Die säkulare Ignoranz Europas?


Selbstzufriedenheit im aufgeklärten Europa spielt atheistischen und radikal-islamischen Machthabern in die Hände – Heute werden weltweit 200 Millionen Christen verfolgt und diskriminiert

kathweb.at

Das aufgeklärte, sich auf die Menschenrechte berufende Europa ignoriert die weltweite Christenverfolgung. Das beklagt der katholische Publizist Paul Schulmeister am Montag in einem „Presse“-Kommentar unter dem Titel „Eine Verfolgung, von der niemand spricht“. Viele Menschen würden mit „Christenverfolgung“ lediglich grausame Praktiken aus der römischen Antike assoziieren, als Mitglieder der jungen Kirche in der Arena den Löwen zum Fraß vorgeworfen wurden, so Schulmeister. Zudem habe in Europa ein „neuer Atheismus“ Platz gegriffen, der „Religion ausschließlich – nicht selten auf kläglichem Niveau – mit Unfreiheit und Unterdrückung“ verbinde.

Unter Verweis auf vergangene Schandtaten des Christentums werde die gegenwärtige Verfolgung von Christen ausgeblendet. „Auf den Radarschirmen der Selbstzufriedenheit im Westen erscheint das Problem der Christenverfolgung nur selten“, so das Resümee des früheren Präsidenten der Katholischen Aktion Österreichs.

Mit dieser Ignoranz spiele Europa vielen atheistischen und radikal-islamischen Machthabern in die Hände: Mehr als 200 Millionen Christen – und somit weltweit jeder zehnte – würden heute in mehr als 60 Staaten der Welt wegen ihres Glaubens diskriminiert oder verfolgt. Am schlimmsten sei die Lage in Nordkorea, wo es immer wieder zu Massenexekutionen gekommen sei. Acht der zehn Länder, in denen Christen am schlimmsten verfolgt werden, seien freilich muslimisch dominiert, beklagt der ehemalige Journalist, der im Juli wegen seiner interreligiösen Brückenschläge mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet wurde.

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10 Comments

  1. @Malte

    Richtig die EMRK ist beim Europarat angegliedert. Da mit dem Vertrag von Lisabon jedoch die EU ihre eigene Menschenrechtskonvention erhielt, koennte es in Zunkunft Kompetenzueberlappungen der Gerichtshoefe in Luxemburg und Strassburg geben. Eine solche Ueberlappung deutete sich schon in der Schengen-Aquis an im Fall „van Straaten“ (C-150/05) als der Gerichtshof in einem Strafrechtsfall das „ne bis in idem“ Prinzip anwedete.

    Hinzukommen die Kompetenzen der nationalen Gerichte im Fragen der Menschenrechte, was z.B. im Falle des Schutzes der Privatsphere im Presserecht schonmal zu einer oeffentlichen Schlammschlacht zwischen Karlruhe und Strasburg fuehrte.

    (Aber das wirklich nur am Rande).

    Das ganze zeigt jedoch die besondere Situation in Europa, wo sich ueber diese Vertraege eine Art besonderer Insel im Voelkerrecht gebildet hat, in der Staaten auf die klassische absolute Verfuegungsgewalt ueber Leben und Wohl ihrer Untertanen freiwillig zugunsten absoluter und durchsetzbarer Garantien fuer ihre Untertanen verzichteten.

    Zum Thema zurueck zu kommen:

    Diese „Insel der Menschenrechte“ entstand nicht zufaelligerweise auf jenem Kontinent, der auch die Aufklaerung hervorbrachte. Es hat aber z.B. der Kath. Kirche bis zum 2. Vatikanischen Konzil gebraucht um nicht nur die Religionsfreiheit offiziell zu begruessen, sondern diese nicht zu verdammen (man lese sich die paepstl. Enzykliken des 19. und bis in die 1950er zu diesem Thema durch).

    Waere Paul Schulmeister in seinem Denken konsequent, wuerde er eben auf die mangelnde Aufklaerung (im geistesgeschichtlichen Sinne) in diesen Laendern hinweisen als die eigentliche Ursache dieser Verfolgungen.

    Dann bliebe ihm aber auch nichts anderes Uebrig als eben den sekularen Staat und die sekulare Gesellschaft, Ergebnis der Aufklaerung, zu fordern. Als Mitglied der „Katholische Aktion“ kann er dies aber nicht – weshalb seine Kritik eben in sich selber nicht konsitent sein kann, es sei denn er meinte, dass Christen besondere Schutzrechter verdienten. Was er natuerlich so nicht aussprechen kann.

    Weiter: Ich habe bei solchen Beitraegen immer wieder einen schalen Beigeschmack: So hoert z.B. aus der rechten Ecke des US-Christentum immer wieder Vorwuerfe z.B. Deutschland wuerde Christen verfolgen, weil es die allgemeine Schulpflicht gesetzlich verankert hat und auch durchsetz und so die armen Kinder „atheistisch“, „sozialistisch“, „kommunisitsch“, „sexuell“, etc (dort gerne als Synonyme gebraucht) indoktrinieren wuerde.

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  2. @ Rheinlaender
    Deinem Beitrag vom 13.08. kann ich fast komplett zustimmen. Nur sollte auch erwähnt werden, dass die EMRK ein Konstrukt des Europarates ist und nicht der EU. Zwar sind mittlerweile alle EU-Staaten auch Mitgliedstaaten des Europarates, aber diesem gehören auch weitere Nicht-EU-Staaten wie Russland, die Ukraine, die Türkei oder auch die Schweiz angehören.

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  3. „Das aufgeklärte, sich auf die Menschenrechte berufende Europa ignoriert die weltweite Christenverfolgung.“

    Wen verfolgen die Christen denn diesmal?

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  4. @rhenus

    Die UN-Menschenrechtcharter ist tatsaechlich eine vollkommen unverbindliche Absichtserklaerung. Weshalb sich z. B. die Herrscher in der VR China oder in der gesamten arabischen Welt auch den Hintern damit abwischen, aber auch z.B. die USA in weiten Teilen ignorieren. Das mag bedauerlich sein, ist aber so.

    Die Europaeische Menschenrechtskonvention spielt da in einer anderen Kategorie: Deren Rechte koennen von jedem Buerger vor dem Gerichtshof in Strasbourg eingefordert werden und die Mitgliedstaaten haben sich verpflichtet den Richterspruch aus Strasbourg als absolut bindend anzuerkennen. Ich kenne ausser der EU (und damit verbundenen Vertraegen, wie Schengen) keinen anderen int. Vertrag, indem souveraene Staaten sich von ihren Buergern vor einem internationalen Gericht verklagen lassen und dessen Rechtssprechung im Vorab uneingescharenkt akzeptieren (die USA oder Australien bieten ihren Buergern dies nicht).

    Zurueck zum Vatikan: Der Papst wird deshalb dies nicht unterschreiben lassen und ratifizieren, weil der kath. Grundsatz, dass ueber dem Papst kein Richter staende damit verletzt wuerde (siehe auch Statut von Rom).

    Man hielt sich schon immer fuer etwas „ganz besonderes“.

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  5. Es gibt immer noch Staaten dieser Welt, die auf die UN Menschenrechtscharta pfeifen. Dazu gehört auch der römische Operettenstaat, der zwar gerne die Rechte dieser Konvention für seine Funktionäre und Mitglieder anmahnt aber als Staat und globale Organisation die minimalen Pflichten der Konvention nicht tragen möchte.

    Aber so schlimm wie sich das anhört ist es ja doch auch nicht….. denn immerhin werden in diesem Staat seit fast 2000 Jahren Schwule wie auch Pädophile gepflegt, weniger aber Lesben und andere Minderheiten. Auch Frauen haben dort kaum Berufschancen…alte Männer in allen Führungspositionen….. 😉

    Immerhin könnte der Vatikan in Europa ja mal ein Zeichen setzen….. und wenigstens der „Europäischen Menschenrechtskonvention beitreten. Der Vatikan braucht kein Parlament zu fragen, hat wenig Opposition …..nur „Ratzi“ muß nicken…aber luftige Reden über eine Säkulare Ignoranz Europas zu den Menschenrechten und die kürzliche Christenverfolgung im antiken Circus Maximus und im Colloseum sind eben doch einfacher als die Organisation der Kirche aufs 21. Jahrhundert umzustellen …vermutlich bleibt der Vatikan bei der Menschenrechtsfrage fest an der Seite von Weißrußland… 😉

    http://www.politischebildung.ch/themenfelder/menschenrechte/europaeische-menschenrechtskonvention/
    http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Menschenrechtskonvention

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  6. Warum wird dieser Aufruf nicht an den Vatikan/Heiligen Stuhl gerichtet? Immerhin ein Staat mit erheblichen dipl. Dienst. Dieser sollte sich doch um die Getauften per Amt bemuehen?

    Aber statt dessen zieht er es vor mit einigen der uebleren Christenverfolgern aus der islamischen Welt in UN-Gremien zu kluengeln, um Hinweise fuer Rechte fuer Prostituierte, Homosexuelle oder gar Kondomgebrauch aus Beschluesen herauszuhalten.

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  7. Nun, Christen werden dort verflogt, wo Menschenrechte ohnehin nicht viel gelten. Ich halte es deshalb fuer absurd ein spezielles Chirstenproblem auszumachen: Schliesslich geht es Homosexuellen oder Freiheitsliebden aller Grade in diesen Laendern auch nicht besser.

    Man mag ueber die Verfolgung der Roem. Kath. Kirche in der VR China sich aufregen, aber dies ist nur eine Facette des gleichen Regimes, dass unabhaenige Gewerkschafter oder Menschenrechtler einsperrt.

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  8. Ja klar…

    „Unter Verweis auf vergangene Schandtaten des Christentums werde die gegenwärtige Verfolgung von Christen ausgeblendet.“

    Lächerlich. Als aufgeklärter Humanist stehe ich für Glaubensfreiheit. Nur stellt sich „das“ Christentum leider viel zu selten der Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit. Und das stellt für mich seine UNBEDINGTE Unangreifbarkeit in Frage. Und deshalb erlaube ich mir Fragen zu stellen, wenn man mir ungefragt Antworten bieten will.

    „Zudem habe in Europa ein „neuer Atheismus“ Platz gegriffen, der „Religion ausschließlich – nicht selten auf kläglichem Niveau – mit Unfreiheit und Unterdrückung“ verbinde.“

    Er sollte sich vielleicht mal die Bibel vornehmen. Interessant was sich da so alles im Namen des Herrn unterdrücken und knechten lässt. Auch deren geschichtliche Auswirkungen dürften hier nicht uninteressant sein.

    Der Ton dieses Textes ist weiter äußerst tendenziös. Er konzentriert unter dem Feindbild „Verfolger“ eine viel zu weitläufige Gruppe, die vom Atheismus über Kommunismus bis hin zum Islam alles unterzubringen versucht. Es bleibt, der für micht nicht nachvollziebare Hang bestehen, Atheisten und Kommunisten in einen Topf zu werfen. Das ist äußerst langweilig, weil es von dieser Seite leider viel zu oft vorkommt.
    Und das Geschwafel von „negativer“ und „positiver“ Religionsfreiheit… Mir wird schlecht. Wie wäre es mit einer Ausbildung zur Kompetenz zur Religionswahl?

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