Das Irak-Debakel


inidia.de

Von Johannes M. BeckerSteinbergRecherche

Der Irak-Krieg ist in der Berichterstattung zwar weitgehend vom Geschehen in Afghanistan verdrängt worden, das Debakel ist gleichwohl immer noch unfassbar. Die Zahl der Anschläge der äußerst diversifizierten Widerstandsbewegung ist, den kurdischen Norden ausgenommen, enorm angestiegen. Der Juli 2010 war, vor allem in der Zivilbevölkerung, der blutigste Monat seit mehr als zwei Jahren.

Die Lage der etwa 30 Millionen Menschen im Lande ist weiterhin katastrophal. Fast fünf Millionen von ihnen sind auf der Flucht (60.000 davon hat die Europäische Union aufgenommen). Weiterhin funktioniert die Stromversorgung nicht, Millionen Menschen leiden unter der immer noch nicht intakten Wasser- und Abwasserversorgung. Der Staatsapparat ist bis in die kleinsten Adern hinein korrupt geworden. Eine vor Kriegsbeginn 2003 nicht gekannte Kluft zwischen Schiiten, Sunniten und anderen Minoritäten spaltet das Land. Das Ansehen der Besatzertruppen und ihrer Nationen ist nach wie vor denkbar schlecht.

Nun sind in den USA Zahlen veröffentlicht worden über den Verbleib der sogenannten „Hilfen für den Wiederaufbau im Irak“. Allein von den im Jahre 2004 an das US-Militär gegangenen 9,1 Milliarden US-Dollar, es handelte sich um UN-Gelder, fehlen für 8,7 Milliarden die Belege. Außerdem hält die Marionettenregierung der USA in Bagdad um die 20 Milliarden Dollar zurück, die – wohlgemerkt – aus irakischen Öl- und Gasverkäufen stammen und für die Beseitigung der Schäden vorgesehen waren.

Das Wissen ist nicht neu: Im Krieg wirtschaftet es sich nicht gut. Und leiden tut in erster Linie immer die Bevölkerung. Gerade die aber hatte die „Koalition der Willigen“ doch mit der Beseitigung von Saddam Hussein auf ihre Seite bringen wollen!

Die Strategie der Obama-Regierung, Truppen, die in Afghanistan gebraucht zu werden scheinen, aus dem Irak abzuziehen und durch private Militärfirmen zu ersetzen, ist gescheitert. Die Konsequenzen für die Zukunft sollten eigentlich auf der Hand liegen.

5 Comments

  1. Um beim Irakkrieg zu bleiben: Es ist nicht zu kritisieren, dass eine Grossmacht ein unbequemes Regime austauscht: Voelkerrecht, Voelkerrecht her, das haben Grossmaechte seit mindestens den Tagen des Athisch-Delischen-Seebundes gemacht: Wo Recht nicht durchgesetzt werden kann existiert es nicht und die Weltgeschichte ist kein Amtsgericht.

    Es ist aber zu kritisieren, dass dies so dilettantisch gemacht, wurde, dass man keine wirkliche Strategie hatte, wie man diese Sache wieder sinnvoll beendet oder auch nur die finanziellen Kosten begrenzt.

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  2. Hier in Europa, sowie in Japan, haben die USA gezeigt, dass sie in der Lage sind stabile Verhaeltnisse zu schaffen.

    Wir Europaer waren ohne die USA noch nicht mal in der Lage in unserm eigenen Hinterhof Balkan fuer Ruhe zu sorgen.

    Uns mag die Politik der USA im Einzelfall wirklich nicht gefallen, aber ohne „Onkel Sam mit dem dicken Knueppel“ waere die Welt um etliches unsicherer.

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  3. @Yeti

    Ob es uns gefaellt oder nicht: Die USA ist die einzige Grossmacht, die in der Lage ist wirklich weltweit zu operieren und hat deshalb die Aufgabe eines Weltpolizisten.

    Grossmaechte und Empiren sind notwendig um wenigstens etwas Ordnung in chaotischen Welt zu halten. Du kannst nicht das „Model Europa“ mit seinem Kindergarten an friedlich kooperierenden Klein- und Mittelmaechten so einfach auf die Welt uebertragen: Schliesslich haben wir Europaer dieses Model erst uebernommen als uns klar wurde, dass der naechste grosse Krieg die totale Vernichtung dieses Kontinents bedeuten wuerde.

    Was den USA vorwerfen koennen, und darum geht es, dass diese Rolle als Weltpolizist machmal sehr dumm ausfuellen.

    PS.: Private Militaerfirmen sind eine europaeische Erfindung. Eine „verstaatlichung“ der Kriegmaschine fand erst nach 1648 statt.

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    1. Rheinlaender:

      Die USA ist die einzige Grossmacht, die in der Lage ist wirklich weltweit zu operieren und hat deshalb die Aufgabe eines Weltpolizisten.

      Sie können vor allem eins, irgendwo reingehen, wo es ihre Wirtschaftsinteressen gebieten, und einen Saustall zu hinterlassen. Weltweites Operieren einer Weltmacht sieht anders aus.

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  4. Örks, das Bild ist ja „echt“. Ich hab‘ das erst für eine Art Skulptur gehalten …

    @topic:
    Die Amis haben eine interessante Strategie. Sie beliefern alle in Frage kommenden Parteien mit Waffen, befeuern Konflikte und wenn sie dann so richtig schön auflodern spielen sie Weltpolizeit und Friedensbringer. Haha. Selten so gelacht.

    Wir haben weder im Irak, noch im Iran oder in Afghanistan oder Pakistan was zu suchen. Ausser Öl vielleicht. Ich finde, wir sollten dort verschwinden, so schnell wie möglich.

    Private Militärfirmen sind ja an sich schon eine Perversität sonder Gleichen.

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