig, die Scheidung unmöglich, der Religionsunterricht obligatorisch. Antikirchliche Bücher, Zeitungen, Filme wurden unter Zensur gestellt, die Kritik des Katholizismus unter Strafe. Der Staat verpflichtete sich, seine ganze Gesetzgebung mit dem kirchlichen Recht abzustimmen.“ Die Kirche erlaubte dafür der Regierung, bei der Ernennung von Bischöfen und Pfarrern politische „Bedenken“ zu äußern. Und sie untersagte – das schönste Geschenk für Mussolini – allen Geistlichen die parteipolitische Betätigung, nachdem nicht wenige von ihnen offen gegen den Faschismus aufgetreten waren.

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