Hiroshima: Atombombe aus Opportunismus


Grafik: Atombomben auf Japan 1945
Atombomben auf Japan 1945 (CC-by-sa/3.0 by Dake)

Noch immer stößt man im Gespräch beim Thema Hiroshima-Atombombe auf die Behauptung, dadurch habe der Krieg schneller beendet werden können. Diese Schutzbehauptung der damaligen Alliierten hat über Schulbücher und Medien in vielen Köpfen Wurzeln geschlagen. Dennoch ist sie nicht zutreffend, ein historischer und immer noch nachwirkender Schwindel.

Wer bekennt sich schon gerne zu einem Kriegsverbrechen und zur eigenen opportunistischen Amoralität? Das macht es verstehbar aber nicht akzeptabel, wie die historische Wahrheit durch nachträgliche Rationalisierung und Retusche polit-kosmetisch zurechtgebogen wurde.

Schade und traurig, dass so viele an sich intelligente Leute auf den kalkulierten Schwindel hereinfielen. Bei größerer Neigung zum Selberdenken statt bequemen Übernehmens von Vorgekautem, hätte man leicht auf die Unstimmigkeit der offiziell verbreiteten Version des Geschehens kommen können.

Wer sich eingehender damit beschäftigen möchte, dem sind nach wie vor die Bücher von Günther Anders dazu zu empfehlen. Besonders sein Briefwechsel mit dem ehemaligen US-Luftwaffenpiloten Claude Eatherly, der sich als Mitverantwortlicher fühlte, ist sehr eindrücklich. Aber es wird weiterhin Zeitgenossen geben, die trotz ihrer vorhandenen formalen Schulbildung Atombomben harmlos und realpolitisch verantwortbar finden. Liegt das wiederum an Opportunismus?

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DeutschlandRadio Kultur

Marcus Pindur: Heute genau vor 65 Jahren um 8.15 Uhr örtlicher Zeit zuckte ein gigantischer Lichtblitz über die japanische Stadt Hiroshima. Gefolgt wurde er von einer gewaltigen Detonation und einer Druckwelle von der Stärke mehrerer Orkane. In einem Radius von 1,6 Kilometern vom Zentrum der Explosion herrschte totale Zerstörung. Die erste Atombombe in einem Krieg war gezündet worden.

Warum musste das sein? War die Entscheidung des amerikanischen Präsidenten Truman, die zum Tod von über 200.000 Menschen letztlich führte, gerechtfertigt? Diese Fragen werden seit Jahrzehnten bereit in den USA und überall auf der Welt debattiert. Wir sind jetzt verbunden mit Florian Coulmas, er ist der Direktor des Deutschen Zentrums für Japanstudien in Tokio. Guten Morgen, Herr Coulmas!

Pindur: Sie haben jüngst ein Buch über den Atombombenabwurf vor genau 65 Jahren in Hiroshima veröffentlicht, zu welchem Schluss sind Sie denn gekommen – musste das sein, diese Bombe abzuwerfen?

Coulmas: Also ich bin sehr deutlich zu dem Schluss gekommen, es musste nicht sein, Herr Pindur, die Gründe für den Abwurf waren keine militärischen, sondern politische.

Pindur: Politische heißt, was sollte damit bezweckt werden?

Coulmas: Es sollte damit bezweckt werden, dass Amerika demonstrieren konnte, die Vereinigten Staaten sind im Besitz einer neuen Waffe, alleine, und sie sind bereit, sie einzusetzen. Denn nach der Kapitulation des Deutschen Reiches zeichnete sich ab, wie die neue Weltordnung aussehen würde, nämlich die ersten Anzeichen des Kalten Krieges waren schon zu bemerken.

Das sieht man insbesondere daran, dass die Regierung Truman die ursprünglich für Juni geplante Konferenz von Potsdam, auf der die Siegermächte die Nachkriegsordnung verhandeln würden, auf Juli verschieben ließ. Der Grund dafür war, dass im Juni noch keine Atombombe einsatzbereit war. So knapp muss man sich vorstellen war diese Entwicklung.

Pindur: Also Sie greifen da die These amerikanischer Historiker aus den 70er-Jahren auf, der sogenannten Revisionisten, es handele sich um ein Signal an die Sowjetunion, mit dem man Stärke demonstrieren wolle. Haben Sie dafür noch irgendwelche andere Belege?

Coulmas: Nun, die amerikanischen Militärs, die an oberster Stelle die Kriegsführung lenkten, inklusive der später zum Präsidenten gewählte General Eisenhower, haben bestätigt, mehrfach, dass um einen militärischen Sieg zu erringen über Japan der Einsatz der Atombomben völlig überflüssig war.

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19 Comments

  1. Nachtrag zur Bombe auf Hiroshima und Nagasaki

    Heute morgen gibt es in der International Herald Tribune – die globale Ausgabe der New York Times – einen Leserbrief des amerikanischen Lehrers Arthur Brigham, der seit zehn Jahren in Kyoto unterrichtet. Er kommentiert einen Artikel der NYT vom 7. August 2010 in dem über das „Ereignis“ berichtet wird, dass die USA auf Anweisung von Präsident Obama, erstmals seit 65 Jahren an der Gedenkfeier teilnimmt.

    Der Lehrer berichtet über seine Hiroshima/Nagasaki Erfahrung, denn in Japan kann man einer solchen Diskussion kaum aus dem Wege gehen.

    Wie der Lehrer Brigham in der amerikanischen Schule lernte (so auch wir in Westdeutschand) habe der Abwurf der Bomben ja die „Erstürmung Japans durch die USA vermieden und damit amerikanisches und japanischen Leben geschont“.

    Die entrüstete (und wohl auch logische) Frage einer Japanerin: Welchen Grund kann es geben abertausende von Menschen.. Männer, Frauen, Kinder, Alte in einem kurzen Augenblick umzubringen?

    Es mag Gründe geben einen Menschen oder auch eine Gruppe von Menschen, die man als gefährliche beurteilt umzubringen. Aber war die Bevölkerung Hiroshima’s im August 1945 für die USA noch eine Bedrohung? Die kaiserliche Luftwaffe war durch die USA vernichtet (die japanische Armee stand in China/Mandschurei, Korea, Indochina… und die USA beherrschten die Meere um die Inseln) und es liefen schon Kapitulationsgespräche zwischen den USA und Japan.
    Und dann wurde nur 3 Tage später eine 2. Bombe über Nagasaki gezündet…Und wie sollte die Japanische Regierung (unter dem Schock) von Hiroshima in 3 Tagen kapitulieren?

    PS: ….übrigens vielen Dank an Kuro Sawai für den zeitgerechten Artikel über dieses Menschheitsereignis Hiroshima und Nagasaki.

    Man kommt aber auch ins Grübeln, warum auf dem deutschen Militärflugplatz Büchel in der Eifel immer noch (wie man vermutet 20 Atombomben) als Relikte des kalten Krieges herumliegen….

    Der kalte Krieg ist vorbei, der Feind, die Sowjetunion ist abhanden gekommen….was sollen die „Hiroshima und Nagasaki Bomben“ bei der Bundeswehr ?

    Interessant ist das politische Spiel um diese letzen „deutschen“ atomare Massenvernichtungswaffen..die Bundesregierung behauptet…die müssten bleiben…sonst wäre unser NATO Beitrag unglaubwürdig…und die Amerikaner sagen…ihre seien aus Sicherheitsgründen abgezogen worden…aber die Bundeswehr habe die in Büchel behalten wollen?

    Der Bonn Guido Westerwelle hatte bevor er ein Amt in Berlin bekam auch zu den Atomwaffen auf dem Büchel eine klare Vorstellung: Die Atomwaffen müssen aus der Eifel verschwinden…auch hier ist es ruhig geworden….

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  2. Da gibt es einen Bericht des US Bloggers und Mitarbeiters der politischen Wochenzeitschrift „The Nation“ Greg Mitchell in Huffington Post heute. Er schreibt über einen amerikanischen Journalisten George Weller, von der damaligen Chicago Daily News, und dem es Anfang September 1945 (also nach der Kapitulation) gelang, in das von einer PlutoniumBombe (deshalb Fat Man) zerstörten rein zivilen Stadt Nagasaki, zu gelangen.

    Weller’s Berichte wurden vom Amerikanischen Oberkammonadierenden McArthur nach Kriegsende sofort kassiert und durften nie veröffentlicht werden.

    Der Sohn Weller’s hat nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2003 einen Kohlepapierdurchschlag des ersten Berichts aus Nagasaki beim Aufräumen des väterlichen Hauses in Italien gefunden.

    Die Welt und die hilflosen japanischen Ärzte wurde über die Natur dieser schrecklichen Waffe im unklaren gelassen…die Kranken siechten augenscheinlich erbärmlich dahin, mit mit rot fleckiger Haut und haarlos, an der „Seuche X“ wie die Japaner ahnungslos auf die Totenscheine schrieben.

    Telford Taylor, der spätere US Hauptankläger zu den 12 Nachfolgeprozessen des Nürnberger Prozesses nannte den Abwurf der beiden Bomben über Hiroshima und Nagasaki „ein Kriegsverbrechen“.

    Kurt Vonnegut, jr., der als amerikansicher Kriegsgefangener die alliierte Bombardierung Dresdens miterlebte und daraus den Roman „Schlachthof 5 oder der Kinderkreuzzug“ entwickelte, stufte den Abwurf der 2. Bombe auf die Stadt Nagasaki, als die schrecklichste Tat seines Landes, nach der Versklavung von Menschen ein.

    Nach Meinung anderer US Experten berichtet Mitchell wurde die strikte US Zensur der Ereignisse von Nagasaki auch deshalb verhängt, damit der moralisch-zweifelhafte Einsatz von Radioaktivität und atomarer Gifte (Plutonium) zur Massenvernichtung einer Zivilbevölkerung nicht gut war für’s Volk. Diese Militärzensur wirkt bis heute nach und die „Schere“ des damaligen US Zensors hat sich in unseren Köpfe breit gemacht…..und wir verbreiten die Geschichtsschreibung des Siegers, wie einen Virus auf dem PC…

    Der Journalist Weller erfuhr damals auch, dass durch den Abwurf über Nagasaki bei weitem mehr amerikanische Kriegsgefangene ums Leben gekommen waren, als japanische Soldaten in der Stadt waren. Wäre die Bombe genau über der Stadtmitte patziert worden wie geplant wäre, hätte es in Nagasaki überhaupt keine Überlebenden gegeben…aber die Piloten hatten vor dieser PlutioniumWaffe ebenso auch grosse Angst….und drehten frühzeit ab….

    (Dabei war der US Kriegsführung bekannt, dass in Nagasaki ein grosses Gefangenenlager amerikanischen Soldaten existierte.)

    Dies sollte die amerikanische und die Welt-öffentlichkeit niemals im Zusammenhang mit dem Abwurf der Massenvernichtungswaffe diskutieren können.

    Aber die Nagasaki Bombe erreichte – im Gegensatz zur Hiroshima Bombe – endlich das strategische Ziel der Truman -Regierung, die Sowjetunion durch frühzeitige Kapitulation des Kaiserreiches aus der Aufteilung der Beute „Nachkriegsjapan“ herauszuhalten…

    http://www.huffingtonpost.com/greg-mitchell/how-press-censorship-hid_b_675106.html

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  3. ch kann das Argument von Arndt zwar verstehen (das sagt man, wenns einem ganz gut geht, nicht wenn man mittendrin steckt).

    Aber es gibt nicht ganz zufällig ein Kriegsrecht, und auch völkerrechtliche Übereinkünfte zum Umgang mit Zivilbevölkerung.
    Die Deutschen haben diese Bestimmungen aufs gröblichste verletzt, – andere offensichtlich auch.
    Das ist für keinen der Unzivilisierten Beteiligten ein glanzpunkt.

    allerdings ist Opferschutz ja sowieso eine recht neuere Erfindung. Leider.

    Was Dresden betrifft, so wurde es (ua) bombardiert, weil es der strategische Versorgungspunkt für die „Festung Breslau“ war, und diese sich zu lange halten konnte.

    und die neonazis würden ALLES benutzen, was sich nur benutzen läßt – und gäbe es nichts, würden sie es erfinden.

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  4. Deiner Argumentation kann ich so nicht folgen.

    Ich möchte mich dieser Argumentation insofern anschliessen,
    als es meiner Meinung nach auch müssig ist, im Nachhinein
    diese Entscheidung zu rechtfertigen oder zu hinterfragen.

    Hätten wir damals, in deren Schuhen, eine andere
    Entscheidung getroffen? Ich zumindest kann diese Frage
    nicht eindeutig beantworten.

    Die Entscheidung wurde getroffen und wir sollten damit
    jetzt vor allem eines tun: Daraus lernen. [Pathos Ende]

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    1. Soweit mir erinnerlich waren beide Bomben für deutsche Städte bestimmt. Helmut Kohl sprach mal von der Gnade des „schnellen Zusammenbruchs“, der letztlich dazu führte, dass die Bomben in Japan abgeworfen wurden.
      Historisch gesehen ist es schon wichtig zu hinterfragen, warum man letztlich den Abwurf realisiert hat und nicht die Alternative der Flächenbombardements weiter fortgesetzt hat.

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  5. Ich verstehe diese Diskussion nicht. Es war Krieg. Nach 4 Jahren Krieg machen sich die Leute nicht Gedanken, wie sie den Gegner möglichst schonend zur Kapitulation bringen könnten. Die hatten alle einen riesigen Hass! Diese akademische Diskussion geht völlig am Wesentlichen vorbei.

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    1. Arnd

      Nach 4 Jahren Krieg machen sich die Leute nicht Gedanken, wie sie den Gegner möglichst schonend zur Kapitulation bringen könnten.

      Hm, Arnd, damit kann man dann aber auch alles rechtfertigen. Sogar die Gegenseite ihre Verbrechen. Das ist auch einer der Gründe, weshalb Neonazis die Bombardierung Dresdens für sich instrumentalisieren.
      Deiner Argumentation kann ich so nicht folgen.

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  6. sicher hat der abwurf die kapitulation beschleunigt – wenn auch nicht besonders stark da japan eh am ende war. hätten sie wirklich den willen gehabt bis zum ende zu kämpfen hätten sie die bomben auch nicht abgeschreckt , ausser den beiden gab es ja keine weiteren.

    eine explosion im offenen meer vor einer der grossstädte hätte mit sicherheit eine ähnliche psychologische wirkung erziehlt allerdings ohne den mord an hunderttausenden unschuldigen zivilisten.

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  7. Der belgisch/kanadische Historiker Jacques Pauwels hatte über den 2. Weltkriegs das Buch „Der Mythos vom guten Krieg: Die USA im 2. Weltkrieg“ beigetragen“.

    Zum diskutierten Thema „Warum endete der 2. Weltkrieg (in Japan) mit Atompilzen“ hat er zum Jahrestag von Hiroshima und Nagasaki recherchiert und hat die Frage aufgeworfen:

    War der Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegen die japanische Zivilgesellschaft opportunistisch oder eine taktische Notwendigkeit?

    Pauwels kommt zum Schluss, der Einsatz der zwei Atombomben hatte mit der Kriegslage im Pazifik wenig zu tun sondern sollte strategisch den Eintritt der Sowjetunion in den pazifischen Krieg nach dem Sieg über Deutschland verhindern. Dieser Eintritt war noch auf der Teheraner Konferenz 1943 zwischen Churchill, Roosevelt, Stalin vereinbart worden. Das Angebot wurde von Stalin bei der Potsdamer Konferenz auch gegenüber dem neuen US Präsidenten Truman am 17. Juli 1945 wiederholt.

    Die USA wollten aber nun – da NAZI-Deutschland besiegt war – die Sowjets aus einem Nach-Kriegs-Japan heraushalten und die Kapitulation Japans vor einem Kriegseintritt der Sowjetunion im Pazifik erzwingen.

    Der Autor folgt dabei der Argumentation des bekannten Politologen Gar Alperowitz: „Hiroshima. Die Entscheidung für den Abwurf der Bombe“

    Übrigens stammt eine interessante Beurteilung von einem amerikanischen Feldgeistlichen im Einsatzgebiet, der in einem Buch des Radiokommentators Terkel zu Protokoll gab: Der Kriegseintritt der Sowjetunion am 8. August führte zum überhasteten Abwurf der Bombe auf Nagasaki am 9. August, um zu verhindern, dass die Sowjetunion noch in den Krieg gegen Japan eingreifen konnten. (Studs Terkel, „The Good War“: An Oral History of World War Two, New York, 1984, p. 535)

    Bei der Lektüre von Pauwels Artikel lernt man auch, dass der US Kriegsführung bekannt war, dass Nagasaki das Zentrum der Katholischen Diaspora war, die noch von den Portugiesen im 16. Jahrhundert christianisiert worden waren. Der US Kriegsführung war auch bekannt, dass im
    Abwurfgebiet ein Kriegsgefangenenlager mit Alliierten Kriegsgefangenen existierte.

    Pauwels Artikel unter:
    http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=20478

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  8. Die Frage der Begründung ist durchaus interessant, Deinen Beitrag jedoch nicht. Statt Pro und Kontras für unterschiedliche Ansichten zu geben, besteht dieser aus billigem Rhetorik—vieles darauf ausgerichtet, entgegengesetzte Meinungen schon im Voraus zu diskreditieren…

    Ich besitze ganz sicher nicht eine gottgebene Wahrheiten, aber wenn ich mich von Hanlon’s Razor lösen soll, dann möchte ich hier gute Beweise vorgezeigt bekommen. Hierbei ist allerdings das stärkste was zu lesen ist ein „Strawmann“ („Coulmas: Nun, die amerikanischen Militärs, die an oberster Stelle die Kriegsführung lenkten, inklusive der später zum Präsidenten gewählte General Eisenhower, haben bestätigt, mehrfach, dass um einen militärischen Sieg zu erringen über Japan der Einsatz der Atombomben völlig überflüssig war.“): Es ist wohlbekannt, dass der (angebliche oder oder wirkliche) Grund, ledigleich ein schnellerer, weniger teuerer, und weniger Todesfälle bringender Sieg war—nicht einen Sieg erst zu ermöglichen.

    Im Übrigen: Füge bitte einen Checkbox für „neue Kommentare“ (nicht nur Beiträge) zu, damit man als Leser weiss welche Seiten erneut besucht werden müssen.

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  9. Es mag ueberraschend klingen, aber wenn man die prozentuale Ermordung von Menschen, die Brutalitaet der Kriegsfuehrung allgemein und Ruecksichtslosigkeit bei der Zerstoerung der Lebensgrundlagen der Zivilbevoelkerung nimmt war der 2. Weltkrieg, trotz der Massenvernichtung von Juden, trotz Dresden, Coventry und Hamburg, trotz der Massenschlaechterei der Japaner in China, trotz aller anderen Bruatlitaeten bei weitem nicht der brutalste Krieg in der europaeischen Geschichte:

    Im Dreizigjaehrigen Krieg, aber auch in Engl. Buergerkrieg war die Kriegsfuehrung um etliches brutaler. Kaiser Augustus laesst sich in seiner Propagandarechtfertigung „Res Gestae Divi Augusti“ loben dafuer, dass er erorberte Staedte nicht dem Erdboden gleich machte und deren Bewohner nicht ueber die Klinge springen liess – was damals offensichtlich eine akzeptiere Form der Kriegfuehrung war.

    Wir haben einen Fortschritt, einen langsamen aber stetigen: Ich bin mir sicher, dass ohne die Atomwaffe Indien und Pakistan schon lange einem Krieg mit Mio. Opfern verwickelt waeren und der Untergang der Sowjetunion fer uns Europaer nicht so glimplich abgegangen waere (wo haette man sonst gehoert, dass ein Grossreich zerfaellt ohne grossen Krieg).

    Eine immer weitere Verfeinerung der Sitten in einer immer enger kooeperierenden haben wohl zusammen mit der Atombombe mehr konkretes Leid verhindert als andere.

    Insofern waren die Opfer von Hiroshima und Nagasaki nicht sinnlos.

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  10. Wurde erwähnt, dass es Wochen/Monate zuvor Luftangriffe der USA mit Brandbomben auf Tokio etc. gab, bei denen hunderttausende Japaner Ihr Leben verloren und die Städte fast komplett vernichtet wurden?
    Konventioneller Krieg kann Ausmasse annehmen, die so schlimm wie ein atomarer Krieg sind, v.a. wenn es ’nur‘ 2 A-Bomben waren. Zumal damals nicht viel bekannt war über die Radioaktivität und ihre Folgen. Kein amerikanischer Präsident hätte es politisch verantworten können, nach Jahren der Forschung und Milliarden an Ausgaben (des Steuerzahlers) diese Waffen nicht einzusetzen, besd. wenn täglich Tausende US-Soldaten ihr Leben in den Kriegen in Europa und im Pazifik verloren. Und wer die Film-Aufnahmen von übenden japanischen Hausfrauen und Kindern in Tokio gesehen hat, die mit Harken und Bambus-Speeren die Bekämpfung einer evtl. US-Invasionsmacht geübt haben, kann sich ausmalen, was die Verluste der USA bei einer Invasion gewesen wären, vom Fanatismus und Todesliebe der japanischen Generalität nicht zu sprechen.
    Die A-Bomben-Einsätz finde ich deshalb nachvollziehbar, mit der Schuld muss man auf jeden Fall leben.
    Wie wir eigentlich in Japan über die eigene Schuld am Krieg reflektiert?

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  11. Machen wir uns nicht vor: Wir leben in einer brutalen welt und jeder von uns, als Untertanen, hat fuer seinen Souveraen, sei es der Tenno oder „The Poeple of United States“ als juristische Fiktion, seinen Schaedel ungefragt hinzuhalten.

    Im Annex II der Postdamer Erklaerung drohen die Westallierten Japan fuer den Fall, dass es nicht die allierten friedensbedingungen annimmt: „… the inevitable and complete destruction of the Japanese armed forces and just as inevitably the utter devastation of the Japanese homeland.“ (b) (3)

    Genau das ist passiert.

    Nicht gerecht? Brutal? Ja. aber solange wir keinen wirksamen weltweiten Aufpasser haben, soetwas wie der Hobbesche Leviathan weltweit, muessen wir mit unseren anarchistischen Staatensystem leben: Wiederholungen eingeschlossen.

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  12. Moderne Mythen versuchen – wie die Mythen in der Antike – den schrecklichsten Handlungen von Menschen und Göttern noch etwas schicksalhaftes …also von „höheren Zielen“ getriebenes … abzuringen….;-)

    ….aber wie Richard Feynman – damals Mitarbeiter der Atombombenentwicklung – Manhattanprojekt – in seinem Buch (deutsch) „Sie belieben wohl zu Scherzen, Mr. Feynman, auf Seite 129 ff beschreibt, hatte die Entwicklung der Atombombe nichts mit den Japanern zu tun.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Feynman

    Am 16. Juli 1945 wurde die erste Atombombe oberirdisch bei Alamogordo gezündet (Trinity-Test).
    Militärs und Politiker waren sich über die Natur der Bombe – die gegen NAZI Deutschlands Macht schützen sollte – durchaus im Klaren….nur war im Mai der Feind abhanden gekommen.,,,und nun lagen die Dinger herum….

    Feynmann berichtet an anderer Stelle, wie er am 6. August 1945 von der Zündung der Atombombe über Hisoshima während eines Besuchs in New York kalt erwischt wurde und bemerkte, „diese Bomben seien doch gegen Deutschland und nicht gegen die Japaner vorgesehen gewesen“.

    Nach diesem atomaren Massaker an der Bevölkerung von Hiroshima und Nagasaki kann man nur schließen, die „Gnade“ des vorzeitigen Zusammenbruchs Deutschlands“ (abgewandeltes Zitat von Altbundeskanzler Kohl) im Mai 1945″ hatte die badisch-pfälzischen Bewohner von Mannheim/Ludwigshafen und Karlsruhe vor diesem menschenverachtenden Grillfest gerettet, denn wie berichtet, waren für diese beiden Städte die Bomben ursprünglich gebaut worden.

    So ist die historische Hypothese, der atomare Angriff auf die Bevölkerung von Hiroshima und Nagasaki sei alleinmachtpolitisch motiviert gewesen und hänge mit der Potsdamer Konferenz der Siegermächte über Deutschland zusammen die im Juli/August 1945 zusammen, nicht von der Hand zu weisen. Der Angriff sei vom neuen US Präsidenten Harry Truman angeordnet worden um Josef Stalin – seinen Gegenspieler in der Potsdamer Konferenz einzuschüchtern, der sich nun anschickte, sich in den Krieg der USA gegen Japan „helfend“ einzumischen.

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  13. Dazu kann ich nix sagen.

    Was mir aber aufgefallen ist – die Amis haben nichts erzählt über die Besonderheiten ihrer Bombe, auch nach dem Kriegsende nicht gleich.
    Selbst die US-Ärzte, die in die Epizentren geschickt wurden, waren nicht informiert.
    so viel zum Thema „Schutz der Zivilbevölkerung“.

    Daß eine solche Bombe Strahlung emmittieren würde, hätte bekannt gemacht werden müssen.
    Folgeschäden hätten sich dadurch verringern lassen…
    Die Japaner dachten nach der Folgeverstrahlung durch den Besuch des Epizentrums erst, sie wären Opfer eines merkwürdigen giftigen Gases oder sowas…
    Die haben es später selbst rausfinden dürfen, was es wirklich war.

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  14. ja, das sind so kausale Ketten, wie diese Entwickllungen historisch abliefen.

    vielleicht kennt jemand von Euch das tAgebuch von Hiroshima? von einem japanischen Arzt geschrieben. Ich las es und dachte auch erst, die Japaner waren ja im Krieg für besondere Grausamkeiten bekannt (ist nicht neu….) – was also kann mich in dem Buch schon erwarten?
    Aber dann war ich tiefberührt von diesem Buch. Mit welchem Schmerz, aber auch mit welcher zartfühligkeit er die vorgänge beschrieb, die Rettungsversuche für Betroffene (er war selbst einer, aber nicht so schwer verstrahlt, und nur teilweise verbrannt)…
    auch wie naiv die Menschen doch waren, in völiger Unkenntnis sich wieder in das Epizentrum hineinbegaben, weil ein Ritus (sowas wie Totensonntag) sie dazu aufrief, an den ort des Todes ihrer Angehörigen zu gehen…
    und sich dort nochmals verstrahlten… tragisch….

    Mich schmerzt es immer, wenn ich sehe, was Menschen sich gegenseitig antun. Klar schwingt auch in mir der Impuls der Rache, wenn mich jemand persönlich schädigt.
    Aber das sind doch inzwischen andere Menschen, die dort leben. Zufällig hineingeboren. Lernfähig. Hofft man.

    Um Schuld kann es gar nicht gehen. Schuld klebt wie Pech.

    Es kann nur um Fehler gehen – aus denen man gefälligst zu lernen hat. Wenn nicht, dann wirds eng für die Menschheit. Mit ihrer Zukunft.
    Das ist SChimpansen-Gehabe, alle Fremden wegzubeißen oder umzubringen.
    Steht die Menschheit noch immer auf der Stufe der Schimpansen?

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  15. Wie kann man nur so bereitwillig immer wieder in die alte Falle „Schuldfrage“ hereinfallen? Aus jedem Alltagskonflikt kann man wahrnehmen, dass das Beschuldigen meist nur Widerstand und Abwehr hervorruft, keine Einsicht. Im Großen wie im Kleinen: wer Frieden und Gerechtigkeit sucht, frage nicht nach Schuld (wer ist der Böse?) sondern nach Verantwortung (was hat das Geschehen verursacht?).

    In meinem Text steht nirgends etwas von Leugnung der japanischen Anteile am Weltkrieg. Sie haben einen Angriffskrieg vom Zaun gebrochen, das stimmt. Das wird weder verschwiegen noch weggelogen. Umgekehrt gilt das leider nicht.

    Man kann weder Taten noch Leiden der Einen gegen das der Anderen aufrechnen. Pearl Harbour ist nie und nimmer eine Rechtfertigung für die A-Bomben auf Hiroshima und Nagasaki. In diesem Zusammenhang habe ich kein Verständnis für Ausflüchte .

    Wie Du zu deiner mir unzutreffenderweise unterstellten „Alleinschuld“-These gekommen bist? Muss wohl im Reich der Phantasien entsprungen sein. Bei mir war lediglich davon die Rede, dass der Atombombenabwurf ein verlogenes Kriegsverbrechen darstellt. Genau dies Detail.

    Lies endlich mal Schmidt-Salomons „Jenseits von Gut und Böse“, damit du den religiotischen Standpunkt der Moral verlassen und durch den brauchbareren von Humanismus und Ethik ersetzen kannst.

    Schuldfragen zu stellen, löst gar nichts – außer neue Konflikte ausbrechen zu lassen. Wer vernünftig ist, fragt nach Verursachung statt nach „Schuld“!

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    1. Stanley Kutler:

      Today, it is common wisdom that Truman had only two simple, stark choices: to use the bomb or invade and suffer a “million” casualties. The options of naval blockade and “conventional” bombing quickly dissolved, and over time they have disappeared. Drift and inertia account in part for some of the flow of events as the decision to use the bomb took on a force of its own, with the tragic results of Hiroshima and Nagasaki.

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  16. Selbstverständlich war der Einsatz von zwei Atombomben im 2. Weltkrieg im Nachhinein betrachtet überflüssig. Er hat unzähligen unschuldigen Menschen das Leben gekostet. Die Alliierten hätten den Krieg zwar auch ohne diesen A-Bombeneinsatz gewinnen können. Dies allerdings auf Kosten einer nicht zu errechnenden Zahl von alliierten Soldaten, die in den Wochen und Monaten bis zum Kriegsende noch hätten sterben können.

    Vergessen wir aber auch nicht, dass der Angriff der Japaner am 7.12.1941 auf Pearl Harbor den Krieg im Pazifik ausgelöst und provoziert hat. Man vergesse auch nicht, dass die USA zu diesem Zeitpunkt als neutrales Land galten und Japan mit dem verbrecherischen Hitler-Regime verbündet war.

    Stellt sich die Frage: Was wäre gewesen, wenn die USA die A-Bomben nicht abgeworfen hätten ? Die Spekulationen darüber sind müßig. Heute weiß man, dass der Ausgang des 2. Weltkrieges über lange Jahre hinweg keineswegs sicher war.

    Wie immer man die seinerzeitige Haltung der USA und deren nachträgliche Darstellung des A-Bombenabwurfes beurteilen mag: Es bleibt die Tatsache, dass Japan die USA ohne vorherige Kriegserklärung angegriffen hat. Das japanische Volk ist letztlich das Opfer ihrer politischen Führung geworden. Das kann und muß man bedauern, es gilt aber auch die Erkenntnis, dass jeder Wirkung eine Ursache vorausgeht. So gesehen fällt es schwer, den USA in diesem Falle eine Alleinschuld zuzuweisen. Das Mitleid mit den Opfern des A-Bombenabwurfs ist schließlich für sich genommen kein stichhaltiger Grund, die politische Führung Japans von jeglicher (Mit)Schuld freizusprechen.

    Das bedeutet nicht, dass ich den Einsatz von A-Bomben damals und heute befürworte. Ich finde lediglich, dass es der Sachlage nicht gerecht wird, wenn den USA im Nachhinein die Alleinschuld unterstellt wird.

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