Schadenfreude na klar


Lachendes Paar
Nun lachen sie (CC-by-sa/2.0 by Peter Drier)

Von Henning Pulss, Süddeutsche Zeitung

Schadenfreude ist ein sozial geächtetes Gefühl. Viele Menschen empfinden dabei ein schlechtes Gewissen. Doch sie hat ihren Sinn: Schadenfreude hilft, innerlich Dampf abzulassen.

Manche Gefühle erforscht man besser im Fußballstadion als im psychophysiologischen Labor, denn selten äußern Menschen ihre niederen Emotionen so unverhohlen wie im Sport.

Deutlich zeigte sich das etwa, als bei der WM in Südafrika die große Fußballnation Italien bereits in der Vorrunde ausschied – jene Italiener, die 2006 die Deutschen im Halbfinale bezwungen hatten und dann auch noch Weltmeister wurden; jene Mannschaft, der es mittlerweile zunehmend wichtiger erscheint, Tore zu verhindern, als selbst welche zu schießen. Fast jeder deutsche Fußballfan blickte im Augenblick dieses sportlichen Tiefpunkts nach Italien, nicht aus Mitleid, sondern aus: Schadenfreude.

Doch dieses „teuflische Gefühl“, wie der Philosoph Arthur Schopenhauer es nannte, welches Fußballfans offen zeigen, verbergen sie im Alltag. Das schlechte Gewissen meldet sich, wenn man sich insgeheim ins Fäustchen lacht, weil der ungeliebte Kollege einen Misserfolg hat.

Selbst beim harmlosen Grinsen, wenn jemand über seine Schnürsenkel stolpert, ist den meisten Menschen nicht ganz wohl. Einer Umfrage zufolge kann nur jeder Dritte bedenkenlos Schadenfreude empfinden. Wieso verfügen dann Menschen überhaupt über dieses Gefühl?

Ausgleich sozialer Gerechtigkeit

„Schadenfreude ist schwierig zu verfolgen und zu isolieren. Sie ist flüchtig, so wie jede Emotion, von welcher man uns beigebracht hat, sie nicht zu fühlen“, sagt Richard Smith, Professor für Psychologie an der Kentucky University. Zudem geben Menschen es eben nur ungern zu, dass sie sich gerade über ein fremdes Missgeschick freuen, oder sind sich dessen gar nicht bewusst. Auf verlässliche persönlichen Auskünfte sind Psychologen jedoch angewiesen. (..)

Wichtig ist bei allen Vergleichen jedoch auch, wie wir uns selbst betrachten. „Menschen genießen es mehr, andere leiden zu sehen, wenn sie eine niedrige Selbsteinschätzung haben oder diese bedroht wird“, resümiert Ouwerkerk. Deshalb ist es gar nicht vonnöten, jemanden zu kennen, um Schadenfreude zu empfinden.

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